Gegen Lebensmittelverschwendung Gesternbrotladen in Erfurt rettet 3.000 Brote

Seit zwei Monaten verkauft eine Bäckerei am Erfurter Ringelberg nur noch Waren vom Vortrag. Der Chef hatte es satt, Brot und Brötchen aus seinen übrigen Filialen Tag für Tag wegwerfen zu müssen. Wie fällt die erste Bilanz aus?

Backwaren
Der Gesternbrotladen "Yestern.day" öffnete Anfang Dezember. Bildrechte: MDR/Julia Pfauter

Der Gesternbrotladen "Yestern.day" am Erfurter Ringelberg hat seit Eröffnung im Dezember rund 3.000 Brote vor der Mülltonne gerettet. Aus dem Verkauf von einem Tag alten Broten, Brötchen und Gebäckstücken wurden im ersten Monat seit Eröffnung 1.300 Euro Gewinn eingenommen. Das Geld fließt an gemeinnützige Projekte, die sich auch mit Lebensmittelverschwendung beschäftigen.

Bei der ersten Geldübergabe am Montagnachmittag an den Verein "Talisa" (Thüringer Arbeitsloseninitiative Soziale Arbeit), der mehrere Ausgabestellen für Lebensmittel betreibt, zeigte sich Bäckerei-Betreiber Matthias Bergmann zufrieden mit dem Start. Bergmann erklärte, er rechne allerdings noch mit deutlich mehr Einnahmen für den guten Zweck aus dem Monat Januar.

Einige Kunden kauften ihre Brote jetzt im günstigeren Laden mit der Vortagsware, dadurch habe sich der Umsatz beim Brot zwar leicht verschoben. Dafür würden in den "normalen" Bäckereifilialen nun mehr "Gönn-dir-Artikel" gekauft, so Bergmann.

Spendenübergabe beim Bäcker
1.300 Euro für gemeinnützige Projekte: Mitarbeiter von Talisa und der Bäckerei bei der Geldübergabe. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Vereine sparen Zeit und Geld

Mit Eröffnung der Filiale am Erfurter Ringelberg holen verschiedene "Tafelbetreiber" die Backwaren inzwischen direkt am Ringelberg ab. So müssten beispielsweise Fahrer der Evangelischen Stadtmission ("Café und Restaurant des Herzens") und des Vereins "Menschlichkeit" nur noch eine Bäckereifiliale anfahren und könnten bei "Yestern.day" das auswählen, was benötigt werde, so Bäckereimitarbeiter Florian Spangenberg. Ingrid Schindler, Geschäftsführerin von Talisa, erklärte, damit sparten die Mitarbeiter der Lebensmittelabgabestelle allein in Erfurt pro Woche rund 300 Kilometer Fahrt und rund sechs Stunden Zeit.

Chef Matthias Bergmann und Verkäufer Patrick Bechtloff am Bäckerstand
Chef Matthias Bergmann und Verkäufer Patrick Bechtloff. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Die Backwarenkette Bergmann betreibt 45 Filialen in Thüringen und verkauft in einem speziellen Laden seit Dezember 2019 Brot, Brötchen und Gebäckstücke, die nicht gekühlt werden müssen, billiger. Seit 15 Jahren gibt das Unternehmen nicht verkaufte Ware an die Tafeln und die Stadtmission ab.

Bisher mussten die Fahrer die Ware in mehreren Filialen abholen und dazu oft viele und aufwändige Wege durch die Stadt absolvieren. Ziel von Bergmann ist es, dass bis Ende 2020 keine Lebensmittel mehr weggeworfen werden müssen. Das Konzept mit Vortagsware soll deutschlandweit an Bäckereien mit mehreren Filialen angeboten werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ifl/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 03. Februar 2020 | 20:00 Uhr

2 Kommentare

pkeszler vor 33 Wochen

Das Gesternbrot ist doch nicht schlechter als das ganz frische Brot. In der DDR haben wir fast immer nur das sog. Gesternbrot bekommen und leben heute noch. Jetzt backen wir das Brot allerdings meist selbst.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 33 Wochen

3000 Brote „gerettet“....???

Wenn ich beim „Containern“ erwischt werde, ist das eine Straftat !

Wenn andere Brote „retten“ und mit dieser „Rettung“ auch noch

Gewinn machen , dann ist das einen öffentlich-rechtlichen

Pressebericht wert... ???





:((

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