Abschied oder Pause? Darum sind die E-Scooter in Erfurt verschwunden

Die orangefarbenen E-Scooter sind aus dem Erfurter Stadtbild verschwunden. Auch in der Ausleih-App werden keine Fahrzeuge mehr angezeigt. Nutzern erklärt der Anbieter die Abwesenheit mit "Winterschlaf".

Ein Mann fährt mit einem E-Scooter auf dem Gehweg.
Wo sind die E-Scooter in Erfurt abgeblieben? Bildrechte: dpa

In Erfurt sind die orangefarbenen E-Scooter aus dem Stadtbild verschwunden. Auch in der Ausleih-App sind derzeit keine Roller mehr verfügbar. Was ist also los?

Erfurt ist ein großer Standort mit 50.000 Nutzern

Auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN bestätigte Vois Generaldirektor in Deutschland, Klaus Unterkircher, die Winterruhe der Scooter. So wie in Erfurt seien die Roller auch in anderen Städten in der kalten Jahreszeit stillgelegt, da die Nutzung geringer ausfalle. Während ein Roller im Sommer drei bis zehn Fahrten am Tag absolviert, sinkt die Nutzung im Winter auf zwei bis vier. Daher läuft der Betrieb im Winter nur in ausgewählten Städten weiter.

Jetzt in der Low-Season evaluieren wir die Situation. Es laufen gerade Gespräche mit der Stadt und dann schauen wir uns an, wie wir dieses Jahr weiter machen.

Klaus Unterkircher

Bis zu 20 Mitarbeiter am Standort Erfurt

Ein genauer Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Betriebs steht noch nicht fest. Voi bleibe am Standort Erfurt jedoch erhalten, da sich in der Thüringer Hauptstadt die zentrale Produktion des Unternehmens für das Deutschlandgeschäft befindet. Zwischen 10 und 20 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Sie warten die Roller und führen schwerere Reperaturen durch. Darüber hinaus ist der Standort mit einer Solaranlage ausgestattet, um die Scooter mit Ökostrom zu laden.

Für das Jahr 2019 zieht Unterkircher ein positives Fazit. Man sei sehr zufrieden und habe hier 50.000 registrierte Nutzer. Im Sommer sei Erfurt für einige Wochen sogar die stärkste Stadt in Deutschland gewesen.

E-Scooter und Autos in Erfurter Alkoholstatistik gleichauf

Trotzdem läuft nach einem halben Jahr noch längst nicht alles glatt. Hin und wieder habe es Vandalismus gegeben. So wurden Roller zum Beispiel aus dem Erfurter Flutgraben gefischt. Um das zu verhindern wurden die Parkverbotszonen der Roller ausgeweitet. Zuletzt war es nicht mehr möglich einen Roller neben einem Gewässer abzustellen. Andere Probleme sind vor allem von den Behörden gemeldet worden. Nach Angaben der Polizei ist die Hemmschwelle in Erfurt, zu zweit, betrunken oder unter Drogen mit einem E-Scooter zu fahren, offenbar niedrig. Demnach zogen die E-Roller- mit den Autofahrern in der Alkoholstatistik mittlerweile gleich.

Um all diese Sachen gehe es auch in den Gesprächen mit der Stadt.

Wir sprechen mit Erfurt über die Parkflächen und die Zusammenarbeit mit dem ÖPNV. Hier geht es darum ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten, um ein gutes alternatives Mobilitätsangebot zum Auto zu machen. Und wir sprechen natürlich auch darüber, was wir besser machen können.

Klaus Unterkircher

E-Scooter sollen 2020 klimaneutral werden

Für das neue Jahr hat sich Voi viel vorgenommen. Das junge Start-Up möchte im Laufe des Jahres komplett klimaneutral werden und setzt dafür auf austauschbare Batterien. Bisher wurden die Scooter oft mit einem Transporter eingesammelt, in der Zentrale geladen und wieder aufgestellt. Mit austauschbaren Batterieren könnte ein Lastenfahrrad zum Einsatz kommen, um die Scooter direkt im Stadtgebiet mit neuer Energie zu versorgen.

Die Lebensdauer der Roller wird oft falsch eingeschätzt

Die Kritik an den E-Rollern sieht Unterkircher derweil gelassen. Die Lebensdauer der E-Roller würde in vielen Studien völlig falsch eingeschätzt werden, da die Consumer-Roller der ersten Generation mit den Sharing Rollern, die auch in Erfurt zum Einsatz kommen, nicht vergleichbar wären. Das Unternehmen selbst geht von einer Mindestlebensdauer von 24 Monaten pro Roller aus. Die Lebensdauer der Batterien würden vom Hersteller LG Electronics sogar mit acht Jahren beziffert. In Erfurt seien nach dem ersten halben Jahr zumindest noch alle 400 Roller in sehr gutem Zustand und vollkommen einsatzbereit.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 09. Januar 2020 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2020, 09:47 Uhr

3 Kommentare

Uncle Stunckle vor 11 Wochen

Ich find die Dinger ganz gut, bin schon mehrmals damit gefahren. Schöne Sache, wenn man schnell von A nach B will. Hatte überlegt mir privat einen zuzulegen, hab mich dann aber für ein E-Bike entschieden. Da sind auch 6 km bis auf Arbeit kein Problem und man kommt auch nicht durchgeschwitzt an.
Wird ja niemand gezwungen damit zu fahren.

Wünsche allen einen schönen Sonntag.

jackblack vor 11 Wochen

Stimmt, aber Gott sei Dank nicht ALLE.

jackblack vor 12 Wochen

Die Dinger braucht kein Mensch.

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