Außenaufnahme vom Erfurter Landgericht
Außenaufnahme vom Erfurter Landgericht Bildrechte: dpa

Anleger um 800.000 Euro geprellt 71-Jähriger steht wegen Betrugs vor dem Erfurter Landgericht

Ein 71-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Erfurt wegen Betrugs verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, 26 Anleger um fast 800.000 Euro geprellt zu haben.

von Cornelia Hartmann

Außenaufnahme vom Erfurter Landgericht
Außenaufnahme vom Erfurter Landgericht Bildrechte: dpa

Das stimme schon alles so, wie es der Staatsanwalt vorgelesen hat, sagt der Angeklagte. Allerdings sei er vom Ausmaß doch sehr überrascht. Und davon, dass ihm da kriminelle Energie unterstellt werde. Er habe doch nur helfen wollen.

Vorgelesen hat der Staatsanwalt eine Anklage wegen 26-fachen Betruges im schweren Fall. Zwischen 2009 und 2012 soll der 71-jährige Angeklagte 26 Anleger um sehr viel Geld geprellt haben. Fast 800.000 Euro beträgt laut Anklage der Schaden. Eine einzige Familie verlor bei Geschäften mit dem Angeklagten 83.000 Euro, ein Rentner verlor nicht nur viel Geld, sondern auch sein Elternhaus. Es wurde zwangsversteigert.

Dubiose Kontakte zu einer Schweizer Bank

Er habe niemanden überredet, bei ihm Geld anzulegen, betont der 71-Jährige. Die Leute seien von sich aus auf ihn zugekommen. Und warum? Weil er wusste, wie sich ein Hauskauf praktisch von allein finanziert. Das wollen die Richter der 2. Strafkammer genauer wissen. Er habe Kontakt "zu einer Art Schweizer Bank" gehabt, erklärt der Angeklagte. Dort haben man 10.000 Euro einzahlen müssen, um einen Gratiskredit über 100.000 Euro zu bekommen. Weil die Bank nur Kredite in Höhe von einer Million ausgab, hätten sich immer zehn Leute finden müssen. "Das geht auch heute noch", sagt der Angeklagte. Leider sei der Geschäftspartner damals nicht mehr zahlungsfähig gewesen.

Zweifelhafte Geschäfte mit Goldminen

In einem anderen Fall sei es um lukrative Goldgeschäfte gegangen. Er habe sich mit eigenen Augen in der türkischen Mine davon überzeugt, dass das alles funktioniert, so der Angeklagte. Doch auch hier sei der Geschäftspartner seinen Verpflichtungen plötzlich nicht mehr nachgekommen.

Manches klingt komisch, was und vor allem wie der 71-Jährige es erzählt. Und doch haben 26 Menschen dabei viel verloren. Das tue ihm auch leid, so der Angeklagte.

Von einem Schneeballsystem könne man nicht sprechen, sagt er. Er habe alles ehrlich gemeint, vielen Menschen geholfen, ihnen ein schönes Leben ermöglicht. Er selbst habe sich nicht bereichert, irgendwann seien einfach zu viel Kosten auf einmal aufgelaufen, da habe er Insolvenz für seine Firmen angemeldet.

Vier Tage hat die 2. Strafkammer des Erfurter Landgerichts für den Prozess vorgesehen. Auf Betrug in diesem Ausmaß steht Haft. Allerdings liegen viele Taten schon zehn Jahre zurück. Das müssen die Richter strafmildernd berücksichtigen. Ein Urteil soll Mitte Juli fallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 18:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen

Thüringen

Seit 1929 fährt die Thüringer Waldbahn zwischen Gotha und Bad Tabarz 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK