Bischof Ulrich Neymeyr
Ulrich Neymeyr wurde 2014 zum Bischof von Erfurt ernannt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Elisabeth-Empfang des Bistums Erfurt Bischof Neymeyr besorgt über Umgang mit rechtsextremem Gedankengut

Bischof Ulrich Neymeyr hat an Thüringer Politiker appelliert, sich dafür einzusetzen, die Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden. Sorge bereite ihm vor allem eine "barbarische Unkultur" im Internet.

Bischof Ulrich Neymeyr
Ulrich Neymeyr wurde 2014 zum Bischof von Erfurt ernannt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat ein Verrohen der Sprache in der Gesellschaft angeprangert. Vor allem im Internet sei eine zum Teil "barbarische Unkultur" gewachsen, sagte er am Donnerstag beim Elisabeth-Empfang des Bistums in Erfurt.

Worte könnten jederzeit in Taten umschlagen, das habe der "blinde Terror" des Mörders von Halle gezeigt. Er forderte vor allem die Politiker auf, sich der Entwicklung entgegenzustellen. Sie selbst beleidigten einander persönlich und öffentlich.

Auch wenn manche die Kritik an ihren unflätigen Aussagen als "Maulkorb" oder als "Diktat der political correctnes" abzutun versuchten, brauche es wieder mehr Menschen, die sagen, "das tut man nicht", zitierte der Bischof Altbundespräsident Horst Köhler.

Gerade in der hochemotionalen Frage, wie die Gesellschaft mit Menschen aus dem Ausland umgehe, stünden verallgemeinernden oder falschen Informationen Tür und Tor offen, so der Bischof. "Wir Christen sehen die Migration positiv. Die ökumenische Landschaft wird bunt in Thüringen", sagte Neymeyr. Als Beispiele nannte er einen griechisch-katholischen Priester, der regelmäßig mit ukrainischen orthodoxen Christen Gottesdienst in der Martini-Kirche in Erfurt feiere. In Gotha werde eine katholische Kirche an die dort große rumänisch-orthodoxe Gemeinde übergeben.

Neymeyr: Viele akzeptieren nationalistische Einstellungen

Besorgt ist Bischof Ulrich Neymeyr zudem über den Umgang der Thüringer mit rechtsextremem Gedankengut. "Viele Menschen nehmen nationalistische und antisemitische Einstellungen, die öffentlich vorgetragen werden, entweder nicht zur Kenntnis oder akzeptieren sie", kritisierte er. "Ich sehe darin auch ein Nachwirken der SED-Diktatur, in der die NS-Vergangenheit nicht aufgearbeitet worden ist, ja verdrängt wurde entsprechend der Doktrin: Die Nazis sind im Westen."

Doch nicht nur die Entwicklung in Thüringen erzürnt den Bischof. Die Versteigerung von Nazidevotionalien am Mittwoch in München, darunter ein Zylinder Adolf Hitlers, nannte Neymeyr einen Skandal. Kaum jemand interessiere sich noch für das Schicksal der Juden, der Nationalsozialismus sei wieder gesellschaftsfähig.

Neymeyr appellierte beim Elisabeth-Empfang an die Politiker, sich dafür einzusetzen, die gegenwärtige Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden: "Sie müssen viele Verantwortliche mit einbinden, Sie müssen nach einem Weg suchen, den möglichst viele mitgehen können, und bei all dem müssen Sie den einzelnen Menschen und seine Fragen und Probleme sehen", sagte er.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm, kna

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. November 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 20:47 Uhr

58 Kommentare

martin vor 1 Wochen

@elbflorenz: Da haben Sie sich mit dem US Präsidenten aber hochintellektuelle Schützenhilfe geholt. Aber "Mediator" hat klar seine Sicht auf das Christentum beschrieben. Wollen Sie ihn missionieren??

Hans Frieder leistner vor 1 Wochen

@Mediator.Wenn sie mich mit ihren Vorurteilen in die rechte Ecke schieben und belehren wollen, geht mirs wie der berühmten Eiche. Mein Vater war Lehrer - auch Religionslehrer - und Organist. Ich war in den 50er Jahren in der Jungen Gemeinde engagiert. Das war für Oberschüler damals nicht einfach. Mir wurde auch ein Studium verweigert. Zwei meiner Söhne halfen als Gymnasiasten auch als Organisten aus. Zwei Enkelsöhne sind heute ehrenamtlich in der evang. Jugendarbeit tätig. Also etwas Ahnung von Religion ist schon vorhanden. Und zum Kapitalismus. Mein Urgroßvater gründete vor 120 Jahren eine Weberei. 1942 schlossen die Nazis den Betrieb weil nicht kriegswichtig.1945 erledigten die SED den Rest. Und dann kommt ein junger Mann und will wieder verstaatlichen. Soll ich da jubeln?

Mediator vor 1 Wochen

Ihre Analyse ist ja grandios. Wie lange haben sie dafür gebraucht? Eine halbe Sekunde? Ihre abschätzige Betitelung für die Vertreter der Kirche und ihre typisch rechtes Unterganszenario zeigt deutlich auf, aus welchem Stall sie kommen.

Selbstverständlich verliert die Kirche Mitglieder, denn Christ zu sei und sich in einer Kirche dazu zu bekennen bringt erst einmal Nachteile, wie z.B. die Kirchensteuer mit sich. Wenn jedoch jemand zu dem Schluss kommt, dass er lieber mit der Summe X in Urlaub fährt statt die Kirche zu unterstützen, dann sagt das mehr über diesen Menschen als über die Kirche aus.

In der Kirche zu sein ist anders als früher heute eine aktive Entscheidung. Viele Menschen haben ja gerade in den neuen Bundesländern keine wirklichen christlichen Wurzeln mehr und so fällt hier auch der Zugang schwerer.

Der Kirche geht es teilweise wie DDR Betrieben nach der Wende. Plötzlich war es nicht mehr selbstverständlich einen "Kundenstamm" zu haben und man musste attraktiv sein.

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