Bundesgartenschau Vor der Buga 2021: Erfurt blickt zurück auf lange Tradition als Blumenstadt

Noch wird fleißig gearbeitet im Egapark und auf dem Petersberg, bevor in drei Monaten die Bundesgartenschau in Erfurt beginnt. Bereits im 19. Jahrhundert lockten ähnliche Ausstellungen zahlreiche Gäste in die Stadt.

IGA
Bis zum 23. April soll Erfurt in eine blumig-grüne Gartenoase verwandelt werden - anknüpfend an eine lange Tradition. Das Bild zeigt die "Iga" 1961. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn die Buga 2021 im April eröffnet wird und Tausende Besucher nach Erfurt strömen, darf zugleich ein neues Kapitel aufgeschlagen werden: in der Geschichte der Blumenstadt an der Gera. Eine Geschichte, die vor Jahrhunderten begann.

Allen, die schon einmal mit einem Stadtführer durch Erfurts Altstadtgassen geschlendert sind, dürfte mindestens eine Sache in Erinnerung geblieben sein: Was es mit der Färberpflanze Waid so auf sich hat. Schließlich verhalf sie der Stadt - neben weiteren Standort-Vorteilen - im späten Mittelalter zu Ruhm und Wohlstand. Nicht nur die Händler profitierten vom europaweiten Erfolg des Waids aus Thüringen, sondern auch Bauern, Böttcher, Fuhrleute.

Doch der Aufstieg zu einer Metropole des eigentlichen Gartenbaus begann später. Ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert waren es geschäftstüchtige Thüringer wie Christian Reichart, Ernst Benary, Friedrich Haage, Johann Christoph Schmidt, Franz Carl Heinemann und Niels Lund Chrestensen, die mit Innovationen auf den Gebieten der Samenzucht und des Anbaus von Nutzpflanzen international Erfolg erlangten. Einigen dieser Familiendynastien ist es gelungen, ihre Unternehmen bis in die Gegenwart hinein zu führen.

Gartenbau-Ausstellungen schon im 19. Jahrhundert

Dass solch ein guter Ruf nicht nur die Wirtschaft ankurbelt, sondern auch das Image einer Stadt geradezu aufblühen lässt, zeigte sich schon damals. So wurde bereits 1838 eine Gartenbauausstellung in Erfurt organisiert.

Zeichnung eines Torbogens mit Passanten davor.
Dieses Bild vom Empfangstor zur Gartenbauausstellung 1865 in der Bahnhofsstraße zierte die Titelseite der Festausgabe des Generalkatalogs F.C. Heinemann. Die Firma war einer der großen Saatzucht- und Saatguthandelsbetriebe im 19. und 20. Jahrhundert in Erfurt. Bildrechte: MDR/Sammlung Raßloff

Ein noch bedeutenderes Datum erkennt der Erfurter Historiker Dr. Steffen Raßloff im Jahr 1865: Die "Allgemeine deutsche Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaues" - initiiert vom Erfurter Gartenbauverein und geplant von der Firma F.C. Heinemann - sei damals in der Presse als "ein wahres Fest der Göttin Flora" und als "erste, das ganze Gartenwesen umschließende deutsche Ausstellung" gefeiert worden.

Der Historiker Dr. Steffen Raßloff
Historiker Steffen Raßloff hat 2011 gemeinsam mit Martin Baumann das Buch "Blumenstadt Erfurt: Waid - Gartenbau - iga/egapark" herausgegeben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter den rund 380 Ausstellern waren nicht nur zahlreiche aus Erfurt, sondern auch einige aus dem Ausland, darunter Australien, Indien, Jamaika und Gibraltar. Die Besucher staunten über türkischen Tabak, Südfrüchte, Heilpflanzen aus Palästina und die Vielfalt des einheimisches Gartenbaus. Die Ausstellung von 1865 könne durchaus als "Ur-Bundesgartenschau" betrachtet werden, sagt Raßloff. "2021 kehrt die Buga also gewissermaßen an ihren Ursprungsort zurück. Sie dockt an die Tradition der früheren hochkarätigen Gartenschauen in Erfurt an."

Alter Angerbrunnen zeigt Blumengöttin Flora

Nach 1865 folgten mehrere ähnliche Großereignisse: etwa 1876 die "Allgemeine deutsche Gartenbauausstellung" im Augustapark am Steigerwald , die "Thüringische Gewerbe- und Industrieausstellung" 1894 auf der Fläche des späteren Stadtparks, und 1902 die Gartenbauausstellung auf dem Gelände der späteren Thüringenhalle.

Aus jener Zeit stammt auch der Alte Angerbrunnen: 1890 wurde er nach mehreren Jahren der Planung enthüllt. Allegorisch dargestellt sind zwei Grundpfeiler der damaligen Erfurter Wirtschaft: Die römische Blumengöttin Flora steht für den Gartenbau, eine männliche Gestalt mit Hammer für Industrie und Handwerk.

"Nach 1945 knüpfte man an die im Zeitalter der beiden Weltkriege ins Stocken geratene Tradition an", sagt Historiker Raßloff. Mit der Gartenschau "Erfurt blüht" 1950 sowie mit der "Iga", der "Ersten Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder" 1961, habe Erfurt seine Stellung als wichtiger Gartenschau-Standort zurückerobert.

Eine gemalte Broschüre zeigt Erfurter Dom und Blumen.
Ein historischer "Fremdenführer der Stadt Erfurt". Bildrechte: MDR/Sammlung Raßloff

Die "Iga": Naherholungsziel und politisches Statement

Vor allem die "Iga" ist vielen Erfurterinnen und Erfurtern in guter Erinnerung geblieben. Und das nicht allein, weil damals auch jenseits der Staatsgrenzen teils begeistert, teils nüchtern-respektvoll über sie berichtet wurde, sondern auch, weil sich das Areal schnell zu einem beliebten Naherholungsziel entwickelte.

So war zum einen die politisch vorgegebene Aufgabe schriftlich festgehalten, die "allseitige Überlegenheit des sozialistischen Gartenbaues über den im Kapitalismus zu beweisen". Zum anderen aber - so fasst es die Hamburger Historikerin Kristina Vagt in einem Aufsatz zur "Iga im deutsch-deutschen Kontext zusammen", wurde die Anlage "zu einem wichtigen 'Erinnerungsort' für die Erfurter, mit dem die Aufbruchzeit vor dem Mauerbau 1961, der Stolz auf das kollektive Werk, aber auch die Erinnerungen an Stunden der Erholung, der Muße und des Vergnügens verbunden sind".

Zudem wurde rückblickend das Fundament gelegt für den späteren Egapark; und damit für eine Parkanlage, die in den vergangenen Jahren immer wieder unter den beliebtesten Ausflugszielen in ganz Thüringen rangierte.

Eine Collage zeigt Bilder der "iga".
Eine Postkarte mit Motiven der "iga Erfurt". Bildrechte: MDR/Sammlung Raßloff

Letzte Vorbereitungen im Egapark und auf dem Petersberg

Bis zum Start der Buga 2021 am 23. April wird der Egapark weiter umgestaltet und herausgeputzt. Themengärten werden vorbereitet, im Wüsten- und Urwaldhaus Danakil gedeihen bereits Pflanzen aus unterschiedlichen Klima- und Vegetationszonen. Und nicht nur im Gartenbaumuseum, sondern auch auf dem Petersberg in der Erfurter Altstadt werden die Besucher sowohl auf aktuelle Trends als auch in die Geschichte und Entwicklung des Gartenbaus blicken können: Zeitreisen durch die heimischen Gartenepochen, sozusagen - zwischen Puffbohne, Waid und einem Blumenkohl namens Erfurter Riese.

Die Buga 2021, davon ist nicht nur Raßloff überzeugt, "wird die gut 180-jährige Geschichte großartiger Gartenbau-Ausstellungen in der Blumenstadt weiterschreiben und Erfurt weit über die Landesgrenzen hinaus in den Fokus rücken. Und dank der 25 Außenstandorte von Altenstein bis Greiz, von Nordhausen bis Ebersdorf, profitiert das ganze Grüne Herz Deutschlands von der Bundesgartenschau in Erfurt".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Radiogarten | 23. Januar 2021 | 09:00 Uhr

7 Kommentare

ich1 vor 5 Wochen

Auf der einen Seite will Thüringen einen Lockdown bis ostern durchsetzten und auf der anderen Seite haben unsere Landesregierung nicht den ..... un der hose die Buga in Erfurt abzusagen wäre diese in einwr anderen Stadt in Thüringen wäre die schon geschehen.

Matthi vor 5 Wochen

Ich finde es nicht mehr nachvollziehbar, von Seitens der Politik wird wegen Corona ein Lockdown bis Ostern diskutiert es wird mit Mutationen Angst verbreitet und auf der anderen Seite will Erfurt mit seinem Corona Hardliner Oberbürgermeister die BUGA im April eröffnen. Wenn ich mir vorstelle das aus ganz Deutschland Besucher kommen Offene Hotels Restaurants usw. Frage ich mich schon wann diskutieren wir über die 3. Welle mit allen Einschränkungen. Eine Verschiebung wie bei den Olympischen Spielen letztes Jahr wäre bestimmt besser, da bis in den Herbst nicht alle geimpft sind die es wollen Leben ja in Deutschland und nicht in den Ländern die viel weiter sind.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen

...und was passiert am Außenstandort in Schloss und Schlosskirche Molsdorf zu

diesem bundesblumigen Anlass ? Ich will Lust ! Ich will gräfliche Vergnügungen !




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Mon plaisir, mon amour ! ;-)

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