Blick von oben auf die Baustelle des Klimazonen-Hauses Danakil im Egapark.
Das Wüsten- und Urwaldhaus Danakil im Egapark soll ein Hingucker zur Buga 2021 werden. Im Sommer wurde Richtfest gefeiert. Bildrechte: MDR/Stadtwerke Erfurt/Steve Bauerschmidt

Zoff bei Vorstandswahl der Buga-Freunde Buga 2021 in Erfurt: Millionen für Umbau und viel Streit

Viele Ideen wurden im Vorfeld der Bundesgartenschau geschmiedet, manche scheiterten. Erfurts Oberbürgermeister Bausewein betont die Vorteile des gigantischen Stadtumbauprogramms. 185 Millionen Euro werden investiert.

von Antje Kirsten

Blick von oben auf die Baustelle des Klimazonen-Hauses Danakil im Egapark.
Das Wüsten- und Urwaldhaus Danakil im Egapark soll ein Hingucker zur Buga 2021 werden. Im Sommer wurde Richtfest gefeiert. Bildrechte: MDR/Stadtwerke Erfurt/Steve Bauerschmidt

Hochfliegend waren die Träume. Die Besucher der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt sollten schweben. In der Gondel sollten sie von einem Buga-Ausstellungsareal zum anderen in luftiger Höhe gleiten. Nur: Die Seilbahn hätte den Weg über die schicken, neugebauten Häuser im Brühl genommen. Dass über ihre Kaffeetische Buga-Besucher schweben, fanden die Anwohner nicht so prickelnd.

23 Parteien hätten zustimmen müssen. "Und wenn nur einer Nein gesagt hätte, wäre das Projekt gestorben", sagt Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Also wurde es gleich beerdigt, kritisieren die Buga-Freunde. Aber: Der Seilbahntraum wäre auch teuer geworden. So starb die erste große Bundesgartenschau-Idee. Im November 2017 verkündete die Stadt, das Projekt einer Seilbahn zwischen Egapark und Petersberg werde nicht weiter verfolgt.

Sorgenkind Defensionskaserne auf dem Petersberg

Blick auf Erfurt vom Petersberg aus.
Der Petersberg soll die Buga-Besucher nicht nur mit seinem Blick auf die Stadt anlocken. Bildrechte: MDR/Marcus Winterbauer

Viel früher schon war der Traum ausgeträumt, die seit Jahrzehnten leer stehende Defensionskaserne auf dem Petersberg bis zur Bundesgartenschau zu sanieren und ihr mit neuen Mietern neues Leben einzuhauchen. Die Pläne der Thüringer Staatskanzlei für ein Landesmuseum auf dem Petersberg sind kühn, aber umstritten. Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) hält das immer noch für die einzig machbare Lösung. "Die Kaserne mit ihren drei Meter dicken Mauern, in ihrer Dimension ist nicht vermarktbar. Es hat doch einen Grund, warum der Kasten seit Jahrzehnten leersteht. Das Landesmuseum wird kommen, dazu gibt es ein Letter of Intent mit dem Ministerpräsidenten. Daran halte ich mich".

Mit der Bundesgartenschau werde der Petersberg belebt. Ohne Buga würde die nächsten 30 Jahre nichts auf dem Berg passieren, so Bausewein. "Wir fangen jetzt wenigstens an, mit einem Aufzug, mit dem Petersberg-Entree und der Sanierung der Peter und Paul-Kirche".

Für die hatten die Buga-Freunde aber noch eine kühne Idee. Sie wollten der Kirche ihre Türme zurückgeben und sei es als Lichtinstallation. Das habe die Eigentümerin, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgelehnt.

Machtkämpfe im Verein der Buga-Freunde

Und so hat sich bei den Buga-Freunden in acht Jahren eine Menge Frust aufgestaut. Und im Verein selbst scheint man sich auch nicht grün zu sein. Da toben Machtkämpfe, werfen sich Vereinsmitglieder in aller Öffentlichkeit vor, nichts zu tun. Drei Vorstandsmitglieder zogen deshalb vor einigen Wochen die Reißleine und traten vom Vorstand zurück.

"Wir haben etliche Jahre versucht, sehr viel zu bewegen. Wir müssen leider feststellen, dass das von der Stadt nicht gewollt ist", sagt ein enttäuschter Alt-OB Manfred Ruge und spricht von einer "Buga der vertanen Chancen". Sein Lieblingsprojekt "Erfurt zu Wasser erleben" werde aber kommen, versprach die Stadtspitze am Dienstagabend. Dann können Buga-Besucher doch noch vom Luisenpark bis zur Krämerbrücke im Kanu fahren.

Nordpark und Gera-Aue werden zu riesigem Landschaftspark

Baumstümpfe gefällter Bäume.
Im Nordpark wurden zahlreiche Bäume gefällt, der Park wird umgestaltet. Bildrechte: MDR Thüringen/Karsten Heuke

Der Nordpark und die Gera-Aue - sie sollten das dritte Buga-Areal sein - wurden inzwischen aus der Buga-Planung genommen. Gebaut wird trotzdem, eine Landschaft von rund 60 Hektar umgestaltet zu Erfurts größtem Landschaftspark. Das Areal ist nun ein gigantisches Stadtentwicklungsprojekt. Insgesamt werden in die Buga und damit in die Stadt Erfurt rund 185 Millionen Euro investiert. In der Gera-Aue werden die Erfurter zur Bundesgartenschau 2021 ein einzigartiges Erholungsgebiet mit Schaukraftwerk, mit Teich, mit 23 Sport- und Freizeitanlagen in Beschlag nehmen können.

Besucher der Buga werden dort aber wohl kaum lustwandeln. "Wir bauen die Bundesgartenschau auch nicht nur für die 171 Tage Bundesgartenschau, sondern für die Erfurter", betont Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) auf jeder Veranstaltung. "Die Bundesgartenschau ist das größte Stadtumbauprogramm, das Erfurt je erlebt hat. Wir investieren in Straßen, in marode Brücken". Die Buga sei wie ein Sechser im Lotto. Zur Wahrheit gehöre, so Bausewein, aber auch dazu, dass eben nicht alles umgesetzt werden kann.

Was allerdings fehle, sei das breitere Mittun der Erfurter. Im Gegenteil - den Machern bläst kalter Wind entgegen. Die Bürgerinitiative "Stadtbäume statt Leerräume" hat Klage gegen einen Teil des geplanten Baus des Bastionskronenpfads auf dem Petersberg eingereicht. Ausgang: ungewiss.

Alt-OB Ruge: "Die Buga in Erfurt wird ein großer Erfolg"

Für mehr Mittun der Erfurter hatte sich 2011 der Förderverein "Freunde der Bundesgartenschau Erfurt 2021" gegründet. Er zählt rund 140 Mitglieder. In seiner Satzung heißt es, dass sich seine Mitglieder die Begeisterung in der Stadt für die Buga entfachen sollen - unter anderem. Doch mittlerweile sind aus Buga-Freunden sowas sie Feinde geworden. Mitstreiter der ersten Stunde haben nun das Handtuch geworfen. Sie beklagen die fehlende Kommunikation mit der Stadt und dass ihre Ideen viel zu früh verworfen wurden.

Bei der Wahl des neuen Vorstands am Montagabend zeigte sich ein Bild der Zerrissenheit. Eine neue Mannschaft war angetreten, um den kompletten bisherigen Vorstand abzulösen. An der Spitze sollte Stadtwerkechef Peter Zaiss stehen, ihm zur Seite Buga-Geschäftsführerin Kathrin Weiß. Doch es gab Gegenkandidaten, wie Rüdiger Kirsten. Als Experte hat er zwölf Gartenschauen fachlich begleitet und die "Entente florale" auf europäischer Ebene. Beim Wählen ging dann auch noch etliches schief, immer wieder stimmte die Zahl der Anwesenden mit den abgegebenen Stimmen nicht überein. Nach vier Stunden wurde dann doch Rüdiger Kirsten zum Chef gewählt, der sich seine Mannschaft nun noch zusammensuchen müssen.

"Die Buga in Erfurt wird ein großer Erfolg", davon ist auch Alt-OB Manfred Ruge überzeugt. "Die Menschen werden einen tollen Egapark erleben, werden auf dem Petersberg spazieren gehen. Sie wissen ja nicht, was noch alles hätte sein können."

Der Countdown läuft - bis zur Eröffnung im April 2021 sind es noch knappe 17 Monate.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. November 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 21:13 Uhr

2 Kommentare

Nawienn vor 3 Wochen

Ich habe durch Zufall die Namentliche Aufstellung, der 140 Mitglieder
des Fördervereins durch einem Aushang auf der EGA, in einem
nicht benutzten Pavillon gelesen.Wer da sich alles wieder eine goldene
Nase und endlich wieder Ansehen erhaschen wollte und will,
jedenfalls ist mir erst mal wieder bewußt geworden, was sich alles in einem
solchen Gremium tummelt.Die erste Zerreisprobe ist da,mal sehen
wer die nächste Kuh ist, die vom Eis geht. Wer zieht denn überhaupt Wen
zur Rechenschaft,wenn das Ding den Bach runter geht???
Wer kontrolliert denn, wo die ganze Kohle hin geht ???
Einen schönen Abend noch...

Jenaer vor 3 Wochen

Machtspielchen sind keine gute Voraussetzung für das Gelingen dieses gigantischen Projekts. Ich hoffe, dass die 185 Mio € klug und vor allem nachhaltig investiert werden. Bleibt abzuwarten, ob die Ticketpreise für die Gartenschau für den Thüringer Normalverdiener erschwinglich sind.

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