Polizei sichert Beweise vor Erfurter Spielhalle nach Schießerei
Ausgangspunkt für die Ermittlungen war eine Schießerei in und vor einer Spielothek in Erfurt im Juli 2014. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm

Organisierte Kriminalität Bundesweite Ermittlungen gegen armenische Mafia

Nach der Mafia-Schießerei in Erfurt 2014 startete eine geheime Arbeitsgruppe Ermittlungen. Mehrere Behörden beteiligten sich daran, der armenischen Mafia auf die Spur zu kommen. Das zeigen gemeinsame Recherchen von SPIEGEL- und MDR THÜRINGEN-Reportern.

von Maik Baumgärtner, Jörg Diehl, Axel Hemmerling, Ludwig Kendzia und Martin Knobbe

Polizei sichert Beweise vor Erfurter Spielhalle nach Schießerei
Ausgangspunkt für die Ermittlungen war eine Schießerei in und vor einer Spielothek in Erfurt im Juli 2014. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm

Das Bundeskriminalamt (BKA) und sechs Landeskriminalämter (LKA) haben in einem geheimen Verfahren jahrelang gegen die armenische Mafia in Deutschland ermittelt. Das geht aus einem vertraulichen Abschlussbericht des Ermittlungsprojektes FATIL hervor. Hinter der Abkürzung steckt der Deckname der Operation "Fight Against Thieves In Law", zu Deutsch: "Kampf gegen Diebe im Gesetz". Hinter den "Dieben im Gesetz" verbergen sich hochrangige Mafia-Bosse. Führungsautoritäten, die laut dem FATIL-Projekt unter anderem die armenischen Mafia-Clans in ganz Deutschland kontrollieren.

In der Arbeitsgruppe waren auch die Landeskriminalämter Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt dabei. Bei dem FATIL-Projekt handelt es sich um eines der größten Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität (OK) in Deutschland. Ausgangspunkt war die Schießerei zwischen armenischen Mafia-Clans im Juli 2014 in und vor einer Spielothek in Erfurt. Dabei wurden damals zwei Männer schwer verletzt. In einem späteren Gerichtsverfahren wurde der Hauptschütze zu einer Haftstrafe verurteilt, weitere Beteiligte kamen mit Bewährung davon.

Beteiligte Ermittlungsbehörden bei FATIL
Am 27. Juli 2015 richtete die Bundesweite Kommission Organisierte Kriminalität (KOK) die Projektgruppe FATIL ein. Drei Jahre ermittelten diese Behörden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

BKA: Armenische Mafia existiert

Nur wenige Monate nach der blutigen Auseinandersetzung reagierte das Bundeskriminalamt und gründete FATIL mit den sechs Landeskriminalämtern, die alle in ihrem Gebiet mutmaßliche armenische Mafia-Gruppen beobachteten. Bis Sommer dieses Jahres wurde ermittelt. Nun liegt ein 19-seitiger, streng vertraulicher Abschlussbericht vor, der durch das Spiegel- und MDR-Team ausgewertet werden konnte. Im Zuge von FATIL wurden bundesweit 14 Verfahren eingeleitet. Gegen 42 Personen wurden Finanzermittlungen geführt, unter anderem wegen des Verdachts der millionenschweren Geldwäsche. An FATIL waren auch der Bundesnachrichtendienst (BND) und Europol beteiligt.

Das BKA schreibt in seinem Bericht, dass eine armenische Mafia in Deutschland "tatsächlich existiert". Zusammen mit anderen Gruppen aus dem russisch-eurasischen OK-Bereich verfüge sie über "erhebliche finanzielle Ressourcen" und könne "eine Gefährdung für den Rechtsstaat" sein. Das FATIL-Projekt wurde im Sommer 2018 beendet, weil die Verfahren mangels Beweisen eingestellt werden mussten. Laut dem Bericht sind die Gründe unter anderem fehlende technische Möglichkeiten der Überwachung, zu wenig Personal und die Zurückhaltung vieler Staatsanwaltschaften, Verfahren gegen OK-Gruppen einzuleiten. 

Ermittlungsergebnisse von FATIL (Stand: 26.07.2018)
Das ist das Ergebnis der dreijährigen Ermittlungen der Projektgruppe FATIL (Stand: 26.07.2018) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN/Der Spiegel

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Ein stark beschädigtes Fahrzeug neben einer Straße 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 18:00 Uhr

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50 Kommentare

04.11.2018 17:49 Verwirrende Zeitangaben 50

@MDR THÜRINGEN Wie lange hat FATIL denn nun gearbeitet? Mich verwirren die unterschiedlichen Zeitangaben - mal 2014, mal 2015 - hier im Text:
"...2014 startete eine geheime Arbeitsgruppe aus BKA und Landeskriminalämtern Ermittlungen..." ///
"Am 27. Juli 2015 richtete die Bundesweite Kommission Organisierte Kriminalität (KOK) die Projektgruppe FATIL ein." ///
"Nur wenige Monate nach der blutigen Auseinandersetzung reagierte das Bundeskriminalamt und gründete FATIL mit den sechs Landeskriminalämtern..."

[MDR THÜRINGEN: Das FATIL-Projekt startete am 27. Juli 2015 und wurde im Sommer 2018 beendet.]

04.11.2018 17:11 Hilfloser Staat 49

Ergebnis: Die Banden können wie gehabt beruhigt ihren Geschäften nachgehen, weil die Polizei nicht an sie rankommt. Na Prima!

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