Thüringen Veranstaltungsbranche leidet unter Corona-Maßnahmen - Demo in Erfurt

Unternehmer und Mitarbeiter aus der Thüringer Veranstaltungsbranche haben am Mittwoch vor dem Landtag in Erfurt auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht. Weil große Veranstaltungen wie Feste und Jahrmärkte seit Monaten wegen der Corona-Krise verboten sind, fehlt es der Branche an Einnahmen. "

Vertreter der Thüringer Veranstaltungsbranche demonstrieren vor dem Landtag in Erfurt.
"Volksfeste sind unser täglich Brot": Schausteller und Unternehmer der Veranstaltungsbranche bei ihrer Demo vor dem Landtag in Erfurt Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Uns wurde quasi ein Berufsverbot auferlegt", sagte der Schausteller Fritz Krebs aus Erfurt. Zuletzt habe er Einnahmen Ende Dezember bei Weihnachtsmärkten gehabt. Er verstehe nicht, warum Menschen an Restaurant-Tischen gemeinsam sitzen dürfen, aber etwa Kinder nicht im Karussell zusammensitzen dürften. Dabei könnten genauso Auflagen eingehalten werden.

Tiefensee will Versicherung gegen Stornokosten anregen

Andere Vertreter der Branche, darunter Messebauer und Caterer, kritisierten auch die Hürden, um an Geld aus Überbrückungshilfen zu kommen. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, aktuell sei es schwierig, Veranstaltungen wie Messen für das kommende Jahr zu planen. Im Moment möge das Infektionsgeschehen in Thüringen überschaubar sein. Aber ob dies etwa im April nächsten Jahres der Fall sei und welche Veranstaltungen dann möglich seien, könne im Moment niemand abschätzen.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bei einer Demo der Thüringer Veranstaltungsbranche vor dem Landtag in Erfurt.
Will auf Bundesebene Versicherung gegen Stornokosten vorschlagen: Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Damit dennoch Veranstaltungen in Zukunft ohne Angst vor Komplettverlust bei Absagen geplant werden können, wolle er auf Bundesebene eine Art Versicherung für Stornierungskosten anregen. Sollte dies nicht möglich sein, wolle er über eine solche Absicherung zumindest auf Landesebene nachdenken.

Kemmerich fordert "Muster-Hygienekonzept"

Der Fraktionschef der FDP im Landtag und frühere Thüringer Ministerpräsident Thomas Kemmerich forderte die Landesregierung auf, mehr Vertrauen in die Veranstalter zu haben. Trotz der existenzbedrohenden Lage der Unternehmen tue Rot-Rot-Grün zu wenig. Die Regierung Ramelow schiebe die gesamte Verantwortung auf die Kommunen und Unternehmen ab. Die Regierung solle ein "Muster-Hygienekonzept" erarbeiten, an dem sich Unternehmen orientieren könnten.

Thomas L. Kemmerich (FDP) spricht im Landtag nach der Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses der Landtagswahl in Thüringen.
Thüringens FPD-Chef Thomas Kemmerich Bildrechte: dpa

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. September 2020 | 19:00 Uhr

22 Kommentare

martin vor 6 Wochen

@maennlein: Es geht nicht nur um die Schausteller, sondern auch um Bühnen-, Licht- und Tontechniker, Catering, etc. - alles Menschen die sowieso meist von ihrer Arbeit nicht sonderlich reich werden.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 6 Wochen

Nach der Muster-Versammlungsstättenverordnung nun auch noch ein Muster-Hygienekonzept. Hier müßten wir dann auch ganz konkret unterscheiden nach
„drinnen“ und „draußen“ und Halle und Bühne und Staatstheaterhaus und Dorfsaal und, und, und...?!

Das wäre doch mal ein bundesweit ganzheitlicher Ansatz. Aber: das aktuelle Problem der Schaustellerbetriebe und ihrer Familien, lieber Thomas L., löst das eben auch nicht....

martin vor 6 Wochen

@lyn: Wir haben ja nicht immer unbedingt die gleichen Ansichten - aber hier gebe ich Ihnen recht.

Wobei es nicht nur um die Schausteller geht. Es geht genauso um die Menschen, die als Bühnen-, Licht- oder Tontechniker, im Catering etc. ihr Geld verdienen. Und da man dort meist nicht wirklich reich wird, sind die Rücklagen schnell aufgebraucht - aber die Kosten laufen weiter.

Da finde ich es sehr richtig, dass man auch auf die kleineren Betriebe mit ein paar Angestellten hinweist und beachtet, dass es zwischen den Soloselbstständigen und dem Mittelstand auch noch eine Reihe von Menschen gibt, die mit ehrlicher Arbeit ihren Lebensunterhalt (und den ihrer Familien) verdienen wollen.

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