Erfurt Mehrere Tausend Menschen bei Demo gegen Ministerpräsidentenwahl

Tausende Menschen haben am Samstag in Erfurt gegen die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD protestiert. Die Demonstrierenden kamen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Die Demonstration auf dem Erfurter Domplatz stand unter dem Motto: Nicht mit uns Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte

Auf dem Erfurter Domplatz demonstrierten am Samstagnachmittag mehrere Tausend Menschen gegen die Wahl von Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) mit Stimmen der AfD. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Nicht mit uns" waren Demonstranten mit Bussen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Die Veranstalter sprachen von bis zu 18.000 Teilnehmern, die Polizei von 9.000.

Von Erfurt gehe an diesem Samstag ein Signal für eine solidarische Gesellschaft aus, sagte Michael Ebenau von der IG Metall. Vertreter der Jüdischen Landesgemeinde, der Evangelischen Kirchen Mitteldeutschland und Suleman Malik von der Ahmadiyya-Gemeinde riefen zum Zusammenhalt aller demokratischen Kräfte auf.

Zu der Demonstration hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund und weitere Organisationen aufgerufen. Nach der Kundgebung startete ein Demonstrationszug durch die Innenstadt von Erfurt. Die Polizei sprach am Abend von einem friedlichen und störungsfreien Protest.

Erfurt: Straßensperrungen, Verspätungen bei Straßenbahnen und Bussen

Die Erfurter Stadtverwaltung erwartet rund um die Proteste ab Samstagmittag bis etwa 16 Uhr erhebliche Behinderungen im Nahverkehr. Betroffen sind voraussichtlich alle Straßenbahnlinien sowie die Busse der Linien 9, 51, 60 und 90 der Erfurter Verkehrsbetriebe (Evag). "Fahrgäste werden aktuell über Durchsagen in den Fahrzeugen, Laufschriften an der Haltestelle, aber auch über die Evag-App und über Twitter informiert", hieß es aus dem Rathaus. Während der Demonstrationen müssen außerdem Straßen vorübergehend gesperrt werden, etwa der östliche Juri-Gagarin-Ring.

Nichtmituns Bilderstrecke: Demo auf dem Erfurter Domplatz

Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Erfurt gegen einen Rechtsruck in Deutschland demonstriert. Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte
Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Erfurt gegen einen Rechtsruck in Deutschland demonstriert. Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte
Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Unter dem Motto «#Nichtmituns: Kein Pakt mit Faschist*innen - niemals und nirgendwo!» hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund und das zivilgesellschaftliche Bündnis «#unteilbar» dazu aufgerufen. Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte
Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Bei der Auftaktkundgebung auf dem Erfurter Domplatz appellierten Redner an die demokratischen Parteien in Thüringen, geschlossen die AfD zu bekämpfen. Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte
Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Zur Kundgebung auf den Erfurter Domplatz waren nach Veranstalterangaben rund 18.000 Menschen aus ganz Deutschland gekommen. Bildrechte: MDR/Lukas Schliepkorte
Demonstrierende Menschen auf dem Erfurter Domplatz.
Die Polizei sprach von etwa 9.000 Teilnehmern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Protestierende Menschen laufen auf Straße
Nach der Kundgebung startete ein Demonstrationszug durch die Innenstadt von Erfurt. Bildrechte: MDR/Ria Weber
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Bündnis #unteilbar gegen Rechtsruck in Thüringen

Vor der Demonstration sagte der DGB-Chef für Hessen und Thüringen, Rudolph: Indem FDP und CDU bei der Wahl Kemmerichs gemeinsam mit der AfD gestimmt hätten, sei der antifaschistische Konsens zerbrochen, der in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelebt worden sei. Der Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland", Konrad Erben, sagte, er sei entsetzt über die Umstände der Wahl Kemmerichs. "Das war für uns mehr als ein Tabubruch." Es zeige, wie weit die Gesellschaft in Deutschland inzwischen nach rechts gerückt sei. Mit der Demonstration wolle man der "Normalisierung des Rechtsrucks" in Deutschland entgegentreten, sagte Anna Spangenberg vom Bündnis #unteilbar. Die demokratischen Parteien, aber vor allem auch die Zivilgesellschaft seien gefragt.

Proteste seit der Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten

Seit der Wahl Kemmerichs in der vergangenen Woche reißen die Proteste dagegen nicht ab. Der FDP-Politiker war nach drei Tagen im Amt zurückgetreten. Schon unmittelbar nach der gemeinsamen Abstimmung von AfD, CDU und FDP im Landtag waren deutschlandweit Menschen aus Protest auf die Straße gegangen, unter anderem in Erfurt, Jena, Leipzig, Magdeburg, Berlin, München und Hamburg.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Februar 2020 | 15:00 Uhr

604 Kommentare

Klaus vor 20 Wochen

Der gewählte MP-Kandidat selbst. Er hat sofort nach seiner Wahl erklärt, dass er mit dem Großteil seiner Wähler nicht zusammenarbeiten möchte.
Das Wahlvolk ist wohl davon ausgegangen, dass man ernsthafte Politik machen möchte und keine sinnfreien MP-Wahlen veranstaltet.

JanoschausLE vor 20 Wochen

Ach so? Mehr Qualität mit einer Minderheitsregierung die kleiner wäre, als die Linke allein? Solch Qualität, wie 25 Jahre vor RRG? Abbau - Sicherheit,
-Abbau bildungswesen
-Abbau Kitas (weil sich hierüber ja Erichs Rache so aufregt),
-Wiedereinführung der Straßenausbaugebühr
Und und und
Komisch, RRG hat das alles und noch mehr in Angriff genommen und umgekehrt.

JanoschausLE vor 20 Wochen

@Der Silvio,
natürlich, wenn ich mich um ein Amt bewerbe, da muss ich schon ein Konzept vorlegen, auch, wie eine Regierung ausschauen soll. Der Wahlerwille sollte sich schon widerspiegeln. Wie hier ein anderer User schon schrieb, die AfD - Fans schrieben dem 31% Mann Ramelow wegen fehlender Mehrheit das Anrecht ab MP zu werden, den 5% Mann mit einer noch kleineren Minderheit mit der CDU feiert man und stellt ihn als irgendein Opfer der Bundesregierung dar. Total verblendet, total sinnfrei...

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