#Nichtmituns Tausende zu Demo in Erfurt erwartet - Route im Überblick

Nach seiner umstrittenen Wahl trat Thomas Kemmerich schnell als Ministerpräsident zurück, doch Thüringen steckt noch immer in der Krise. Die Ereignisse im Landtag und die politische Lage im Freistaat nehmen Gewerkschaften und Verbände zum Anlass für eine Großdemonstration in Erfurt. Zur Kundgebung #Nichtmituns werden Tausende Menschen erwartet. Autofahrer und Straßenbahn-Passagiere müssen sich auf erhebliche Behinderungen einstellen.

Demonstranten stehen vor der Erfurter Staatskanzlei
Am Samstag ist die Großdemonstration #Nichtmituns in Erfurt geplant. Wie direkt nach der Kemmerich-Wahl soll sie auch zur Staatskanzlei führen. Bildrechte: MDR/Michael Frömmert

Auch nach dem Rücktritt des Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) wird am Samstag in Erfurt wieder gegen seine Wahl mit den Stimmen der AfD demonstriert. Die Demonstration werde nicht das Ende der gesellschaftlichen Proteste gegen die Wahl sein, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Bezirk Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. Die Veranstalter erwarten nach eigenen Angaben mehrere Tausend Teilnehmer.

Der DGB hat die Kundgebung in Erfurt angemeldet, zu der ein Bündnis zahlreicher Verbände und Organisationen bundesweit unter dem Motto "#Nichtmituns: Kein Pakt mit Faschist*innen - niemals und nirgendwo!" aufgerufen hat. Die Demonstration soll auf dem Domplatz in Erfurt beginnen, nach einer Auftaktkundgebung ziehen die Demonstranten durch Teile der Innenstadt. Aus der Bundespolitik hat Linken-Chefin Katja Kipping ihre Teilnahme angekündigt.

#Nichtmituns: Großdemonstration auf Domplatz in Erfurt

Die Hauptkundgebung ist für 13 Uhr auf dem Domplatz geplant, angemeldet sind laut Stadtverwaltung etwa 10.000 Teilnehmer. Ab etwa 14:30 Uhr führt die Großdemonstration zunächst nach Westen zum Benaryplatz, von dort wieder Richtung Zentrum über den Karl-Marx-Platz vor die Thüringer Staatskanzlei. Über den Anger, die Bahnhofstraße und den Juri-Gagarin-Ring laufen die Teilnehmer schließlich um die Innenstadt herum zum Haus der Sozialen Dienste. Insgesamt soll die Strecke etwa 3,5 Kilometer lang sein.

Die Grafik zeigt die geplante Route der Demonstration #Nichtmituns durch Erfurt.
Die Route der Demonstration #Nichtmituns durch Erfurt - zum Vergrößern anklicken. Bildrechte: MDR/MCS Grafik

Vor der Kundgebung auf dem Domplatz will auch das Bündnis "Alles muss man selber machen" in Erfurt demonstrieren. Die sich selbst als linksradikal bezeichnende Initiative trifft sich gegen 12 Uhr am Hauptbahnhof und zieht dann über Anger und Fischmarkt zum Domplatz.

Erfurt: Straßensperrungen, Verspätungen bei Straßenbahnen und Bussen

Die Erfurter Stadtverwaltung erwartet rund um die Proteste ab Samstagmittag bis etwa 16 Uhr erhebliche Behinderungen im Nahverkehr. Betroffen sind voraussichtlich alle Straßenbahnlinien sowie die Busse der Linien 9, 51, 60 und 90 der Erfurter Verkehrsbetriebe (Evag). "Fahrgäste werden aktuell über Durchsagen in den Fahrzeugen, Laufschriften an der Haltestelle, aber auch über die Evag-App und über Twitter informiert", hieß es aus dem Rathaus. Während der Demonstrationen müssen außerdem Straßen vorübergehend gesperrt werden, etwa der östliche Juri-Gagarin-Ring.

Bündnis #unteilbar gegen Rechtsruck in Thüringen

Vor der Demonstration sagte der DGB-Chef für Hessen und Thüringen, Rudolph: Indem FDP und CDU bei der Wahl Kemmerichs gemeinsam mit der AfD gestimmt hätten, sei der antifaschistische Konsens zerbrochen, der in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelebt worden sei. Der Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland", Konrad Erben, sagte, er sei entsetzt über die Umstände der Wahl Kemmerichs. "Das war für uns mehr als ein Tabubruch." Es zeige, wie weit die Gesellschaft in Deutschland inzwischen nach rechts gerückt sei. Mit der Demonstration wolle man der "Normalisierung des Rechtsrucks" in Deutschland entgegentreten, sagte Anna Spangenberg vom Bündnis #unteilbar. Die demokratischen Parteien, aber vor allem auch die Zivilgesellschaft seien gefragt.

Fotostrecke Thüringer gehen nach Ministerpräsidentenwahl auf die Straße

Direkt nach der Wahl Thomas Kemmerichs zum Ministerpräsidenten regte sich in Thüringen Protest.

Spontane Demo gegen Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten vor dem Thüringer Landtag
Bereits kurz nach der Wahl Kemmerichs versammelten sich Menschen vor dem Landtag. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Michael Frömmert
Spontane Demo gegen Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten vor dem Thüringer Landtag
Bereits kurz nach der Wahl Kemmerichs versammelten sich Menschen vor dem Landtag. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Michael Frömmert
Bild von einer Demo vor dem Landtag.
Die Wahl sei ein "Betrug am Wähler". Bildrechte: MDR
Demonstranten stehen vor der Erfurter Staatskanzlei
Später kamen Demonstranten vor der Staatskanzlei zusammen. Bildrechte: MDR/Michael Frömmert
Proteste vor der Staatskanzlei in Erfurt nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten
Die Polizei spricht von rund 1.000 Teilnehmern. Bildrechte: MDR/Lukas Schlipkorte
Demonstrant halten Anti-FDP-Plakat vor Thüringer Staatskanzlei Erfurt
"Kein Gewissen, keine Haltung", steht auf diesem Plakat. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Jürgen Kolarzik
Proteste vor der Staatskanzlei in Erfurt nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten
Die FDP und CDU als "Steigbügelhalter des Faschismus" lautete ein weiterer Vorwurf. Bildrechte: MDR/Lukas Schlipkorte
Demonstrant vor dem DNT Weimar protestieren gegen Wahl Kemmerichs zum Thüringer Ministerpräsidenten
In Weimar demonstrierten Menschen auf dem Theaterplatz - mit Fingerzeig auf die Situation in der Weimarer Republik. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Johannes Krey
Demonstartion in Weimar
Die Polizei sprach von 200 Teilnehmern in Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Proteste seit der Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten

Seit der Wahl Kemmerichs in der vergangenen Woche reißen die Proteste dagegen nicht ab. Der FDP-Politiker war nach drei Tagen im Amt zurückgetreten. Schon unmittelbar nach der gemeinsamen Abstimmung von AfD, CDU und FDP im Landtag waren deutschlandweit Menschen aus Protest auf die Straße gegangen, unter anderem in Erfurt, Jena, Leipzig, Magdeburg, Berlin, München und Hamburg.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa,epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2020, 15:28 Uhr

259 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 6 Wochen

"Und das eine Gewerkschaft, die zu einer Demo aufruft,"

Wer lieber Kraus hat beschlossen das in unser Demokratie Demos demokratisch Wahlen ablösen?
😡😡😡

emlo vor 6 Wochen

Sorry Rotti, aber das kaufe ich Ihnen nicht ab. Wenn Sie unseren demokratischen Rechtsstaat schätzen würden, würden Sie die heutige Demonstration nicht verunglimpfen. Bei dieser Demonstration ging es nicht darum, dass die Linken die Regierung übernehmen sollen, sondern die Wahl von Kemmerich mit Unterstützung einer in Teilen faschistischen Partei. Und dagegen wird völlig zu Recht demonstriert. Wenn Sie mit den Rändern nichts am Hut haben, müssten Sie das eigentlich unterstützen. Es kann natürlich sein, dass Ihr blinder Kommunistenhass Ihnen den Blick für die Realität verstellt.

Fakt vor 6 Wochen

Sie sollten schon differenzieren zwischen der Wahl im Parlament und der Zustimmung in der Bevölkerung laut jüngster Umfragen. Ganz schön schwer, gell?

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