Damals wie heute Deutsch lernen - mühsamer Weg für Erwachsene?

Porträt Mann beim Schreiben
Bildrechte: MDR/Christian Schneider

von Progammmacher Akos Karai

Es waren die späten 60er-Jahre, als mein Vater als 19-Jähriger seine ungarische Heimat Csongrad verließ, um in der damaligen DDR als Austauscharbeiter im Möbelwerk Zeulenroda eine gewisse Zeit zu arbeiten und zu lernen. In dieser Zeit lernte er meine Mutter kennen und aus einem Jahr wurde die Zeit bis heute.

Aufgeschlagenes Buch mit rumänischem Schriftzug
Auch kein Allgemeinwissen: Rumänisch Bildrechte: imago/INSADCO

Wie viele Vertragsarbeiter aus den damaligen osteuropäischen Staaten, Vietnam oder Kuba musste er sich erst mit der Lebensweise in einem fremden Land mit fremder Sprache vertraut machen.

Was half ihm in dieser Zeit, die deutsche Sprache zu erlernen? Er war mehr oder weniger gezwungen, Deutsch zu lernen. Betriebliche oder sonstige Angebote gab es für ihn damals nicht – "learning by doing" war angesagt. In seiner Familie und im Arbeitsumfeld fand er reichlich Unterstützung und die fremde Sprache lernte sich wie von selbst.

Es ist wie damals

Später in meiner Lehre in der Gastronomie lernte ich viele Kollegen kennen, die aus Bulgarien stammten und saisonal in diesem Bereich tätig waren. Mit ihrer herzlichen Art legten sie für mich aus heutiger Sicht den Grundstein dafür, dass ich auf andere Menschen ohne Vorurteile offen zugehen kann, egal welche Sprache sie sprechen.

Heute bin ich in einem großen Logistikunternehmen in Erfurt beschäftigt – und es ist erschreckend gleich mit dem Sprachenlernen. Täglich treffe ich Kollegen mit unterschiedlichster Herkunft aus mehreren Dutzend Ländern.

Zahlen zur ausländischen Bevölkerung in Thüringen Ende Dezember 2018 lebten in Thüringen 108.785 Ausländer aus rund 150 Staaten. Das waren 7.830 beziehungsweise 7,8 Prozent mehr als Ende des Jahres 2017. Die Zahl der in Thüringen lebenden ausländischen Personen stieg erstmals seit 2011 nicht mehr im zweistelligen Prozentbereich. Nach Kontinenten gegliedert lagen die Europäer mit 56.365 Personen bzw. einem Anteil von
51,8 Prozent an der Gesamtausländerzahl im Jahr 2018 an der Spitze. Syrer bildeten mit 16.195 (14,9 Prozent) die größte Gruppe. Es folgen Polen mit 10,6 Prozent, Rumänien (7,5 Prozent), Afghanistan (6,7 Prozent) und der Irak (4,2 Prozent).

Dabei beobachte ich für mich immer wieder, dass es dem einen leichter fällt, die deutsche Sprache zu erlernen und dem anderen schwerer. Den Kollegen, die ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegt oder eine Familie gegründet haben scheint es leichter zu fallen als denen, die nur zeitweise hier arbeiten und da auch lieber unter sich bleiben.

Dolmetscher und Kinder helfen

Das Unternehmen bietet zwar Sprachkurse an und setzt auch Dolmetscher ein. Ganz wichtig fürs Deutschlernen sind aber oft auch die Kinder. Die Zeiten ähneln sich. Es war schon immer so, dass der tägliche Alltag unser Lernen bestimmt. Und auch ich lerne täglich – mal etwas Polnisch, mal etwas Russisch, mal etwas Englisch. Und gebe gerne jedem eine kleine Deutschlektion, der sie möchte.

Und wie sieht es mit dem Verständnis der Muttersprachler aus, wenn ihre Gesprächspartner noch mit dem Deutschen kämpfen? Vorsichtige Beobachtung: Häufig meckern eher diejenigen, die mit sich oder eigenen - vielleicht auch nur gefühlten - Unzulänglichkeiten kämpfen.

Denn für mich steht letztendlich fest: Lernen hat viel mit KennenLERNEN zu tun und dem Willen, gemeinsam friedvoll zusammenzuleben. Und die verständlichste Sprache von allen ist sowieso ein Lächeln – das versteht jeder.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 12. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 19:12 Uhr

1 Kommentar

Lyn vor 4 Wochen

Deutsche Sprache, schwere Sprache...

Nur...

In so manchen Ländern, speziell 3. Welt, staune ich immer wieder darüber, wie es den Einheimischen gelingt, sich in so vielen Sprachen gekonnt und umfangreich auszudrücken. Und die Leute hatten das nicht in der Schule, sind oft Analphabeten.

Und das, wo es so manch einem in der 3. Generation hier Lebenden nicht gelingen will.

Wo ein Wille ist...!

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