Operation Aderlass Doping-Netzwerk: Sportarzt aus Erfurt gibt weitere Namen preis

14 Monate nach der aufsehenerregenden Anti-Doping-Razzia, bei der unter anderem ein Sportarzt aus Erfurt aufflog, steht ein Prozesstermin noch immer aus. Die Ermittler bringen allerdings immer mehr Details des internationalen Systems in Erfahrung - offenbar auch, weil Mark Schmidt sich äußert.

Razzia bei einem Erfurter Sportmediziner
Die Anti-Doping-Razzia im Februar 2019 fand unter anderem bei dem Sportarzt in Erfurt statt. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im internationalen Blutdoping-Skandal soll der mutmaßliche Drahtzieher Mark Schmidt weitere Namen zentraler Figuren seines Netzwerkes preisgegeben haben. Nach Angaben der ARD-Doping-Redaktion geht das aus Dokumenten eines rechtskräftig abgeschlossenen Gerichtsverfahrens zum Doping im europäischen Ausland hervor. Darin finden sich demnach Aussagen des Erfurter Arztes vor Vernehmungsbeamten, in dem er sein ausgeklügeltes Betrugssystem beschreibt und Komplizen nennt. Beim Aufbau eines Kundenkreises sollen ein ehemaliger österreichischer Skilanglauftrainer und ein kroatischer Leichtathletikcoach eine wichtige Rolle gespielt haben.

Erfurter Arzt in internationalem Doping-Netzwerk

Der Mediziner hat unterdessen Verfassungsbeschwerde eingelegt, weil er seit seiner Festnahme im Zuge der "Operation Aderlass" im März 2019 in Untersuchungshaft sitzt, wie sein Rechtsbeistand der ARD sagte. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft München hat Mitte Dezember 2019 Anklage gegen Schmidt und vier Helfer erhoben.

Ihnen wird unter anderem gewerbsmäßige und teilweise bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. In der 145-seitigen Anklageschrift sind mehr als 30 Zeugen, darunter zahlreiche Sportler, benannt worden. 23 Athleten wurde bei den Ermittlungen Blutdoping nachgewiesen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Sportarzt Mark Schmidt seit Ende 2011 regelmäßig und in einer unbekannten Anzahl von Fällen weltweit Blutdoping betrieben haben soll.

Weiter kein Termin für Doping-Prozess

Bislang gibt es noch keinen Prozesstermin. "Die Strafkammer muss noch über die Zulassung der Anklage entscheiden", sagt Florian Gliwitzky, Sprecher des Landgerichts München II der ARD-Dopingredaktion, "gleichwohl ist die Strafkammer schon in Kontakt mit den Verfahrensbeteiligten getreten, um zu klären, wann das Verfahren durchgeführt werden kann." Derzeit sei nicht damit zu rechnen, dass das Verfahren vor Mitte September 2020 durchgeführt werde.

Während der Nordischen Ski-WM in Innsbruck und Seefeld hatten österreichische und deutsche Behörden Ende Februar 2019 Razzien durchgeführt, unter anderem auch bei dem deutschen Sportarzt in Erfurt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Mai 2020 | 13:00 Uhr

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