Blutbeutel-Affäre Internationales Doping-Netzwerk: Arzt aus Erfurt und Helfer angeklagt

Bei einer Razzia Ende Februar während der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Österreich und zeitgleich in Thüringen haben Fahnder ein mutmaßliches Doping-Netzwerk ausgehoben. Im Zentrum der Ermittlungen: der Sportmediziner Mark Schmidt aus Erfurt. Nun nimmt die juristische Aufbereitung Fahrt auf.

Ein einem vereisten Gefrierfach liegen sechs in Gefrierbeutel mit Reißverschluss verpackte, gefüllte, gefrorene Blutbeutel
Im Februar flog ein internationales Doping-Netzwerk um Mark Schmidt aus Erfurt auf. Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Dem mutmaßlichen Drahtzieher der Blutbeutel-Affäre und vier Helfern soll der Prozess gemacht werden. Die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft hat am Donnerstag Anklage gegen den Erfurter Sportarzt Mark Schmidt und dessen Komplizen erhoben. Wie die Behörde mitteilte, wird ihnen unter anderem die gewerbsmäßige und teilweise bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Mark Schmidt wird zudem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

Internationales Doping-Netzwerk: Spuren führten nach Erfurt

Zwei der fünf Beschuldigten befinden sich seit ihrer Festnahme Ende Februar beziehungsweise Mitte März in Untersuchungshaft. Drei von ihnen seien im Mai beziehungsweise Juni 2019 aufgrund einer Aussetzung des Haftbefehls aus der Haft entlassen worden, hieß es weiter. Über die Eröffnung des Prozesses hat das Landgericht München II noch nicht entschieden.

Die Münchner Behörde und Kollegen in Österreich hatten ein internationales Blutdoping-Netzwerk durch Ermittlungen und eine Razzia bei der Nordischen Ski-WM im Februar im österreichischen Seefeld auffliegen lassen. Eine Spur führte nach Erfurt. Durch die Ermittlungen - die sich gegen 50 Personen, Sportler, Ärzte, Betreuer sowie deren Helfer richteten - wurde bekannt, dass 23 Sportler aus acht europäischen Ländern Blutdoping an sich hatten durchführen lassen. Doch erst mit Inkrafttreten des Antidopinggesetzes am 18. Dezember 2015 sind die Taten für Athleten in Deutschland strafbar.

Mark Schmidt soll Blutdoping im Rad- und Wintersport praktiziert haben

In ihrer Anklage geht die Staatsanwaltschaft von dem Tatverdacht aus, dass Mark Schmidt seit spätestens Ende 2011 von Erfurt aus regelmäßig und in einer unbekannten Vielzahl von Fällen weltweit systematisches Blutdoping praktizierte - überwiegend in Europa, vor allem in Deutschland und Österreich. Dadurch wollte er sich "eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang" verschaffen. Schwerpunkt sei dabei der Rad- und Wintersport gewesen.

Abgesehen von Blutmanipulationen zur Steigerung der Ausdauer- und Leistungsfähigkeit habe Mark Schmidt mutmaßlich auch Arzneimittel, insbesondere Wachstumshormone, verordnet. Die Blutmanipulationen seien anhand von ausgefeilten Behandlungsplänen für Athleten vorgenommen worden, sodass es bei Doping-Tests über einen langen Zeitraum keinen Nachweis einer verbotenen Substanz gegeben habe. Mark Schmidt habe mindestens von 2014 an einen eingeweihten kleinen Kreis von Personen, die für ihn das Eigenblutdoping durchführten oder die Taten logistisch begleiteten, unterhalten.

Verabreichte der Doping-Arzt ein Präparat mit ungewissen Nebenwirkungen?

Der Erfurter Sportarzt soll zudem, so die Staatsanwaltschaft, im September 2017 sogar einer Sportlerin das neue Präparat Erythrozyten in Form von trockenen Plättchen verabreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt soll er "keine belastbaren Informationen über den Inhalt, die Zusammensetzung oder die Wirkungsweise des Präparates im Hinblick auf Nebenwirkungen gehabt haben", erklärte die Behörde.

Mark Schmidt soll der Sportlerin wahrheitswidrig berichtet haben, dass das Präparat an mehreren Personen getestet worden sei und es zu keiner Gefährdung kommen könne. Tatsächlich sollen sich bei der Sportlerin eine halbe Stunde nach Einnahme deutliche Nebenwirkungen eingestellt haben, die jedoch keine bleibenden Schäden zur Folge hatten.

In der 145-seitigen Anklageschrift sind mehr als 30 Zeugen, darunter zahlreiche Sportler sowie mehrere Gutachter und zahlreiche Urkunden als Beweismittel genannt, hieß es.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Dezember 2019 | 16:00 Uhr

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