Landgericht München Erfurter Arzt Mark Schmidt gesteht Doping "aus Überzeugung"

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Der Erfurter Arzt Mark Schmidt hat im Blutdoping-Prozess in München ein umfassendes Geständnis abgelegt und Manipulationen seit 2012 eingeräumt. Allerdings widersprach er aber auch in einigen der über 150 aufgelisteten Fälle.

Mark Schmidt (Mitte) steht mit seinen zwei Anwälten hinter Plexiglas im Gericht.
In einer von seinen Anwälten verlesenen Erklärung räumte Mark Schmidt ein, vor allem Winter- und Radsportler betreut zu haben. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Auch in München wird der Nahverkehr bestreikt - die Staus in der Stadt sind noch länger als üblich. Die Verhandlung beginnt eine gute halbe Stunde später. Als Erstes zählt die Vorsitzende Richterin die Namen von Zeugen auf, die nicht kommen wollen oder sich bisher nicht gemeldet haben. Einer will aus Corona-Gründen nicht kommen, ein anderer aus privaten Gründen. Der Zeuge kommt aus Österreich, sagt die Vorsitzende Richterin, da könne man ihn nur zum Kommen überreden, zwingen könne man ihn nicht. Nicht zurückgemeldet haben sich Zeugen aus Estland, es fällt das Wort der Zeugenerosion.

Mark Schmidt: Doping ist unverzichtbar

Dann ist Mark Schmidt aus Erfurt dran, er äußert sich nicht selbst, seine beiden Verteidiger verlesen eine Erklärung, die es in sich hat. Er habe selbst Leistungssport betrieben, zum Doping habe er sich aus Liebe zum Sport entschieden. Aus seiner Sicht sei Doping unverzichtbar, sagt er wörtlich.

Er habe erlebt, mit welch abenteuerlichen Methoden sich die Sportler selbst dopten. Er habe mit seinem medizinischen Wissen helfen wollen. Er habe aus Überzeugung gehandelt, lässt Schmidt seine Anwälte vorlesen, er habe kein Geld damit verdienen wollen und auch keines verdient.

Die von ihm betreuten Sportler hätten 5.000 Euro pro Saison bezahlt, damit seien die Kosten gedeckt worden. Also Maschinen, Blutbeutel (90 Euro das Stück), Sprit, Hotel zum Beispiel.

Schmidt weist Anklagepunkte zurück

Ein paar Anklagepunkte korrigiert Schmidt, mal sei Blut nicht zugeführt, sondern abgenommen worden, mal stimme der Name des behandelten Sportlers nicht, mal hätten sich die Sportler selbst die Kanülen gelegt.

Und den Vorwurf, an einer Sportlerin rote Blutkörperchen in Pulverform getestet zu haben, weist der Arzt zurück. Ihm sei zugesichert worden, dass dieses Präparat frei von Blutgruppenmerkmalen sei, so Schmidt. Die Sportlerin habe nach seiner Aufklärung selbst entschieden, das Präparat zu probieren. Hintergrund seien finanzielle Erwägungen gewesen, denn hätte es funktioniert, hätte sie sich Kosten sparen können.

Kein finanzieller Anreiz für Doping

Die Angaben seiner Helfer bestätigt er, dem mitangeklagten Rettungsassistenten sei es darum gegangen, bei Wettkämpfen dabei zu sein. Das sei auch für ihn ein Anreiz gewesen, unterwegs zu sein, interessante Leute kennenzulernen, schöne Orte der Welt zu sehen.

Mit seinem Einkommen als Allgemeinarzt, zwischen 12.000 und 13.000 Euro monatlich, habe er sich ein angenehmes Leben leisten können, das Doping habe er aus Überzeugung gemacht, nicht, um Geld zu verdienen, heißt es in der Erklärung.

Nachfragen will Schmidt nicht beantworten, zumindest nicht an diesem Verhandlungstag in München. Die Maschinen, die das Gericht in den Verhandlungssaal bringen lässt, erklärt Schmidt dann lange, ausführlich und gut verständlich. Klar wird dabei, er kennt sich bestens damit aus- und das Equipment ist richtig teuer. Eine der Maschinen funktioniert nicht mehr, vielleicht ist beim Transport was verrutscht, sagt Schmidt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. September 2020 | 13:00 Uhr

4 Kommentare

Matthi vor 3 Wochen

Er hat doch nur ein umfangreiches Geständnis abgelegt um das Strafmaß zu verringern. Ich kann mir gut vorstellen das hinter den Kulissen schon an einem Deal gearbeitet wird, man kennt das ja schon aus der Vergangenheit. Schauprozess fürs Volk und der Rest wird in Akten begraben.

part vor 3 Wochen

Die Angelegenheit könnte noch interressant werden, falls sie nicht abgewürgt wird durch das Gericht. Herr Schmidt hätte aber mehr verdienen können, indem er seine Sprechstunden für Kassen- und Privatpatienten erhöht hätte beim allgemeinen Hausärtzemangel auch in Erfurt. Nun könnte ihn das Hobby und der Enthuiasmus auf die Füße fallen, dauerhaft. Was die Menschen in Tibet betrifft mit ihrer einzigartigen genetischen Mutation um mit der Höhenluft fertig zu werden, muß man diese nicht unbedingt bei Leistungssportlern künstlich erzeugen. Doch die ganze Sache wirft einen weiteren Schatten auf den ganzen Leistungssport, in dem auch hier offenbar wird, das ohne Doping oder Mutanten nichts mehr läuft um das Milliardengeschäft am Laufen zu halten. Statt das System der Gewinnmenagerie am Profisport mit anzuklagen, wird hier jemand angklagt, der sich hat erwischen lassen. Ja und in der DDR und UdSSR war ja Doping so was von verbreitet, das sogar das westliche System nun diesem Motto nacheiferte.

kleinerfrontkaempfer vor 3 Wochen

Ausdauersportarten sind anfällig für Leistungssteigerungen. Nun hat man sich auf Biathlon, Radsport eingeschossen. Tennis, Fußball, usw. dazu dann wäre die ganze Sache überschäumen, wäre nicht mehr beherrschbar.
Wenn man den Drogenkonsum in der Gesellschaft zu Grunde legt, ist der Sport eine publikums- und medienwirksame Sache. Als Betrug mag man das aburteilen. Menschen des Alltags, die sich aufputschen und stimulieren, "kreativer" und leistungsfähiger als ein anderer daherkommen, praktizieren das dann doch auch.

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