Polizeiobermeisterin Nicole Mäurer auf einem Podium schaut zu einer Bong
Polizeiobermeisterin Nicole Mäurer: Lehrer sind mittlerweile hilflos. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Erfurt Gemeinsam gegen Drogen an Schulen

Gibt es ein Drogenproblem an Erfurter Schulen? Meldungen über Einsätze der Polizei machten zuletzt die Runde. So richtig sprechen wollte darüber aber niemand. Schulen, Behörden, Polizei und Beratungsstellen sollen jetzt besser zusammenarbeiten. Vorbild könnte der Saale-Orla-Kreis sein.

von Sascha Richter

Polizeiobermeisterin Nicole Mäurer auf einem Podium schaut zu einer Bong
Polizeiobermeisterin Nicole Mäurer: Lehrer sind mittlerweile hilflos. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Das ließ aufhorchen: "Die Schulen betonen, dass sie das Problem alleine nicht mehr in den Griff bekommen." Der Erfurter Polizeihauptkommissar Olaf Selke gab am Mittwochabend seine Einschätzung zum Drogenkonsum an Erfurter Schulen. Und offenbar gibt es ein wachsendes Problem.

Mittlerweile ist es so, dass der Leidensdruck der Schulen immer größer wird. Deshalb sind wir jetzt auch in der Strafverfolgung vor Schulen aktiv.

Olaf Selke, Polizeihauptkommissar

Selkes Kollegin, die Polizeiobermeisterin Nicole Mäurer, sprach sogar davon, dass Lehrer mittlerweile hilflos seien. Die häufigsten konsumierten Drogen seien Marihuana und Crystal Meth - wobei letztere weniger bei Schülern verbreitet sei, sondern eher bei Älteren.

Staatsanwalt Uwe Strewe spricht auf einem Podium
Staatsanwalt Uwe Strewe Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Bei einem Podium im Königin-Luise-Gymnasium zum Thema Drogen vertraten Mäurer und Selke am Mittwochabend die Sicht der Polizei. Aber auch andere Gäste sahen ein wachsendes Problem.

Staatsanwalt Uwe Strewe ist öfter in Schulen unterwegs, um über Drogen zu sprechen. Bereits jeder vierte Schüler habe bereits mit ihnen Kontakt gehabt, wie er in einer Umfrage herausfand. Bei der synthetischen Droge Crystal - laut Mäuerer die gefährlichste überhaupt - seien es unter fünf Prozent. Das Besorgniserregende: Die Schüler wüssten, wie sie an die Drogen gelangten.

Der Abend sollte nicht nur Eltern und Lehrer informieren, sondern auch Startpunkt dafür sein, wie in Erfurt künftig besser zusammengearbeitet werden kann. Marion Eich-Born, Vorsitzende der Frauen-Union Erfurt, rief die Veranstaltung ins Leben. Ihr Ziel ist es, ein wirkungsvolles Sicherheitsnetzwerk für die Jugend aufzubauen. Marion Walsmann, Erfurter CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Opferhilfevereins "Weißer Ring", sagte:

Wir wissen, dass es ein Problem gibt. Gerade im Umfeld von Schulen passiert viel.

Konsumenten würden immer jünger werden. Walsmann warb für ein einheitliches Vorgehen. Vorbild für die Landeshauptstadt könnte der Saale-Orla-Kreis im Osten Thüringens sein. Dort leidet man schon länger. Sogar der Landrat bekannte: "Ja, wir haben ein Drogenproblem". Allerdings mit dem Zusatz: "Wir werden nicht untätig zusehen".

Drogen Dealer (Symbolbild)
Drogenkonsum an Schulen - seit Jahrzehnten Thema, aber offenbar weiter ein wachsendes Problem. Bildrechte: Colourbox

Im Kreis gründete sich das Netzwerk "Courage" - ein Zusammenschluss von Polizei, Schulamt, Sozialarbeitern, Jugendamt, Justiz, Sportlern, Journalisten und ehemaligen Betroffenen.

Sie alle eint dasselbe Ziel: den Drogen den Kampf ansagen. Vor allem die Modedroge Crystal macht dem Landkreis zu schaffen - meist gelangt sie aus dem nicht weit entfernten Tschechien dorthin. Die Zahlen der Drogenfälle seien nicht mehr lustig gewesen, sagte Sören Fröhlich, Polizeibeamter und Netzwerkmitglied aus dem Saale-Orla-Kreis. Härtere Gesetze gegen Dealer würden nicht ausreichen:

Wenn ein Dealer ins Gefängnis geht, kommen zwei andere nach.

Deshalb müsse man direkt bei den Menschen ansetzen. Er und weitere Partner aus dem Anti-Drogennetzwerk waren am Mittwoch nicht zufällig zu Gast im Königin-Luise-Gymnasium. Ihre Erfahrungen sollen in den Drogenkampf in Erfurt miteinfließen.

Marion Walsmann spricht auf einem Podium
CDU-Politikerin Marion Walsmann Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Zu den Maßnahmen zählen Aufklärungsveranstaltungen an Schulen, Hilfe für Betroffene und eine bessere Zusammenarbeit. Fröhlich: Wenn Jugendsozialarbeiter etwas feststellten, gäben sie es der Polizei weiter. Die informiere dann das Jugendamt. Das funktioniere. Laut Walsmann könnte es ähnlich wie im Saale-Orla-Kreis auch in der Landeshauptstadt ablaufen. Von Marion Eich-Born und Partnern wird dazu gerade ein Zehn-Punkte-Programm erarbeitet.

Einig war sich die Runde weitestgehend, dass weder härtere Strafen oder Gesetze noch der erhobene Zeigefinger viel bewirkten. Michael Flügge aus dem Verein Jesus-Projekt am Roten Berg war selbst 18 Jahre heroin- und kokainabhängig. Der Griff zur Droge komme oft aus Orientierungslosigkeit im Leben. Eltern könnten da viel abfangen und bewirken. Das sah Claudia Adamczyk aus der Drogenhilfe "Knackpunkt" ähnlich: mit den Kindern reden sei wichtig - und zwar auf Augenhöhe.

Staatsanwalt Strewe sagte:

Wir müssen bei dem Einzelnen das Gesundheitsbewusstsein stärken und nicht mit Strafen drohen.

Denn wer an Drogen kommen will, ist nicht auf den Dealer vor der Schule angewiesen. Das alles gebe es auch im Internet: "Das größte Problem haben wir mit dem Darknet, wo dann mit Bitcoins gezahlt wird."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 18. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2018, 18:08 Uhr

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11 Kommentare

20.01.2018 17:10 Bin sprachlos 11

Haben denn diese Kinder keine Eltern? Wenn sie Waisenkinder sind, kann ich das Drogenproblem ja eher verstehen. Wenn sie Eltern haben, fehlt mir jedes Verständnis. Warum soll die Gesellschaft die Kinder erziehen und den Eltern ihre wichtigste Aufgabe abnehmen? Wenn ich Ja zu Kiindern sage, dann konsequent.

18.01.2018 21:06 H.B. 10

Was soll denn dieses ewige Gelaber von den USA, Singapur usw. ? Die ewig so Saubere DDR, in der alles so gut war gibt es seit 27 Jahren nicht mehr, Danken und Helfen wir lieber (jeder einzelne mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten) denen die sich um Prävention und der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmen. Solche Hohlen Kommentare die hier manchmal zu Lesen sind vermiesen Einem sogar das Lesen derselben.

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