Ermittlungen mit Norwegischer Polizei Albanischer Drogenring in Erfurt aufgeflogen

Im Sommer vergangenen Jahres werden an der norwegisch-schwedischen Grenze knapp 28 Kilo Heroin und Kokain gefunden. Auto und Fahrer kommen aus Erfurt. Danach läuft eine europäische Anti-Drogenoperation gegen einen albanischen Dealerring an - der offenbar seit Jahren von Erfurt aus operierte.

Ein Zollbeamter zeigt beschlagnahmtes Kokain.
Norwegische Grenzbeamte haben in einem Auto ein Kilogramm Kokain sowie 27 Kilogramm Heroin gefunden (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Den norwegischen Grenzbeamten kam der dunkle große Wagen verdächtig vor. Nicht weil sie in seinem Inneren etwas sehen konnten, sondern weil sie in ihm nichts sehen konnten. Der deutsche Fahrer hatte auf Nachfrage angegeben, dass er aus Schweden komme und in Norwegen Urlaub machen wollte. Doch allein es fehlten die Dinge, die man so in den Urlaub mitnimmt. Große Reisetasche, Badehose, das Surfbrett oder der Reiseführer für Norwegen. Deswegen baten die Beamten den Mann, das Auto zu verlassen. Sie untersuchten es und holten einen Drogenspürhund dazu. Der schlug an und beim weiteren Auseinandernehmen des Autos wurden die norwegischen Polizisten fündig: 27 Kilogramm Heroin und ein Kilogramm Kokain. Der Straßenverkaufswert der Drogen dürfte einen hohen Millionenbetrag ergeben. Ein Erfolg für die norwegische Grenzkontrolle.

Drogendealer in LKA-Überwachung

Doch mehrere Tausend Kilometer weiter südlich, in den Räumen des Thüringer Landeskriminalamtes, gingen alle Lampen auf Rot. Denn Fahrer und Auto kamen aus Erfurt und beide waren seit Tagen in der Überwachung der Thüringer Drogenfahndung. Denn die LKA-Spezialisten und das Zollfahndungsamt Dresden hatten seit April 2019 eine Gruppe von Albanern, Kosovaren und Deutschen im Visier, die offenbar Drogen aus den Niederlanden und Belgien nach Thüringen und in die angrenzenden Bundesländer brachte. Zu dieser Gruppe gehörte der Fahrer, der an der schwedisch-norwegischen Grenze aufgeflogen war. Als er in Erfurt zu seiner Drogenfahrt aufbrach, dachten die Thüringer Ermittler noch: Der fährt in die Niederlande oder Belgien und bringt den Stoff wieder nach Thüringen zurück. Dann wollten sie zuschlagen und die Gruppe auffliegen lassen. Doch dann verschwand der Mann vom Radar und tauchte Tage später in einem norwegischen Knast wieder auf.

Internationale Ermittlungen laufen an

Neubau des Landeskriminalamtes in Erfurt
Die Ermittler des Thüringer LKA hatten bereits seit April 2019 eine Gruppe im Visier. Bildrechte: IMAGO

Sein abruptes Reiseende und der Verlust der Drogen sorgten wohl auch bei seinen Komplizen für Aufregung. Das konnte das LKA mithören, denn nach MDR THÜRINGEN-Recherchen, waren die Telefone aller Mitglieder des Dealerrings angezapft worden. Nun war nicht nur der Kurier in den Händen der norwegischen Justiz, sondern es waren auch 28 Kilo harte Drogen mit einem Millionenwert beschlagnahmt worden. Inzwischen hatte sich das Thüringer LKA mit der norwegischen Drogenfahndung vernetzt. Eingefädelt wurde die Kooperation in Den Haag bei einem Treffen hochrangiger Fahnder von Europol, der europäischen Justizbehörde EUROJUST und der norwegischen Drogenfahndung. In mehreren engen Abstimmungsrunden trieben die Thüringer und die Norweger das Verfahren voran. Als erstes ließen die Ermittler im August 2019 eine große Marihuana-Plantage in Sachsen-Anhalt auffliegen, die von der albanischen Gruppe dort betrieben wurde. An der Aktion war auch die Kriminalpolizei Magdeburg beteiligt.

Großer Drogenfund bei Razzia

Anfang Oktober stürmte dann das Spezialeinsatzkommando des LKA eine unscheinbare Wohnung in einem Plattenbaugebiet im Erfurter Süd-Osten. Dazu wurden weitere Häuser durchsucht. Drei Personen konnten festgenommen werden, bestätigte das LKA MDR THÜRINGEN am Dienstag auf Nachfrage. Zudem konnten große Mengen an Drogen sichergestellt werden, darunter Kokain, Ecstasy oder Marihuana. Bis Ende vergangener Woche wurde die Operation aus ermittlungstaktischen Gründen geheim gehalten. Dann gab EUROJUST eine Pressemitteilung heraus, in der eine deutsch-norwegische Anti-Drogenoperation bestätigt wurde, ohne weitere Hintergründe zu nennen. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen laufen die Ermittlungen aber weiter.

Bande operierte europaweit

Klar scheint, dass die Albaner seit einiger Zeit Drogenrouten aus den Niederlanden und Belgien nach Erfurt unterhalten. Offenbar werden aber auch angrenzende Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Sachsen beliefert. Die albanische Gruppe in Erfurt soll auch Teil eines größeren Dealernetzwerkes sein, das im Kilobereich Drogen nach Deutschland bringt. Das Thüringer LKA bestätigte auf Nachfrage, dass der Verdacht bestehe, dass die Gruppe europaweit Drogen ausliefere. Im Gegenzug seien durch die Bandenmitglieder die Erlöse aus den Geschäften ebenfalls europaweit eingesammelt und an ihre Hintermänner weitergeleitet worden. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass die fünf Festgenommen nur Teil einer größeren Dealer-Struktur sind, die scheinbar weiter wächst. Denn Verfahren wie diese machten deutlich, das albanische und tschetschenische Gruppen besonders in den mitteldeutschen Ländern zunehmend den Markt beherrschten. Betroffen sind vor allem Leipzig, Erfurt, Halle, Dresden oder Magdeburg. Damit haben sie scheinbar die armenischen Mafia-Gruppen, die seit Jahren im Crystal-Meth-Handel aktiv waren, verdrängt.

Die Aktivitäten von albanischen Drogenbanden sorgen bei Ermittlern von Bundes- und Landeskriminalämtern immer wieder für besondere Sorgenfalten auf der Stirn. Denn es gibt Hinweise, dass sie unter anderem mit dem mächtigsten Kokain-Importeur nach Europa zusammen arbeiten: der kalabrischen Ndrangheta. Diese unterhält gute internationale Kontakte zu den albanischen Dealer-Organisationen, das wurde in der großen Anti-Mafia-Operation "Pollino" Ende 2018 deutlich, bei der auch eine Spur nach Thüringen führte. In Erfurt agiert seit mehr als 25 Jahren eine mächtige Ndrangheta-Zelle. Diese sogenannte "Erfurter Gruppe", die auch in Leipzig und Dresden aktiv ist, soll vor allem das Waschen von schmutzigem Drogengeld organisieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 10. März 2020 | 12:00 Uhr

33 Kommentare

ule vor 31 Wochen

Und da wird gerade, zur gleichen Zeit im Bundestag über den Kampf gegen "Rechts" debattiert und dass dafür mehr Geld bereit gestellt werden soll.
Das ganze Projekt nennt sich Gesetz zur "Stärkung der Demokratie ".
Man muß eben die Prioritäten setzen.
Warum werden die krimminellen Banden mit ausländischen Wurzeln nicht mit den gleichen, verschärfenden Regeln bekämpft ?
Auch deren Handeln gegen das Wohl der Allgemeinheit, ist ein Angriff auf die unsrige Freiheit und Demokratie.
All diesen krimminellen Leuten sollte sofort, sofern vorhanden, die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen und sofort in deren Heimat zurück verwiesen werden.
Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gibt es nicht für Null.

Thueringer Original vor 31 Wochen

Die Mafias in Deutschland sind doch schon fleißig am Geld waschen. Darüber hat der MDR doch schon fleißig berichtet. Das ein oder andere Restaurant haben sie sicherlich schon besucht.

CrizzleMyNizzle vor 31 Wochen

"Soll ihn deshalb gar erst nicht führen? Ich denke doch."
Man sollte einfach mMn dahingehend fortschrittlichen Ländern folgen (USA, Kanada, NL, Portugal,...) und zumindest den Umgang mit Cannabis überdenken, bzw. geordnet freigeben. Damit entzieht man solchen Gruppen eine der wichtigsten Grundlagen, gleichzeitig wird dafür gesorgt dass der Dealer nicht auch noch anderes Zeuch mit verkauft (Meth), einem Dealer ist egal was er verkauft solange es Geld bringt. Gleichzeitig erwirtschaftet der Staat Einnahmen die er theoretisch in die Aufklärung stecken könnte, legale Arbeitsplätze werden geschaffen. Und auch sehr wichtig, ca. 150k Verfahren wegen Cannabis pro Jahr sind überflüssig (werden meist eh fallen gelassen kosten aber enorm Zeit) und die Polizei hat wieder mehr Zeit für echte und wichtige Themen.

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