Zwei Männer essen am Tisch eines Obdachlosenheims
Patrick verbringt den Tag in der Obdachlosenunterkunft. Er will schnell wieder auf eigenen Beinen stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eisige Temperaturen Großer Andrang in Obdachlosenheimen in Thüringen

Patrick lebt seit Mai 2018 in einer Obdachlosenunterkunft in Erfurt. Gerade bei den eisigen Temperaturen ist er froh, dass er nicht draußen schlafen muss.

Zwei Männer essen am Tisch eines Obdachlosenheims
Patrick verbringt den Tag in der Obdachlosenunterkunft. Er will schnell wieder auf eigenen Beinen stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Patrick wusste irgendwann nicht mehr wohin. Die Freundin hatte ihn verlassen, zahlte ihren Anteil der Miete nicht mehr. Die Schulden wurden immer größer. Irgendwann, so sagt der 26-Jährige zu MDR THÜRINGEN, kam die fristlose Kündigung, flog er aus der Wohnung. Seit Mai 2018 lebt er jetzt im Obdachlosenheim "Haus Zuflucht" in Erfurt. Gerade jetzt bei Temperaturen um minus zehn Grad sei er froh, über solche Anlaufpunkte für Menschen ohne festen Wohnsitz.

190 Menschen sind aktuell in der Landeshauptstadt in solchen Obdachloseneinrichtungen untergebracht, suchen Unterschlupf für eine Nacht oder wie Patrick auch für einen längeren Zeitraum. Die Notübernachtungsplätze seien besonders im Winter und bei den frostigen Temperaturen stark frequentiert, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit. Sieben Heime gibt es in Erfurt, mit mehr als 200 Plätzen. Bei Bedarf, teilt die Stadt mit, seien zu jeder Zeit Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden.

"Bei der Kälte - die Hölle"

Patrick, gelernter Zimmermann, weiß um die Vorteile eines Obdachlosenheimes. Bei Freunden mal eine Nacht "pennen", das könne er jederzeit. Zu Hause fühlt er sich dann nicht. "Da bin ich lieber hier. Hier hab ich meinen eigenen Spind, kann in Ruhe duschen und kochen", sagt der junge, sportlich wirkende Mann, der am Freitag seinen 27. Geburtstag feiert. Jetzt zu dieser Jahreszeit draußen zu sein, nachts irgendwo mit Schlafsack und dick eingepackt auf einer Bank zu schlafen, könne er sich nicht vorstellen. "Das würde ich nicht durchhalten." Und doch gibt es Menschen, die genau das tun.

Kein Schlange stehen vor dem Heim

Obdachlosenheim Stadtmission in Erfurt von außen
Das "Haus Zuflucht" der Stadtmission Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer Hilfe braucht, bekomme sie in Erfurt auch, sagt Sylvia Voigt, Leiterin des "Haus Zuflucht". Aber, es gebe durchaus Männer, die diese Hilfe nicht in Anspruch nähmen. Wie viele Menschen im Freistaat auf der Straße leben, dazu gibt es keine exakten Zahlen. Zumindest in Erfurt räumt Voigt mit dem Klischee auf, dass Obdachlose abends Schlange vor Heim stehen und um einen Platz kämpfen. Anders in Eisenach: Einer Sprecherin zufolge geht die Stadt davon aus, dass die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen vermutlich deutlich höher sei als die Zahl der für sie verfügbaren Hilfsplätze. Auch andere Thüringer Städte stellen Wohnungsunterkünfte für Menschen ohne feste Bleibe zur Verfügung. So sind es etwa in Weimar knapp 70 Plätze.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 23. Januar 2019 | 05:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 16:12 Uhr

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