Nach 60 Jahren Elefantenzucht Erfurter Zoopark vor Geburt des ersten Elefantenbabys

Es wäre der erste Nachwuchs in der 60-jährigen Geschichte der Elefantenzucht im Thüringer Zoopark Erfurt. Die Vorzeichen machen zwar Hoffnung, aber zur Wahrheit gehört, dass Elefantengeburten äußerst schwierig sind - vielleicht sogar die schwierigsten im Tierreich.

Die werdenen Eltern halten Rüssel: Papa Kibo und Mutter Chupa.
Die werdenen Eltern halten Rüssel: Papa Kibo und Mutter Chupa. Bildrechte: Thüringer Zoopark Erfurt

Der Thüringer Zoopark Erfurt erwartet zwischen Juli und August seinen ersten Nachwuchs im Elefantenhaus. Die werdende Mutter Chupa hat dann rund 22 Monate Schwangerschaft - die längste Tragzeit aller Säugetiere - hinter sich. Wenn alles gut geht, wäre es in der 60-jährigen Geschichte der Elefantenhaltung in Erfurt das erstes Neugeborene überhaupt.

Elefantengeburten gelten als äußerst schwierig

Obwohl der Zoopark wegen des Coronavirus für Besucher geschlossen ist, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Elefantenkuh Chupa wird einfühlsam von den Tierpflegern auf ihre erste Geburt vorbereitet. Auf dem Tagesplan stehen derzeit Gymnastik- und Fitnessübungen, die das Tier auf die anstrengende Geburt vorbereiten und die nur durch das außergewöhnlich große Elefantengehege in Erfurt über möglich sind. Elefantengeburten gelten als die vermutlich schwierigsten Geburten im Tierreich.

Die Geburt eines Elefanten ist aufgrund der Anatomie so schwierig. Elefantenkühe haben im Vergleich zu anderen Säugetieren einen sehr langen Geburtskanal. Dieser Schlauch ist gut anderthalb Meter lang, durch den das nicht gerade kleine Kalb gepresst werden muss.

Sabine Merz, Direktorin des Thüringer Zoopark Erfurt

Bei der Entbindung wiegen Elefantenkälber zwischen 100 bis 150 Kilogramm und kann - wie beim Menschen - unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Da Chupa aber zum ersten Mal wirft, rechnet der Zoo mit einer längeren Niederkunft. Zur Geburtsvorbereitung gehört neben dem regelmäßigen Wiegen auch die Ultraschall-Untersuchung durch Zoopark-Tierärztin Tina Risch. Im Gegensatz zur werdenden Mutter hat die Tierärztin bereits mehrere Elefantengeburten in anderen Zoos miterlebt. Trotzdem ist ein Erfolg keine Selbstverständlichkeit.

Die drei Fehlschläge im Leipziger Zoo zeigen, wie schwer so eine Geburt ist. Unser Team ist aber super vorbereitet und wir alle drücken die Daumen, dass es klappt. Am Ende kann man aber eben nur sein Bestes geben.

Sabine Merz, Direktorin des Thüringer Zoopark Erfurt

Ultraschallbild des Elefantennachwuchs im Thüringer Zoopark. Außer ein paar Rippenknochen ist noch nicht viel zu erkennen.
Bildrechte: Thüringer Zoopark Erfurt

Elefanten sind Familientiere

Nach der Geburt gibt es bei den Elefanten oft eine kritische Übergangsphase, in der die Mutter aggressiv auf das Kalb reagieren kann. Diese gilt es zu überstehen, damit sich anschließend eine familiäre Bindung aufbaut. Zoopark Direktorin Sabine Merz hofft dabei auf die Unterstützung von Chupas Elefantenfreundin Safari. Beide hätten eine sehr enge Bindung zueinander. Safari könnte dann als Tante fungieren und beruhigend auf Chupa einwirken.

Sollte es ein Weibchen werden (das kann aktuell noch nicht diagnostiziert werden), gilt bei den Elefanten im Erfurt Zoopark der "Schutz der Matrilinie". Das bedeutet das Töchter nicht von ihren Müttern getrennt werden dürfen, da diese Tiere eine äußerst enge Bindung zueinander pflegen.

Beste Voraussetzungen für eine Geburt

Trotz aller zu erwartenden Schwierigkeiten sieht Direktorin Merz beste Voraussetzungen für die Geburt. Aktuell bringt Chupa stattliche 2850 Kilo auf die Waage und auch gesundheitlich geht es der 17 Jahre alten Elefantenkuh hervorragend. Auch Papa Kibo ist wohlauf und die Sozialstruktur zwischen den vier Elefanten im Erfurter Zoo ist sehr gut. Jetzt heißt es also nur noch: warten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 19. März 2020 | 11:30 Uhr

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