Kulturausschuss will keinen kurzfristigen Beschluss Erfurt verschiebt Entscheid über Bewerbung für den Katholikentag

In Erfurt protestieren Aktivisten der Kunstaktion "Das 11. Gebot" gegen eine mögliche städtische Co-Finanzierung des Katholikentages 2024. Dazu haben sie auf dem Domplatz eine knapp drei Meter hohe "steinerne Gesetzestafel", neben der ein ebenso großer "Moses" seinen Zeigefinger mahnend in den Himmel reckt, auf dem Domplatz aufgestellt.

Demo gegen Kirchentagsbewerbung Erfurt
"Moses" mahnt mit dem "11. Gebot" auf dem Erfurter Domplatz: "Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!" Bildrechte: MDR/Ludwig Kendzia

David Farago, Initiator der in Augsburg ansässigen Aktion, sagte: "Der Staat muss sich weltanschaulich neutral verhalten und darf sich daher gar nicht um die Ausrichtung eines konfessionellen Großevents bewerben." Kritisiert wurde auch Erfurts Stadtoberhaupt Andreas Bausewein (SPD). Er und die "Katholikentagsveranstalter wollen die 1,2 Millionen Euro als 'eilbedürftig' schnell durchwinken, damit Diskussionen wie in Leipzig und Münster gar nicht erst entstehen." Die Katholikentage dort hätten gezeigt, dass sie sich für den Stadthaushalt und den Einzelhandel nicht lohnten.

Verwaltung nimmt Beschlussvorlage selbst von der Tagesordnung

Das scheinen auch Stadtratsmitglieder zu befürchten. Wie der Vorsitzende des Erfurter Kulturausschusses, Wolfgang Beese (SPD), am Dienstag sagte, habe die Verwaltung den entsprechenden Punkt von der Tagesordnung seines Gremiums genommen. Der Ausschuss hatte sich zuvor mehrheitlich gegen eine kurzfristige Befassung mit dem Thema entschieden. Danach sei es auch im Finanzausschuss nicht beraten worden, so Beese.

Den Stadträten habe vor allem die Einsicht für die "Dringlichkeit" der Vorlage gefehlt. Das Zentralkomitee der Katholiken werde erst im November über den Ausrichtungsort im Jahr 2024 entscheiden, sagte der SPD-Politiker. Vor dem Hintergrund des in Rede stehenden städtischen Beitrags von 1,2 Millionen Euro mahnte Beese eine sachliche Debatte an, die auch Zeit benötigte. Verglichen mit den knapp 70.000 Euro, die im städtischen Haushalt in diesem Jahr für die Soziokultur bereitstünden, gehe es um eine ganze Menge Geld. Für ihn sei die in Rede stehende Summe zu groß, erklärte Beese. Er zeigte sich aber überzeugt, dass letztlich die notwendige und sogar eine deutliche Mehrheit im Stadtrat für die Bewerbung zusammenkomme.

Quelle: MDR THÜRINGEN/epd

Mehr aus Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Regional | 15. Mai 2018 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 16:08 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

17.05.2018 11:36 martin 6

@3 jana: Die Frage, ob sich die Investition in ein Event lohnt, kann nicht nur dadurch beantwortet werden, wieviel Geld wieder direkt in das Stadtsäckel zurück fließt. Die Wahrheit ist - wie so oft - leider etwas komplizierter, da es jede Menge indirekte, nicht (mit vertretbarem Aufwand) messbare Effekte gibt.

Hier sei nur das Stichwort "Werbung" genannt. Meinen Sie, dass die Werbenden derartige Summen für Werbung ausgeben würden, wenn sie sich nicht halbwegs sicher wären, dass sich das lohnt.

Aufgrund der Komplexität des Themas finde ich die veränderte Herangehensweise (kein Hau-Ruck-Verfahren) völlig in Ordnung. Das ist ein Thema, über das erst einmal in Ruhe nachgedacht werden muss. Und dann sollten sie Stadträte entscheiden, ob sie den Nutzen für die Stadt so hoch einschätzen, dass es sich um eine lohnende Investition handelt oder nicht.

16.05.2018 19:45 Steuerzahler 5

Irgendwie komisch: Da wird ständig die Verteidigung des Christlichen Abendlandes beschworen, insbesondere von gewissen Kreisen im Osten ;-) aber Christentum HEUTE - nein Danke!

Wenn es für Kirchentage im "Christlichen Abendland" keine Unterstützung mehr geben soll, dann bitte auch konsequent alle anderen Subventionen, die nur von Teilen der Gesellschaft genutzt werden, z.B. Fussball.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen