Freizeit Erfurter Clubszene: Stadt bietet Betreibern Erbpachtverträge an

von Antje Kirsten

Das Wochenende ist Partytime. Die Clubs sind knackvoll, DJ und Bands reisen von einer Mugge zur anderen und gern auch nach Erfurt. Die Landeshauptstadt hat eine kunterbunte Clubszene, die auch weiter über die Thüringer Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Die Betreiber des Museumskellers am Erfurter Juri-Gagarin-Ring und des Clubs Franz Mehlhose wurden erst kürzlich von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit dem APPLAUS-Award für Livemusikspielstätten ausgezeichnet. Dutzende Partymeilen, Locations und Clubs tummeln sich in Erfurt auf dem hartumkämpften Freizeitmarkt. Neben dem allgemeinen Geschäft, in dem auch sie sich immer wieder neu erfinden müssen, ringen die Clubbetreiber mit auslaufenden Pachtverträgen und den damit verbundenen Unsicherheiten.

Stadt kann nur bedingt helfen

Die Clubszene in Erfurt soll nach dem Willen der Stadtverwaltung erhalten bleiben. Das werde die Stadt unter anderem mit maßgeschneiderten Ausschreibungen unterstützen, sagte Kulturdezernentin Kathrin Hoyer (Grüne) MDR THÜRINGEN. Jüngstes Beispiel: der "Stadtgarten". Die Stadt will das zentral gelegene Objekt mit großem (Bier)-Garten per Erbbaurecht verpachten.

Volles Haus – der Stadtgarten ist so gut wie ausverkauft. Gekommen sind textsichere Heino-Fans jeden Alters.
Konzert im "Stadtgarten" Bildrechte: MDR/ Werner Lengenfelder

Das eröffne den künftigen Betreibern die Möglichkeit, Kredite aufzunehmen und zu investieren, so Hoyer. Kritik kommt allerdings von den derzeitigen Betreibern des "Stadtgartens". Die Bedingungen in der Vorausschreibung seien absurd, sagte Catherina Seeber MDR THÜRINGEN. In der Vorausschreibung sei eine halbe Million Euro an Investitionen und eine monatliche Ablösesumme von 5.800 Euro für den Außenbereich gefordert. Aus den Erfahrungen von 13 Jahren Klubbetrieb wisse sie, dass das in einer Stadt wie Erfurt nie und nimmer einzuspielen sei. Gefordert werde auch ein "höher-kultureller" Betrieb, so Seeber.

Sie wisse nicht, was sich die Stadtverwaltung da vorstelle. Sie müsse dann vielleicht jeden Tag eine Lesung oder ähnliches mit mindestens 500 Besuchern veranstalten, um die Kosten einzuspielen. Die Vermutung liege nahe, dass die Stadt mit unrealistischen Konditionen, den Klubbetrieb im Stadtgarten beerdigen wolle. Vor drei Jahren war der Pachtvertrag bereits ausgelaufen, wurde aber immer wieder verlängert, weil die Ausschreibung nicht geklärt war. Auch jetzt fehlt sie noch immer. Dabei müssen jetzt die Verträge mit den Bands für 2019 gemacht werden. Sie habe erstmal alle Anfragen für 2019 abgesagt, so Seeber.

Leidvolle Erfahrungen mit "Engelsburg"

Die Ausschreibung muss raus, fordert auch der Vorsitzende des Kulturausschusses Wolfgang Beese (SPD). Die Betreiber müssten endlich wissen, "wie sie dran sind". Im Stadtrat sei sie jetzt aber auf den Weg gebracht worden, so Beese.

Studentenclub Engelsburg in Erfurt
Eingang zum Studentenclub "Engelsburg" Bildrechte: MDR / VIADATA/Holger John

Leidvoll seien die Erfahrungen aus der Neuverpachtung der "Engelsburg" im Gedächtnis. Hier, räumt heute auch Dezernentin Kathrin Hoyer ein, sei zu wenig mit den Klubbetreibern im Vorfeld geredet worden. 2016 hatte die Stadt den Betreibern der "Engelsburg" wegen Mietschulden gekündigt und das Objekt an einen neuen Betreiber vergeben. Während der Klub inzwischen wieder gut läuft, ist die untervermietete Gaststätte geschlossen.

Da die Clubszene eine weitgehend privatwirtschaftliche Angelegenheit sei, habe die Stadt nur bedingt Einflussmöglichkeiten, so Kulturdezernentin Hoyer. Mit der Vergabe des Erbbaurechts werde Grundstücksspekulationen aber der Riegel vorgeschoben. So hatte der Stadtrat im Februar beschlossen, das Gelände des Zughafens zu kaufen und damit auch die Zukunft des dortigen Clubs "Kalif Storch" zu sichern. Das Alte Schauspielhaus war Ende vergangenen Jahres an die Genossenschaft "Kulturquartier" für einen eher symbolischen Preis verkauft worden. Im Gegenzug sei im Kaufvertrag die kulturelle Nutzung vorgeschrieben, so Hoyer. Die wichtigste Hilfe der Stadt sei es, die Klubbetreiber machen zu lassen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 03. März 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2018, 14:09 Uhr

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6 Kommentare

05.03.2018 13:14 Grosser Klaus 6

Vergleicht man heute die Besucherzahlen und das Programm der Eburg, mit den Besucherzahlen und dem Programm als die Eburg unter der Leitung des Eburgvereins stand muss man feststellen, diese ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Es wäre schön wenn die Online-Redaktion auch so aufmerksam wäre, wenn in den Kommentaren rechtsradikales bzw. rechtsextremes Gedankengut verbreitet wird, ist aber leider oftmals nicht der Fall.
Im Übrigen funktionier die angegebene E-Mail-Adresse.

[Anmerkung der Redaktion: Wir haben unsere E-Mail an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse mit dem technischen Hinweis "550 Requested action not taken: mailbox unavailable" zurückbekommen. Und was Ihren Appell an unsere Aufmerksamkeit angeht: Bitte teilen Sie uns mit, wo Sie entsprechendes Gedankengut veröffentlicht sehen - mit Link und Kommentarnummer]

05.03.2018 11:36 Grosser Klaus 5

[Anmerkung der Redaktion: Sehr geehrter Herr Grosser, wir wenden uns auf diesem Wege an Sie, da Sie eine nicht funktionierende E-Mail-Adresse eingetragen haben. Sie haben nun mittlerweile zum dritten Mal versucht, einen Kommentar mit identischem Text freischalten zu lassen. Wir hatten Ihren ersten Kommentar gekürzt freigeschaltet. Ihre Ansicht zu Frau Hoyer ist aus unserer Sicht juristisch unbedenklich, der Rest hingegen nicht. Wir bitten Sie, das zu akzeptieren]

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