Religion Erfurt will sich für Katholikentag 2024 bewerben

Die Stadt Erfurt will Gastgeber des Deutschen Katholikentags im Juni 2024 werden. Am Mittwoch wird der Stadtrat voraussichtlich die Bewerbung offiziell beschließen - und den Weg freimachen für die erste Zusammenkunft der deutschsprachigen Christen in Erfurt in der immerhin 175-jährigen Tradition dieses Glaubens-Festes.

von Matthias Thüsing

Wer in Deutschland ein katholischer Christ ist, blickt in diesen Tagen ins westfälische Münster. Hier geht an diesem Sonntag der 101. Deutsche Katholikentag zu Ende. Die Besucher erlebten neben zentralen Veranstaltungen und Gottesdiensten auch Konzerte, Lesungen, Straßenkunst, Kabarett oder auch erstmals den umstrittenen offiziellen Auftritt eines Vertreters der Alternative für Deutschland. Über 70.000 Gäste insgesamt zählten die Veranstalter - es war das höchste Interesse an einem katholischen Kirchentag seit 30 Jahren.

Vorschlag kommt vom Zentralrat der Katholiken

Ein Katholikentag in sechs Jahren in Erfurt wird möglicherweise nicht so hohen Zuspruch erfahren, ist Erfurt - anders als Münster - alles andere als katholisches Stammland. Die Idee einer Bewerbung allerdings wird vom Bistum unterstützt, so die Kulturdezernentin Tamara Thierbach. "Der Zentralrat der deutschen Katholiken (ZdK) führte Anfang des Jahres 2018 ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister und überbrachte ihm den Vorschlag einer Bewerbung Erfurts für die Ausrichtung des Deutschen Katholikentags im Jahr 2024", schreibt sie dem Stadtrat. Das Zentralkomitee der Katholiken stehe einer Bewerbung Erfurts positiv gegenüber und werde auf seiner Herbstsynode am 23. November dieses Jahres die Vergabeentscheidung für 2024 treffen.

Stadt müsste Teil der Kosten übernehmen

Der Beauftragte der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse (CDU), verfolgt  im Plenarsaal des Thüringer Landtages die Debatte.
Stadrat Michael Panse (CDU) Bildrechte: dpa

Doch zuvor muss sich die Stadt offiziell bewerben und sich zugleich bereit erklären, einen Teil der Kosten zu übernehmen. 1,2 Millionen Euro sollen die Erfurter Stadträte für das fünftägige Fest bewilligen. Laut Stadtrat Michael Panse (CDU) ist das gut angelegtes Geld. "Damit ist natürlich ein großer Imagegewinn für Erfurt verbunden", so Panse. Zudem fließe über die Steuereinnahmen auch wieder Geld in die kommunale Kasse zurück. Darüber hinaus habe der Veranstalter schon jetzt signalisiert, dass er aus dem kommunalen Zuschuss alle anfallenden Kosten für Gebühren, Genehmigungen, Platz-Mieten und Sicherheitsauflagen bestreiten werde und insofern keine weitergehenden Leistungen in Anspruch nehme.

Auch das Land zeigt "sich offen, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen", so Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Vor konkreten Zusagen will die Landesregierung zunächst das Votum der Erfurter Stadträte abwarten. Ramelow sagte MDR THÜRINGEN, er persönlich halte die Bewerbung für eine große Chance um religiöse Offenheit zu zeigen und eine Chance für die Ökumene. Damit sei eine solche Bewerbung ganz im Sinne von Alt-Bischof Joachim Wanke und Alt Probst Heino Falke.

Neben der finanziellen Förderung erwartet der Veranstalter von den Bewerberstädten, dass sie eine Ansprechperson benennen sowie organisatorische Unterstützung gewähren.

Ein inhaltliches Konzept wird von der Stadt dagegen nicht erwartet. Veranstalter der Katholikentage sind das jeweilige Bistum vor Ort sowie der Zentralrat der deutschen Katholiken. Für den Inhalt ist eine Programmkommission beim ZdK zuständig. Sie wird das Fest auch mit Inhalten füllen, das jedoch nicht sechs Jahre im Voraus. Traditionell spielen Open-Air-Formate eine große Rolle bei den bisherigen Festen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Mai 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2018, 11:14 Uhr

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15 Kommentare

13.05.2018 23:36 Quantix 15

Der Zustand der Erfurter Schulen ist das Ergebnis unser allen Versagens: Wir haben den jammernden Schlendrian mehrheitlich zum zweiten Mal wiedergewählt und können mit bröckelnden, gammligen Schulen offenbar ganz gut leben, sonst wäre das Wahlergebnis anders ausgefallen. Den Katholikentag jetzt zum Sündenbock dafür zu machen @part und @paul ist meiner Meinung nach einfach lächerlich.

13.05.2018 22:55 martin 14

@3 Jana: Nicht ganz richtig. Auch kleine Vereine bekommen kommunale Unterstützung für Veranstaltungen. Ohne diese gäbe es viele nicht-kommerzielle Veranstaltungen nicht mehr.

@4 Nick: Mit der Verfilzung gebe ich Ihnen durchaus recht. Allerdings sehe ich mindestens genauso viel Filz beim Sport. Ich bin übrigens kein Sporthasser, sondern selbst Mitglied in einem Sportverein.

@10 part: Wie setzen sich die 19,9 Millarden € zusammen?

Sind das die Kirchensteuer-Einnahmen? Falls ja: Das sind die freiwilligen Mitgliedsbeiträge - auch wenn der Staat in der Tat die Gelder einbehält.

Oder meinen Sie die Erstattungen für die Leistungen kirchlicher Träger (Krankenhäuser, Kindergärten, Sozialstationen, ...)? Dann sind das Beträge, die allen freien Trägern offen stehen.

Oder welche Transferleistungen gibt es sonst noch in derartigen Größenordnungen?

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