Erfurt Anwohner kritisieren Sanierungspläne für Südeinfahrt

von Robert Müller

Seit fast drei Jahrzehnten wird bereits an einem tragfähigen Konzept für die Zukunft der südlichen Erfurter Stadteinfahrt gebastelt. Die ist dem Verkehrsansturm nur noch bedingt gewachsen. Bis zu 17.000 Fahrzeuge pro Tag passieren die Straßen am Steiger, um in die Stadt hinein- oder hinauszukommen. Ab der Kreuzung zur Arndtstraße wird es einspurig und zu den Stoßzeiten staut sich der Verkehr über Kilometer.

Die Arnstädter Straße in Erfurt
Bis zu 17.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Arnstädter Straße in Erfurt. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Lösungsansätze gab es bereits einige - doch keiner schaffte es bis zur finalen Umsetzung. Ab Herbst sollen nun die Bagger rollen. In der Arnstädter Straße geht es los und in den kommenden sechs Jahren folgen die anderen Straßen.

Die jetzt beschlossene Umsetzung sieht einen Ausbau im Bestand vor - das heißt, die Straßen werden grundhaft saniert. Neue Leitungen, teilweise breitere Fahrbahnen, Radwege und Mittelstreifen. Am Schützenplatz bei der Thüringenhalle entsteht ein Kreisverkehr. Die Gesamtkosten belaufen sich auf acht Millionen Euro.

Doch an der Gesamtsituation ändert sich nichts. Der Verkehr rollt nach wie vor über die Arnstädter Straße in die einspurige Martin-Andersen-Nexö und dann in die Arnstädter Straße Richtung Stadt.

Zwei Anwohner der Arnstädter Straße in Erfurt disktuieren über einen Plan zur Straßensanierung.
Seit 28 Jahren kämpfen Anwohner der Arnstädter Straße um eine alternative Verkehrsführung. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Seit 28 Jahren kämpft die Bürgerinitiative der Anwohner des Gebietes für eine alternative Verkehrsführung für mehr Ruhe und weniger Emissionen. In der Bürgerinitiative sind rund 50 Mitglieder. Alle klagen über den steigenden Verkehr und weniger Lebensqualität.

Gerold Grove ist Anwohner der Martin-Andersen-Nexö Straße und Sprecher der Bürgerinitiative. Er ist enttäuscht von den seiner Ansicht nach leeren Versprechungen der Lokalpolitiker.

Das ist über die Jahrzehnte immer wieder blockiert und hinausgezögert worden und jetzt hat man eine Entscheidung gefällt, die Martin-Andersen-Nexö Straße als Autobahnzubringer zu belassen.

Gerold Grove
Ein Transparent an einem Zaun an der Arnstädter Straße in Erfurt
Mit einer bebilderten Chronik schildert die Bürgerinitiative ihre Sicht der Dinge. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Die Bürgerinitiative fordert, den Verkehr stadteinwärts über die Arndtstraße und von dort über die Werner-Seelenbinder Straße weiter stadteinwärts zu führen. Doch nach jahrzehntelanger Planung wird es lediglich einen Ausbau der bestehenden Lösung geben.

Der Grund: Die Arndtstraße liegt direkt am Rand des Steigerwaldes und der ist FFH-Gebiet (Fauna und Flora Habitat). Dort haben verschiedene Gutachten unter anderem drei bedrohte Fledermausarten festgestellt. Die fliegen laut Gutachten über die Arndtstraße, die derzeit noch unbebaute Fläche der ehemaligen Lingel-Schuhfabrik und die Martin-Andersen-Nexö-Straße.

Auch der Stadt wäre die Umleitung des stadteinwärts führenden Verkehrs über die Arndtstraße recht gewesen, obwohl diese Lösung doppelt so teuer geworden wäre. Alexander Reintjes, Leiter des Erfurter Tiefbauamts, sagt, ihm seien aufgrund der Einordnung des Steigers als Naturschutzgebiet die Hände gebunden:

Die Einordnung des Steigerrandes in ein Flora- und Faunahabitat bildet die höchste Schutzklasse im Naturschutz und im umweltrechtlichen Sinn. Und da kommen wir einfach nicht daran vorbei. All das haben wir in einem sehr langen Prozess lernen müssen und es führt dazu, dass wir das Projekt, wir es mal vorhatten, einfach nicht mehr umsetzen können. Wir können es einfach nicht, weil uns da alle naturschutzrechtlichen Gesetze entgegenstehen. Das sind nicht nur Bundesgesetze, das sind auch europäische Gesetze.

Alexander Reintjes, Leiter des Erfurter Tiefbauamt

Auch die Bebauung der seit Jahren brachliegenden Lingel-Fläche mit Wohnhäusern und einem Hotel startet voraussichtlich noch dieses Jahr. Fünf Jahre wartet man hier schon darauf, endlich loslegen zu können. Unzählige Änderungen hat es auch hier wegen der Fledermäuse gegeben. Flugkorridore wurden eigerichtet, spezielle blendfreie LED-Beleuchtungen und Nistkästen sind geplant. Und man hat sich auf eine eventuelle Verlegung der Verkehrsführung auf die Arndtstraße eingerichtet und genügend Platz für einen dreispurigen Ausbau gelassen.

Ein Transparent an einem Zaun an der Arnstädter Straße in Erfurt
Ihre Kritik an den Plänen der Stadtverwaltung haben Anwohner auf Transparenten dargestellt. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Dass die beiden Wohngebiete diesseits und jenseits der Martin-Anderson-Nexö Straße durch den Autobahnzubringer zerschnitten werden - so wie von der Bürgerinitiative bemängelt -, ist für Tim Henkel, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Erfurt-Süd Am Steiger mbH, kein Problem. Durch die neuen Mittelstreifen und Fußgängerüberquerungen sei der Austausch problemlos möglich.

Der Ausbau im Bestand soll im Herbst starten. Zuerst wird die Arnstädter Straße grundhaft saniert, nach der BUGA folgen die Arndt- und zuletzt die Martin-Andersen-Nexö Straße. Während der Arbeiten wird es laut dem Tiefbauamt Vollsperrungen geben, die weiträumig umfahren werden müssen.

Der Bürgerinitiative reicht diese Lösung nicht. Ihre Mitglieder bezweifeln die Naturschutzstudien und wollen weiter kämpfen für eine aus ihrer Sicht für die Anwohner bessere und zukunftsträchtigere Lösung der Verkehrsführung. Der Schutz weniger Fledermäuse dürfe nicht über das Wohlergehen der Anwohner gehen, die teilweise schon viele Jahrzehnte dort leben würden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 09:44 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

24.04.2019 10:41 paul 16

Ja Martin, kann ich gut verstehen, dass Sie diese
Leute nicht haben wollen!

24.04.2019 10:13 martin 15

@13 paul: Finden Sie es nicht fragwürdig, dass Sie solche Leute auf's Dorf schicken wollen? Sollen die Dörfer jetzt die "Städter mit speziellen Vorstellungen" aufnehmen? Also ich würde mich dagegen wehren und vielleicht eine Bürgerinitiative "Unser Dorf soll friedlich bleiben" gründen.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt