Autobesitzer wurde mit Messer schwer verletzt Mutmaßliche Erfurter Autodiebinnen in Dortmund festgenommen

Es hört sich an wie ein brutaler Krimi: Zwei junge Frauen sollen einen Mann mit einem vermutlich sedierenden Medikament betäubt haben, danach soll eine der Beiden im Auto von hinten auf ihn eingestochen haben, das Opfer konnte dennoch flüchten und kehrte sogar noch zum Auto zurück. Nach dem gewalttätigen Autoraub am Erfurter "Roten Berg" ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt gegen die Frauen unter anderem wegen versuchten Mordes.

Ein Frau in Handschellen
Eine der verdächtigen Frauen steigt vor dem Amtsgericht Erfurt in ein Auto Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Wie ein Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft mitteilte, richtet sich der Verdacht gegen eine 19-jährige Erfurterin. Sie soll mehrfach mit einem Messer von hinten auf einen 30-jährigen eingestochen und ihn schwer verletzt haben. Dabei habe sie den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen, so die Staatsanwaltschaft. Außerdem wird gegen die 19-Jährige und ihre 18 Jahre alte mutmaßliche Komplizin wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Beiden waren laut Polizei am Mittwochabend mit dem 30-jährigen im Auto unterwegs. Dann sollen sie ihn betäubt, angegriffen und das Auto gestohlen haben. Sie konnten zunächst flüchten und wurden schließlich in Dortmund gefasst.

Auf ihrer Flucht sollen die jungen Erfurterinnen in einer Stunde fünf Unfälle gebaut und 53.000 Euro Schaden angerichtet haben, teilte die Polizei Dortmund mit. Gegen 14.05 Uhr am Donnerstag fiel das Frauen-Duo zum ersten Mal auf. Im Parkhaus eines Einkaufszentrums in der Dortmunder Innenstadt hatten Zeugen zwei Frauen gemeldet, die zunächst Passanten um Geld baten und anschließend versuchten, eine Schranke an der Ausfahrt anzuheben. Als dies nicht gelang, setzten sich die beiden schließlich in ihren silbernen Kombi und fuhren mit hoher Geschwindigkeit auf eine weitere Schranke zu. Diese durchbrachen sie und flüchteten anschließend in dem Wagen über die Hövelstraße in unbekannte Richtung.

Laut Dortmunder Polizei dauerte es anschließend nur rund zehn Minuten, bis sie wegen der Frauen wieder gerufen wurde. Auf der Rheinischen Straße hatte eine 37-jährige Dortmunderin an der Einmündung Ofenstraße gerade hinter mehreren weiteren Autos an einer Rot zeigenden Ampel gehalten. Plötzlich tauchte ein Wagen neben ihr auf der linken Fahrspur auf und wechselte unvermittelt auf ihren Fahrstreifen. Das Auto der 37-Jährigen wurde schlichtweg weggedrängt und das andere Fahrzeug - ein silberner Kombi - fuhr einfach weiter in Richtung Westen.

Spur der Verwüstung hinterlassen

Blaulichtanlage eines Polizeiautos.
Blaulicht auf Polizeiauto (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Um nur wenige Minuten später den nächsten Unfall zu verursachen. Eine 35-jährige Dortmunderin wollte hier mit ihrem Wagen rechts auf die Emscherbrücke abbiegen und musste diesen wegen eines vorausfahrenden Fahrzeugs etwas abbremsen. Plötzlich merkte sie einen Aufprall von hinten und sah noch wie ein hinter ihr fahrender silberner Kombi mit Thüringer Kennzeichen zurücksetzte und anschließend seinen Weg in Richtung Westen fortsetzte. Zwar hielt dieser zunächst noch einmal kurz an, beschleunigte dann jedoch und bog - eine rote Ampel ignorierend - nach rechts in die Dorstfelder Allee ein.

Wo sich die zerstörerische Fahrt fortsetzte. An einer Rotlicht zeigenden Ampel am Übergang zur Huckarder Straße fuhr der Kombi nämlich einfach zwischen zwei nebeneinander auf dem rechten und mittleren Fahrstreifen stehenden Pkw einer 40-jährigen Dortmunderin und eines 39-jährigen Esseners hindurch. Dabei wurden beide Autos beschädigt. Über Rot ging es weiter in Richtung Norden auf die Huckarder Straße.

Weit kam der Kombi mit seinen beiden Insassinnen nun nicht mehr - jedoch auch nicht ohne einen letzten Crash. Wieder passierte es auf einer Kreuzung, diesmal an der Einmündung zur Allensteiner Straße. Über die dortige Linksabbiegerspur fuhr der Wagen in den entgegenkommenden Verkehr, teilten die Beamten mit. Dort hatten soeben noch eine 68-Jährige, ein 39-Jähriger sowie eine 39-Jährige (alle aus Dortmund) mit ihren Fahrzeugen bei Rotlicht auf der rechten, mittleren und linken Spur an der Ampel gehalten. Der silberne Kombi fuhr auf die Autos zu und schob diese ineinander.

Fahrerin möglicherweise unter Drogeneinfluß

Die beiden Frauen stiegen anschließend an der Beifahrerseite aus ihrem Kombi aus und versuchten es nun mit einer Flucht zu Fuß. Dies konnte die Polizei nach eigenen Angaben aber verhindern. Denn in die Fahndung nach dem Wagen waren mittlerweile gleich mehrere Einsatzkräfte eingebunden, auch wegen zusätzlicher Hinweise darauf, dass es sich bei den Insassinnen um die Tatverdächtigen eines versuchten Tötungsdeliktes und eines schweren Raubes in Erfurt handelte. Die Frauen wurden vor Ort festgenommen und verhaftet. Weil die 19-jährige Fahrerin möglicherweise auch unter Drogeneinfluss stand, wurde zusätzlich eine Blutprobe angeordnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/Polizei Dortmund

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 09. Februar 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 20:02 Uhr

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19 Kommentare

11.02.2018 19:19 Max W. 19

@09.02.2018 15:15 jackblack (Ja, toll, unter Drogen, das gibt mildernde Umstände, in der DDR war z.B. Trunkenheit am Steuer STRAFVERSCHÄRFEND,)

Ja, weil VW, Audi und die Trinkalkoholbranche nicht die Auftraggeber des Justizministers waren. Und Alkoholiker und Junkies der Macht weit weit weniger gefährlich werden als nüchterne Selbstdenker. Und sei es, weil sie die Umsatzerwartungen nicht "erfüllen".

Im übrigen sieht das hier wohl deutlich nach sozialer Verwahrlosung aus. Das Herkunftsmilieu lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit mitsamt seiner erzieherischen Begleitumstände erahnen.

Ach so: Ja, die DDR war tatsächlich eine Diktatur. Nur, damit das nicht so im Raum stehenbleibt, was sie da andeuten.

11.02.2018 19:11 Max W. 18

@09.02.2018 20:29 wolle1 (lesen ist eine Sache, verstehen eine ganz andere.)

Hier muss man garnicht lesen - ein Blick auf das Artkelfoto reicht vollkommen aus, um die zivilsatorischen Defizite zu erahnen...

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