Ein Mann steht umringt von Hibiskusstauden
Staudengärtner Pascal Klenart steht umringt von seinen Hibiskusstauden. Noch sind sie recht klein. Aber im Juli und August sollen sie erste Blüten bekommen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

BUGA-Hibiskus Erfurter Staudengärtner trainiert für die BUGA 2021

In zwei Jahren findet die Bundesgartenschau in Erfurt statt. Ein junger Gärtner will mit eigenen Hibiskuszüchtungen die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Sein Traum: die Präsentation seiner Hibiskussorten auf dem Gelände der BUGA 2021. Um dieses Ziel zu erreichen tut er so einiges. Zum Beispiel mit seinen Pflanzen reden.

von Antje Kirsten

Ein Mann steht umringt von Hibiskusstauden
Staudengärtner Pascal Klenart steht umringt von seinen Hibiskusstauden. Noch sind sie recht klein. Aber im Juli und August sollen sie erste Blüten bekommen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Es sind Tausende. Durchgezählt hat sie Staudengärtner Pascal Klenart nicht. Für seinen "Buga-Hibiskus" hat er Platz geschaffen in seiner Gärtnerei in Zooparknähe. Eigentlich braucht er die Verkaufsfläche, um Geld zu verdienen. Doch die Bundesgartenschau (Buga) in seiner Heimatstadt fordert ihn heraus. Und so hat er einen Großteil seines Gartenbaugeländes zum Buga-Testgebiet erklärt. Es sei ein immenser Aufwand speziell für diesen einen Sommer zu züchten, sagt er. Doch, schiebt der 29-Jährige gleich hinterher, als Gärtner habe man auch Stolz und stelle sich gern einer Herausforderung. Und so züchtet der leidenschaftliche Hibiskusfan seit Jahren nun auch schon für die Bundesgartenschau 2021 in Erfurt. Denn auf der größten Gartenschau der Bundesrepublik will er zeigen, was Staudenhibiskus kann und wie er in unterschiedlichen Wuchshöhen und unterschiedlichem Alter aussieht und vor allem wie er blüht. Der "Staudenhibiskus kann bis zu tellergroße Blüten haben, in vielen Farben von weiß bis purpurrot. Wir züchten hier 20 Sorten und die müssen für die Buga in entsprechend großer Stückzahl vorproduziert werden."

Hibiskusfans aus ganz Deutschland kommen angereist

Das Buga-Züchten betreibt er auf eigene Kappe, denn eine Ausstellungsfläche hat er noch nicht. "Aber das wird", da ist er sich sicher. "Mein Traum wäre es, meine großen Kübel vor die Hallen im Ega-Park zu stellen. Denn mit den großen Blüten hat das eine tolle Fernwirkung", sagt Klenart und steht mittendrin in einem grün-wogenden Blättermeer. Blüten kommen erst im Juli und August. Aber schon die Blätter machen einiges her. Teilweise sind sie zartgrün, teilweise fast schwarz. Sowohl auf dem Freigelände der Staudengärtnerei wie auch im Gewächshaus haben die Töpfe mit Staudenhibiskus die Oberhand gewonnen. Sie sind für den 29-Jährigen ohnehin seine große Leidenschaft. Als einer von nur zwei Gärtnern bundesweit züchtet der Erfurter seit Jahren Staudenhibiskus. Allein oberhalb vom Gewächshaus stehen auf einer Freifläche geschätzt rund 2.300 Pflanzen. Er müsse nur aufpassen, dass ihm die Kunden die für die Buga gedachten Stauden nicht wegkaufen. Wenn sie erstmal blühen, dann kommen die Hibiskusfans sogar aus Hamburg angereist. Und Pascal Klenart hat mit seinen Züchtungen auch das Fachpublikum begeistert. Auf der Internationalen Gartenschau 2017 in Berlin holte der Erfurter eine Silbermedaille.

Gutes Zureden und Wechselspiel von Licht

Ein Mann in einem Gewächshaus zwischen Hibiskuspflanzen.
Staudengärtner Pascal Klenart verbingt viel Zeit bei seinen Pflanzen. Manchmal unterhält er sich sogar mit ihnen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Die Sorte "Red Wine" sieht auch genauso aus wie tiefroter Wein und "Jolly Heart" lässt mit sehr dunklem Laub, weißer Blüte und einer Wuchshöhe von 1,40 Meter nicht nur das Herz von Jolly höher schlagen. Mit solchen Hinguckern will der Erfurter bei der Buga punkten. Und hat sich und seinen Schützlingen ein strenges Trainingsprogramm verordnet. Denn die hohe Kunst des Gartenbaus besteht darin, sagt er, dass die Blüten genau dann blühen, wenn Buga-Zeit ist und nicht schon vorher und gar erst danach. Und da hat Pascal Klenart so seine Tricks. "Wir üben da seit Jahren schon. Denn wenn ich sage, ich liefere die Pflanzen am 30. Juli 2021, dann müssen sie in voller Blüte stehen". Das Training besteht aus gutem Zureden, aus Dünger, der das Blütenwachstum anregt und aus dem Wechselspiel von Licht und Dunkelheit. So wird der Tag-Nacht-Rhymthmus geändert und getestet, wie die Pflanzen darauf reagieren. Stehen sie länger im Dunkeln warten sie mit ihrer Blütenpracht und Licht läßt sie regelrecht explodieren. Das muss genau getimt werden. Und dann hat Pascal Klenart noch Tricks, die er nicht verraten will. "Die bringe ich höchstens meinen Azubis bei", meint er geheimnisvoll. "Das ist wie beim Italiener mit dem Pizzateig. Das Rezept wird auch nicht verraten". Die olympische Disziplin lautet also, den Hibiskus auf den Tag genau zum Blühen zu bringen.

Bis zu 400 Blüten pro Pflanze

Oberhalb vom Gewächshaus stehen auf rund 150 Quadratmetern die Zweijährigen. Noch sind es kleine Pflänzchen. Doch die winterharten Stauden seien ware Wachstumsgiganten, zeigt er auf eine Reihe von Töpfen mit gerade mal zehn Zentimetern Höhe. "In zwei, drei Wochen sind das richtig große Stauden". Eine Pflanze kann bis zu 400 Blüten haben. Seine Buga-Hibiskuszüchtungen sind zum Teil schon fünf, sechs Jahre alt. Aktuell ist der Erfurter auch in Heilbronn auf der Bundesgartenschau und stellt sich dort dem Hallenwettbewerb mit Großkübeln im Umfang von einem halben Meter. "Solche Pflanzen sieht auch ein Buga-Besucher nicht alle Tage", schwärmt Klenart. Die Bundesgartenschau in Heilbronn ist auch ein gutes Training für Erfurt. Nur eine ganz neue Sorte wird es 2021 wohl nicht geben: "Das werde ich nicht schaffen. In Deutschland müssen Pflanzen erst drei Jahre gesichtet werden, damit die Fachwelt sieht, die Pflanze behält die gewünschten Eigenschaften". Dass es keine spezielle Buga-Klenart-Erfurt-Staude geben wird, sei nicht nicht schlimm, sagt Klenart. "Was wir zeigen werden, wird die Leute überraschen. Das haben die Erfurter und die Besucher in dieser Fülle noch nicht gesehen."

Grüne Hibiskuspflanzen in Töpfen
Noch sind die Pflänzchen recht klein. In ein paar Wochen soll sich das ändern. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 13. Juni 2019 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 05:00 Uhr

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