Ein Mann steht in Uniform mit einer Frontex-Armbinde vor einer orientalischen Landschaft.
Michael C. lebt derzeit in Messina. Bildrechte: MDR/Kathrin Kurth

Auslandseinsatz Thüringer Polizist dient bei Frontex

Rund 2.000 Kilometer trennen den Erfurter Polizisten Michael C. zurzeit von seiner Heimatstadt. Der Polizeioberkommissar ist im freiwilligen Auslandseinsatz. Neuneinhalb Wochen lang dient er bei der Europäischen Grenzschutzorganisation Frontex. Einsatzort ist die italienische Hafenstadt Messina im Norden Siziliens.

von Katrin Kurth

Ein Mann steht in Uniform mit einer Frontex-Armbinde vor einer orientalischen Landschaft.
Michael C. lebt derzeit in Messina. Bildrechte: MDR/Kathrin Kurth

Dort, wo das italienische Festland gefühlt nur einen Steinwurf entfernt ist, hat Michael C. Weihnachten verbracht. Dort hat er Silvester gefeiert und seinen 41. Geburtstag wenige Tage zuvor. Es ist nicht sein erster Auslandseinsatz. Von März 2016 bis April 2017 war er in Afghanistan. Das aber habe der Familie nicht gut getan, erzählt der verheiratete Vater eines kleinen Jungen und einer erwachsenen Tochter. Nach seiner Rückkehr habe ziemlich schnell festgestanden, dass es so einen langen Abschied erst einmal nicht wieder geben werde. Nun ist die Zeit der Trennung kürzer, leicht fällt sie trotzdem nicht.

Hotspot Messina

Bei 25 Grad sitzt Michael in Messina auf dem Balkon seines kleinen Appartements. Er hat Bereitschaft. Jeden Moment kann ein Anruf kommen, dann muss er ins Camp. Seine Aufgabe bei Frontex ist es, ankommende Flüchtlinge zu registrieren. Herausfinden, wie sie heißen, woher genau sie kommen, wie alt sie sind. Keine leichte Aufgabe, die meisten wollen genau das nicht preisgeben, sie fürchten zurückgeschickt zu werden. Michael C. hat einen Dolmetscher an seiner Seite, vielmehr einen Sprach-Sachverständigen. Der spricht nicht nur Arabisch, er soll und kann bei vielen Ankommenden heraushören, was ihre wahre Heimat ist. Das Camp in Messina ist ein Containerdorf, nicht viel größer als ein Fußballplatz. Es ist eines von vielen auf Sizilien. Die Flüchtlinge kommen anderswo an Land, weiter südlich. Dann werden sie - je nachdem wie viele es sind - auf die sogenannten Hotspots verteilt.

Gute und schlechte Erfahrungen

Michael C. ist nicht der einzige deutsche Polizist, der zurzeit bei Frontex in Messina im Einsatz ist, aber der einzige Thüringer. Er sieht seine Aufgabe pragmatisch. "Grundsätzlich denke ich, dass Frontex eine vernünftige Sache ist. Das Flüchtlingsproblem betrifft ja ganz Europa, also ist es gut und richtig, dass sich alle EU-Länder hier beteiligen. Die Flüchtlinge müssen ja erstmal vernünftig registiert werden." Über gute oder schlechte Erfahrungen will er nicht sprechen, es gebe das eine ebenso wie das andere. Die Menschen, die ankommen, seien vor allem müde. Oft hungrig. In erster Linie aber froh, wieder an Land zu sein. Meist sind es junge Männer aus Nordafrika. Es sind auch Frauen und Kinder dabei, aber nicht viele.

Weihnachten ohne Familie

Wie viele genau ankommen in diesen Tagen in Süditalien weiß er nicht. Im Sommer waren es manchmal hunderte am Tag. Bereitschaft hat Michael C. deshalb immer. Einzige Ausnahme waren die Weihnachtsfeiertage. Am Heiligen Abend hat er mit einem der beiden deutschen Kollegen Kaffee getrunken, der erste Weihnachtsfeiertag wurde dann im Team begangen. "Da waren alle Kollegen dabei, Portugiesen, Briten, Holländer, Dänen, und natürlich unser italienischer Teamleader plus dessen Familie", erzählt Michael. Mit seinen Gedanken war er aber zuhause, dort feierten Frau und Kind mit den Großeltern. Und zum Glück gibt es ja Whatsapp.

Warum meldet sich ein junger Familienvater freiwillig für einen zweieinhalbmonatigen Auslandseinsatz über Weihnachten? Vielleicht wird man Michael C. am ehesten gerecht wenn man sagt, er sieht die Notwendigkeit. Ja, es gibt Zuschläge, auch das Appartement und ein kleines Auto werden von Frontex bezahlt. Für die Verpflegung muss er komplett selbst aufkommen. Vielleicht ist ein bisschen Abenteuerlust dabei. Er ist jung, belastbar, stark. Man kann davon ausgehen, dass es nicht sein letzter Dienst außerhalb der deutschen Grenzen ist.

Frontex Die Europäische Grenzschutzagentur Frontex wurde 2004 gegründet, Sitz ist in Warschau. Von dort aus werden alle Auslandseinsätze koordiniert. Frontex ist zuständig für die Kontrolle der EU-Außengrenzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 10:22 Uhr

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1 Kommentar

16.01.2019 20:05 Halligalli 1

Mich würde mal interessieren wieviel „Schlepper“ Frontex schon geschnappt hat, oder ist das ein Staatsgeheimnis, weil, die Zahlen gen Null dendieren.

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