Wenn Falschparker den Nahverkehr behindern Erfurter Verkehrsbetriebe verteilen künftig Knöllchen

Die Erfurter Verkehrsbetriebe verteilen künftig Strafzettel an Falschparker. Die Maßnahme richte sich gegen Autofahrer, die ihre Fahrzeuge im Bereich von Haltestellen oder im Fahrweg von Bussen und Straßbanen abstellen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Damit hoffe die EVAG auf einen Lerneffekt, wie der Gruppenleiter Verkehrslenkung Enrico Raab erklärte. "Die Leute sollen erkennen, was sie falsch gemacht haben und aus diesem Fehler lernen."

Eine EVAG-Mitarbeiterin füllt einen Strafzettel für Falschparker aus.
Eine EVAG-Mitarbeiterin füllt einen Strafzettel für Falschparker aus. Bildrechte: SWE Stadtwerke Erfurt GmbH/Steve Bauerschmidt

Raab verwies darauf, dass das Verteilen von Knöllchen rechtens sei. Es handele sich um "eine richtige Verwarnung, die durch die Polizei als Ordnungswidrigkeit verfolgt wird". Man habe bei der EVAG lange überlegt, "ob wir uns zu diesem Schritt durchringen". Jedoch gebe es immer wieder Beeinträchtigungen des Bus- und Straßenbahnverkehrs durch falsch abgestellte Fahrzeuge. Als Beispiele nannte Raab eine regelmäßig zugeparkte Bushaltestelle im Ortsteil Marbach und den Busbahnhof in der Innenstadt. Hier würden Pkw teilweise in den Einfahrten zu Bussteigen geparkt, so dass die Busse nicht durchkämen. Auch an der Europaschule im Plauener Weg gebe es für EVAG-Busse oft kein Durchkommen, weil Eltern die schmale Straße zuparkten.

Laut Raab gab es im vergangenen Jahr 70 Fälle von Betriebsstörungen, bei denen ein EVAG-Fahrzeug durch Falschparker an der Weiterfahrt gehindert wurde. Es gebe aber noch eine wesentliche größere Zahl von Fällen, "in denen sich unsere Fahrer an falsch parkenden Fahrzeugen vorbeiquälen und so durch Verspätungen zusätzlich unter Stress geraten".

Behindert ein Falschparker ein EVAG-Fahrzeug, so rücken Dispatcher des Unternehmens aus und dokumentieren den Fall. Wird ein Bus oder eine Straßenbahn durch Falschparker an der Weiterfahrt gehindert oder können Fahrgäste an einer zugeparkten Haltestelle nicht aussteigen, dann bleibe oft nur der Abschleppdienst, so Raab.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 10. Dezember 2018 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 16:37 Uhr

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12 Kommentare

12.12.2018 14:39 martin 12

Natürlich kann man strikt dogmatisch argumentieren und ist rechtlich auf der sauberen Seite. Ob man damit aber immer die realen Probleme löst?

Und wer schon mal mit einem kranken Kind im Auto zum Arzt gefahren ist und nach 3x um die Blöcke immer noch keinen Parkplatz gefunden hat, dem wird weder die "saubere" Law-and-Order-Argumentation noch der Hinweis auf "kannst ja auch ein anderes Verkehrsmittel nehmen" wirklich weiter helfen.

Und ich bleibe dabei: Nicht alle Falschparker sind rücksichtslose Rüpel, die zu faul sind ein paar Schritte zu gehen.

12.12.2018 10:58 rigerosi 11

Man merkt schon beim Lesen der Kommentare, wer betroffener Autofahrer ist und wer nicht.
Natürlich gibt es eine Diskrepanz zwischen der Anzahl im Verkehrsraum befindlicher Fahrzeuge und zum Parken ausgewiesener Flächen. Aber muss man deshalb gleich jede Fläche, auf die ein Auto passt ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer zuparken. Vielleicht kann man ja auch mal ein paar Schritte gehen und denkt sich dabei, dass Sitzen ohnehin der Gesundheit schadet!
Im Übrigen finde ich es richtig, dass die EVAG die Parksünder zu Anzeige bringt. Irgend jemand muss es ja tun, damit sich (hoffentlich) etwas verändert!

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