Kriminalität Ermittler: Motiv für Hirschgarten-Angriff in Erfurt konnte nicht geklärt werden

Mitte Juli 2020 griff eine Gruppe Männer im Hirschgarten vor der Erfurter Staatskanzlei eine andere Gruppe an. Jetzt sind die Ermittlungen abgeschlossen - das Motiv der Angreifer konnte nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt werden. Die Initiative gegen Rechtsextremismus Mobit bezeichnet das als "katastrophales Signal" an die Betroffenen.

Nach dem Überfall auf eine Personengruppe im Erfurter Hirschgarten im Juli bleibt das Motiv offen. Staatsanwalt Hannes Grünseisen sagte, das Motiv habe bei den Ermittlungen nicht geklärt werden können. Es seien 15 Tatverdächtige identifiziert worden - allesamt Männer. Demnächst werde über Anklagen entschieden.

Fünf Personen verletzt

Auf dem Platz Hirschgarten in Erfurt direkt vor der Staatskanzlei hatten die Männer am 18. Juli 2020 eine Gruppe vorwiegend junger Menschen scheinbar anlasslos angegriffen. Die Opfer sollen getreten und geschlagen worden sein. Nach Polizeiangaben von damals wurden fünf Personen verletzt, eine davon schwer. Eine große Blutlache direkt vor der Eingangstür der Staatskanzlei zeugte von der Brutalität der Attacke. Drei der mutmaßlichen Angreifer waren festgenommen worden. Sie wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, auch die übrigen Beschuldigten sind frei.

Ein Polizist macht Fotos von Spuren der Schlägerei vor dem Eingang der Staatskanzlei.
18. Juli 2020: Polizeibeamter macht Foto von der Blutlache auf dem Boden vor dem Eingang der Staatskanzlei. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Wohnungen durchsucht

Im Zuge der Ermittlungen waren im August mehrere Wohnungen in Erfurt und im Saale-Holzland-Kreis durchsucht worden. Ermittler waren auf der Suche nach den Mobiltelefonen der Beschuldigten und nach Kleidungsstücken, die sie bei der Tat getragen haben sollen. Danach erklärten die Ermittler, es seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden.

Initiative gegen Rechtsextremismus kritisiert Ermittlungsbehörden

Die Initiative gegen Rechtsextremismus Mobit (Mobile Beratung in Thüringen) erklärte am Dienstag, einige der mutmaßlichen Täter seien seit Jahren durch Aktivitäten in der extrem rechten Szene bekannt. Dass dieser Tathintergrund von den Ermittlungsbehörden nicht anerkannt worden sei, stelle ein katastrophales Signal an die Betroffenen dar und verschleiere das Problem extrem rechter Gewalt.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft sind einige der Beschuldigten wegen rechtsextrem motivierter Straftaten polizeibekannt oder wegen Gewaltstraftaten vorbestraft. In die Ermittlungen war auch die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts einbezogen worden, die bei politisch motivierten Straftaten tätig wird. Die Thüringer Opferberatung Ezra bezeichnet den Übergriff auf ihrer Website als "gezielten Angriff durch 20 Rechtsextreme". In vergleichbaren Fällen hatte es in der Vergangenheit immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ermittlern und Opferschutzorganisationen gegeben, ob Gewaltstraftaten Rechtsextremer aus einem rechtsextremen Motiv heraus begangen worden sind.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Januar 2021 | 08:00 Uhr

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen