Teilnehmer einer Demonstration am Hirschlachufer in Erfurt
Teilnehmer einer Protestdemonstration gegen die AfD Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Mai-Kundgebung in Erfurt DGB fordert gleiche Löhne in Ost und West

Etwa 5.000 Menschen haben sich am Mittwoch in Erfurt an Kundgebungen und Demonstrationen von Gewerkschaften, Parteien und Vereinen zum 1. Mai beteiligt. Der DGB fordert auf seiner Kundgebung gleiche Löhne in Ost und West, die AfD attackierte auf einer eigenen Veranstaltung die SPD. Gegen die AfD wandte sich eine Protestdemonstration, die vom Bündnis "Zusammenstehen" organisiert worden war.

Teilnehmer einer Demonstration am Hirschlachufer in Erfurt
Teilnehmer einer Protestdemonstration gegen die AfD Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die Angleichung der Löhne in Ost- und Westdeutschland gefordert. Der hessisch-thüringische DGB-Landeschef Michael Rudolf sagte am Mittwoch auf der Mai-Kundgebung des Gewerkschaftsbundes vor mehreren Hundert Teilnehmern in Erfurt, 30 Jahre nach der Einheit gebe es immer noch ein Lohngefälle von über 20 Prozent. Dieser Lohnraub müsse abgestellt werden. Die Firmen dürften ihren Beschäftigten den gerechten Lohn nicht länger vorenthalten. Die Gewerkschaften forderten auf der Kundgebung auch die rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen auf, sich für mehr Tarifbindung einzusetzen.

AfD und Gegner demonstrieren

Zu der Kundgebung am Thüringer Landtag waren nach Schätzungen der Polizei etwa 1.500 Menschen gekommen. Zeitgleich begann die AfD am Juri-Gagarin-Ring in der Innenstadt eine Demonstration, deren Ziel die Thüringenhalle war. Dort warf der AfD-Bundessprecher Alexander Gauland der SPD vor, die bürgerliche Mitte aufgegeben zu haben und sich nicht mehr um die Arbeiter zu kümmern. Der AfD-Landeschef Björn Höcke sprach von einem Ausverkauf Ostdeutschlands durch die Treuhand.

In Sichtweite der AfD versammelten sich Gegendemonstranten zum Protest. Unter anderem versuchten die Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow und der Linke-Landtagsabgeordnete Christian Schaft, die AfD-Route zu blockieren. Sie seien jedoch von der Polizei "geräumt" worden, berichteten Hennig-Wellsow und die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss auf Twitter.

Ein Polizist blickt auf Teilnehmer einer AfD-Demonstration am 1. Mai 2019 in Erfurt
Ein Polizist blickt auf Teilnehmer der AfD-Demonstration Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Die Thüringer Polizei berichtete auf Twitter von einem "Durchbruchversuch" von Teilnehmern der DGB-Kundgebung in der Erfurter Herderstraße. Beamte hätten Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Wie die Polizei Mittwochabend mitteilte, seien 13 Polizisten verletzt worden. Zuvor sei eine andere Gegendemonstration kurzzeitig gestoppt worden, weil einige Teilnehmer vermummt gewesen seien. Die Betreffenden hätten nach kurzer Ansprache die Vermummung dann abgelegt. Die Polizei nahm 19 Strafanzeigen auf, unter anderem wegen Vermummung, Widerstand gegen Polizisten und Sachbeschädigung. Über verletzte Demonstranten liegen der Polizei keine Informationen vor. Teilnehmer der Veranstaltungen sprachen dagegen von mehreren Verletzten.

Nach Angaben der Polizei vom Mittwochnachmittag beteiligten sich bis zu 4.000 Menschen an der Kundgebung des DGB und an der Protest-Demonstration gegen die AfD. Die AfD habe bis zu 800 Anhänger angezogen, hieß es. Die Linke-Abgeordnete König-Preuss schrieb auf Twitter von mehreren Verletzten auf Seiten der Demonstranten nach dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray durch die Polizei.

Kundgebungen und Demonstrationen in Erfurt

Teilnehmer einer AfD-Demonstration am Juri-Gagarin-Ring in Erfurt
Teilnehmer der AfD-Demonstration versammeln sich am Juri-Gagarin-Ring in Erfurt. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Teilnehmer einer AfD-Demonstration am Juri-Gagarin-Ring in Erfurt
Teilnehmer der AfD-Demonstration versammeln sich am Juri-Gagarin-Ring in Erfurt. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Ein Polizist blickt auf Teilnehmer einer AfD-Demonstration am 1. Mai 2019 in Erfurt
... unter den Augen der Polizei Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Teilnehmer einer Demonstration am Hirschlachufer in Erfurt
Zeitgleich wenige hundert Meter entfernt am Hirschgarten: Gegendemonstranten versammeln sich zum Protest gegen die AfD-Demonstration. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Polizisten stehen bei einer Gruppe von Personen in weißen Schutzanzügen am Ufer der Gera in Erfurt
An der Gera versuchen einige Gegendemonstranten, zur AfD-Veranstaltung zu gelangen. Sie werden von der Polizei daran gehindert. Ein Polizist aus Baden-Württemberg wird durch einen Fußtritt leicht verletzt. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Politiker der AfD, darunter Björn Höcke, halten ein Transparent bei der Demonstration der AfD am 1. Mai 2019 in Erfurt
Die AfD setzt sich in Bewegung, an der Spitze unter anderem Landeschef Björn Höcke (Bildmitte). Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
Die Linke-Politiker Susanne Hennig-Wellsow und Christian Schaft sitzen auf einer Straße in Erfurt, Polizisten stehen um sie herum.
Die Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow und weitere Politiker ihrer Partei versuchen, die Route der AfD-Demonstration zu blockieren. Sie werden schließlich von der Polizei weggebracht. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
AfD-Bundeschef Alexander Gauland auf einer Kundgebung seiner Partei am 1. Mai 2019 in Erfurt
Schließlich ist die AfD an ihrem Kundgebungsort an der Thüringenhalle angekommen. Am Mikro: Parteichef Alexander Gauland. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Teilnehmer einer Demonstration am Hirschlachufer in Erfurt
Zeitgleich wenige hundert Meter entfernt am Hirschgarten: Gegendemonstranten versammeln sich zum Protest gegen die AfD-Demonstration. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

"Fest der Vielen" am Nachmittag

Am Mittwochnachmittag begann in Erfurt das "Fest der Vielen", bei dem Musiker wie Clueso, Joris, Sebastian Krumbiegel oder Kat Frankie auftraten. Organisiert wurde das Fest, das für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft wirbt, erstmals von einem Bündnis "Zusammenstehen". Dazu gehören auch Kirchen, Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Parteien, Initiativen und Künstler. Es gehe auch darum, Front gegen rechte Tendenzen in der Gesellschaft zu machen und für Arbeitnehmerrechte einzustehen, sagte Bündnis-Sprecherin Katja Maurer. Laut Angaben der Polizei besuchten zwischen 6.000 bis 8.000 Besucher die Veranstaltung.

Weitere Kundgebungen zum 1. Mai in Thüringen gab es laut DGB unter anderem in Jena, Suhl, Gera, Weimar, Saalfeld und Eisenach. Daran nahmen nach Gewerkschaftsangaben jeweils 500 bis 1.000 Menschen teil. Die Thüringer Polizei hat die Veranstaltungen zum 1. Mai mit Unterstützung von Beamten aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt abgesichert. Linken-Anhänger sprachen von einem "schikanösen Verhalten" und einer "fehlenden Deeskalationstrategie" von Polizei und Versammlungsbehörde und protestierten spontan dagegen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 15:18 Uhr

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56 Kommentare

03.05.2019 14:33 Klaus Pfister 56

Dann eben bloss die West Löhne senken um sie den Ost Löhnen anzugleichen?

03.05.2019 11:35 martin 55

@45 normalo: Doch auch die extreme Rechte und Linke haben am Tag der Arbeit des Recht ihre Meinung zu verkünden - auch wenn es groteske Meinungen sind. Die Grenze ist erst dort erreicht, wo es keine Meinung sondern falsche Tatsachenbehauptungen, Hetze, ... ist. Eine Demokratie hält das aus.

@49 es reicht: Wo musste die Partei "Die Linke" von der Polizei gestoppt werden? Soweit berichtet, handelte es sich um passiven Widerstand - unfriedlich finde ich andere Dinge. Und wenn durch die Sitzblockade geltendes Recht verletzt wurde, wird halt ein Bußgeld oder Strafbefehl fällig.

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