Eine Frau mit schwarzen, halblangen Haaren und einer weißen Jacke sitzt zwischen zwei Männern auf einem Stuhl, vor ihr sitzen Jugendliche in einem Publikum
Zeitzeugin Eva Stocker sprach mit Erfurter Schülern, moderiert von Rüdiger Bender und Falko Stolp. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

Gemeinschaftsschule am Roten Berg Filmregisseurin Eva Stocker zum Gespräch bei Erfurter Schülern

Eva Stocker hat als Baby den Holocaust überlebt. Sie interviewt die letzten Überlebenden der Ghettos und Lager, fügt deren Erinnerungen in einem Dokumentarfilm zusammen. Nun war sie mit Schülern in Erfurt im Gespräch.

von Blanka Weber

Eine Frau mit schwarzen, halblangen Haaren und einer weißen Jacke sitzt zwischen zwei Männern auf einem Stuhl, vor ihr sitzen Jugendliche in einem Publikum
Zeitzeugin Eva Stocker sprach mit Erfurter Schülern, moderiert von Rüdiger Bender und Falko Stolp. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

In ihrem Ausweis steht ein Datum aus dem Jahr 1945, Behörden in Ungarn hatten es ihr später bei der Einbürgerung gegeben. Ihr wahres Geburtsdatum wird sie nie erfahren. 

Als Eva Stocker 18 Jahre alt war, begann die Suche nach ihrer eigenen Identität. Ein kleiner Zettel, den sie zuvor in einem Schuhkarton gefunden hatte, war der Auslöser dafür. Darauf vermerkt, ein Datum aus dem Jahr 1944. Es war die Zeit, als Košice (damals in Ungarn, heute Slowakei) ein Durchgangsbahnhof war für hunderte Züge auf dem Weg nach Auschwitz-Birkenau. Die Behörden registrierten die Daten und die Zahl der transportierten Menschen: Etwa 430.000 Juden sollen es bis Ende 1944 gewesen sein. 

Jener Bahnbeamte hat - so vermutet es Eva Stocker heute - das unbekannte Baby von einer verzweifelten Mutter entgegen genommen und in ein Waisenhaus gebracht, wo diese erste Notiz entstand. 

Schüler und drei Erwachsene schauen auf eine Leinwand, auf der ein Film läuft
Die Schüler warfen auch einen Blick auf Stockers Filmmaterial. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

Jahrzehnte später hat sich Eva Stocker auf die Suche gemacht, die eigene Identität zu erkunden, Spuren zu suchen, Anhaltspunkte, Namen und Daten zu recherchieren. Wer könnte ihre Mutter gewesen sein? Wo kam sie ums Leben? Sie bereiste mehrere Länder, um die letzten Überlebenden des Holocaust zu treffen und zu interviewen. Entstanden sind mehr als 300 Stunden Interviewmaterial. Mehr als 20 Überlebende begleitet sie seit Jahren immer wieder regelmäßig im privaten Leben und an Orten der Shoah. Ihr Anliegen: Erinnerungen hörbar machen und die Geschichte von Zeitzeugen erzählen lassen. Derzeit entsteht ihr langer Dokumentarfilm dazu.

Die studierte Pädagogin und Filmregisseurin war am Mittwoch erstmals mit Schülern in Thüringen im Gespräch: "Die Jugend hat die Antworten für die Zukunft", sagt sie. Deshalb sei es ihr so wichtig, mit jungen Menschen im Gespräch zu sein.

Eine Frau mit schwarzen, halblangen Haaren und einer weißen Jacke steht neben einem Mann und redet, vor ihr sitzen Jugendliche in einem Publikum
Im Gespräch mit den Schülern ging es auch um die Themen Heimat, Identität und um Mobbing. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

Vom 30. Oktober bis zum 16. November fanden in Mühlhausen die 27. jüdisch-israelischen Kulturtage Thüringens statt. Bei 100 Konzerten und Ausstellungen und mehr in 24 Thüringer Städten stand das moderne Israel im Fokus. In Mühlhausen befindet sich eine von drei geweihten Synagogen in Thüringen. Sie war 1938 nicht niedergebrannt, aber schwer verwüstet worden. Die anderen Synagogen in Thüringen stehen in Erfurt und Berkach/Grabfeld (Landkreis Schmalkalden-Meiningen).

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 12:19 Uhr

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