Magnetfeld der Erde Nordpol verschiebt sich: Flughafen in Erfurt reagiert mit Umbenennung

Es ist ein kleiner Farbanstrich für den Flughafen in Erfurt, aber die Prozesse dahinter haben globale Ausmaße: Verschiebungen im Magnetfeld der Erde führen am Airport der Landeshauptstadt zur Umbenennung der Start- und Landebahn - zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit.

Luftaufnahme des Flughafen Erfurt-Weimar mit seiner Start- und Landebahn
Blick auf den Flughafen Erfurt-Weimar: Veränderungen im Magnetfeld der Erde haben auch hier Auswirkungen. (Archivfoto) Bildrechte: imago/VIADATA

Die Ursache für die Umbenennung der Landebahn am Flughafen Erfurt-Weimar findet sich tief unter der Erdoberfläche. Unser Planet arbeitet wie ein großer Dynamo: Durch die Bewegung heißen und elektrisch leitfähigen Materials im Kern unseres Planeten entsteht ein Magnetfeld. Es verfügt über einen Nord- und einen Südpol, die beide unabhängig voneinander umherwandern.

Magnetischer Nordpol der Erde wandert

Nach Angaben der Nationalen Umweltinformationszentren der USA (NCEI) hat der magnetische Nordpol seit der ersten aufgezeichneten Messung im Jahr 1831 etwa 2.250 Kilometer zurückgelegt. Von den nördlichsten Regionen Kanadas bewegt er sich nun kontinuierlich in Richtung Nordwesten, steuert also auf Russland zu. Die Verschiebung betrug laut Europäischer Raumfahrtagentur ESA seit der Jahrtausendwende bis zu 65 Kilometer pro Jahr. Nach aktuellen NCEI-Daten verlangsamte sie sich zuletzt auf etwa 40 Kilometer jährlich.

Das Magnetfeld der Erde schützt uns vor Sonneneruptionen und Sonnenwind
Die schematische Darstellung zeigt, wie der Sonnenwind auf das Magnetfeld der Erde trifft und es verformt. Bildrechte: imago/Ikon Images

Veränderungen im Magnetfeld der Erde resultieren auch aus Verschiebungen großer Massen auf dem Planeten. Wie Dr. Ronny Stolz vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena erklärt, ist das beispielsweise dann der Fall, wenn große Mengen Eis abschmelzen. So wandert das geschmolzene Wasser in andere Regionen des Globus, während sich die früher unter der Last des Eises liegenden Landmassen anheben. Damit wird auch ein direkter Einfluss des Menschen sichtbar, wenn die Klimaerwärmung für ein Abschmelzen der Eispanzer in den Polregionen und damit für eine neue Verteilung der Massen sorgt.

Das Magnetfeld der Erde

Die Erde ist von einem Magnetfeld umgeben. Es lässt sich wie das eines Stabmagneten vorstellen, heißt es beim Helmholtz-Zentrum Potsdam. An den beiden Polen stehen die Linien des Magnetfelds senkrecht zur Erdoberfläche und laufen dann um den Globus herum auf die andere Seite. Das Feld wirkt so als Schutzschild gegen die hochenergetischen Teilchen, die als Sonnenwind auf die Erde treffen. Die Pole fallen nicht mit den geografischen Polen zusammen, so das Helmholtz-Zentrum: "Die Achse des magnetischen Dipolfeldes ist derzeit um etwa zehn Grad gegenüber der Erdrotationsachse geneigt."

Dr. Ronny Stolz, Abteilungsleiter Magnetometrie am Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena sowie Lehrbeauftragter am Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dr. Ronny Stolz, Abteilungsleiter Magnetometrie am Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena Bildrechte: MDR/Leibniz-IPH/Sven Döring

Orientierung mit Kompass am magnetischen Nordpol

Änderungen im magnetischen Feld spüren Menschen selbst nicht, sagt Stolz. Doch beispielsweise Zugvögel, die sich bei ihrer Bewegung magnetisch orientieren, seien davon betroffen, ebenso wie hochempfindliche Messungen. Und dann gibt es da ja noch den Kompass. Wer mithilfe der magnetischen Nadel navigiert, muss genau wissen, wo Norden liegt. Auch wenn heute GPS-Daten für Routen verwendet werden, kommt der Kompass in der Luftfahrt noch immer ergänzend zum Einsatz.

Schutzschirm klappt zusammen: Die Polumkehr

Neben der vergleichsweise langsamen Wanderung der Pole erlebt die Erde auch dramatischere Veränderungen in ihrem Magnetfeld. "Es gibt Umpol-Events, bei denen sich das Feld um 180 Grad dreht", erklärt Dr. Ronny Stolz vom Leibniz-IPHT. "Das werden wir hoffentlich nicht erleben." Denn: Bei einer Polumkehr breche das Magnetfeld und damit der Schutzschirm zusammen. Die Erde und ihre Bewohner seien dann dem Sonnensturm schutzlos ausgeliefert, erklärt Stolz. Die energiereichen Teilchen, die den Globus treffen, würden nicht nur Schäden an moderner Technik und der Stromversorgung verursachen. Die Strahlung schädige auch Zellen im menschlichen Körper. "So etwas passiert und ist schon passiert," sagt der Wissenschaftler Stolz über die Polumkehr - hat aber auch eine beruhigende Botschaft: "Wir sprechen hier von Zeiträumen von Millionen Jahren."

Was der Nordpol mit dem Flughafen zu tun hat

Die Bezeichnungen für Start- und Landebahnen basieren weltweit auf der Kompassrose: Osten liegt demnach bei 90 Grad, Süden bei 180 und so weiter. Für Pisten auf Flughäfen wird dabei eine Ziffer eingekürzt, sodass beispielsweise eine Startbahn, die genau nach Westen (270 Grad) zeigt, die Aufschrift 27 erhält. Da der magnetische Nordpol wandert, ändert sich allerdings auch die relative Lage von Landebahnen zu ihm - womit eine Umbenennung nötig wird.

Neue Markierung für Landebahn am Flughafen Erfurt-Weimar

Am Flughafen Erfurt-Weimar sehen die Piloten, die im Landeanflug über der Landeshauptstadt hereinkommen, künftig deshalb eine 09 statt eine 10. In westlicher Richtung wird aus der 28 eine 27, wie Airport-Sprecher Hans-Holm Bühl sagte. Die Bahn des Flughafens liegt dann also exakt in Ost-West-Ausrichtung - bezogen auf den magnetischen Nordpol. Die neuen Ziffern werden voraussichtlich im Sommer aufgetragen. Dann soll eine Firma beauftragt werden, die sich auf Markierungen von Landebahnen spezialisiert hat.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung gab es eine vergleichbare Änderung beispielsweise schon einmal in Köln. Aktuell sei der Airport der Thüringer Landeshauptstadt allerdings der einzige in Deutschland, für den eine Umbenennung in absehbarer Zeit geplant ist, so DFS-Sprecher Stefan Jeakel.

Markierung 10-28 und ein Flugzeug auf der Landebahn des Flughafen Erfurt-Weimar.
Noch stehen eine 10 und eine 28 auf der Landebahn des Flughafens Erfurt-Weimar. Im Sommer sollen sie überstrichen werden. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

In Erfurt sei das übrigens die erste solche Anpassung, seit es die Flughafen-GmbH gibt, berichtet Bühl - also seit der Wende. Ob das Prozedere davor schon einmal angewendet wurde, ist jedoch nicht überliefert. Unklar ist auch, wann bei fortschreitender Polwanderung die nächste Umbenennung ansteht: "Da bin ich sicher schon in Rente", mutmaßt der Sprecher.

Quelle: MDR THÜRINGEN

3 Kommentare

Quantix vor 45 Wochen

Es gibt viele Familien, die es vorziehen, ihren Urlaubsflug von diesem kompakten, übersichtlichen Flughafen aus zu beginnen. Viele davon müssten Stunden fahren, um zu anderen Flughäfen zu kommen. Außerdem generiert der Flughafen weit mehr Steuern (Arbeitsplätze + Wirtschaft) als die 2 Mio Euro, die im Jahr zugeschossen werden müssen. Klein, aber fein!

Skeptiker vor 45 Wochen

Könnte es sein, dass Herr Dr. Stolz bisher von allen Erkenntnissen diesbezüglich abgeschirmt war? Dass der magnetische Nordpol jährlich um bis zu 50m wandert, und das nicht immer nur in eine Richtung, ist seit langem bekannt. Diese Wanderung wird aus genau den angesprochenen Gründen seit Jahren sehr genau verfolgt. Deshalb aber gleich den Flughafen abzuschaffen, ist doch übertrieben. Es gibt schließlich schlimmere Groschengräber und die pensionsberechtigten "Oberförster" mit den schmucken Mützen sind doch eifrig bemüht, diese zu füllen.

ottovonG vor 45 Wochen

Fleigt da überhaupt noch etwas außer ein paar wöchentliche Billiganbieter. Braucht das große Thüringen einen eigenen Flughafen, ein Millionen-Zuschussgeschäft jedes Jahr. Wäre eine bessere Zuganbindung an Halle-Leipzig nicht ausreichend für das große Thüringen. Ein Fall für das Stuerzahlerschwarzbuch.

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