Transformation Grüne schlagen Schließung des Erfurter Flughafens vor

Millionenbeträge zahlt das Land Thüringen, um den Flughafen in Erfurt am Laufen zu halten. Dieses Geld könne besser eingesetzt werden, finden die Grünen und wollen über eine Schließung diskutieren. Am Donnerstag forderte die Fraktion außerdem einen Transformationsfonds, der nach der Corona-Krise nicht nur der Wirtschaft, sondern auch dem Klimaschutz neue Impulse geben soll.

Luftaufnahme des Flughafen Erfurt-Weimar mit seiner Start- und Landebahn
Statt des Flughafens könnten sich die Grünen hier in Erfurt auch ein Wohngebiet oder einen Solarpark vorstellen. (Archivfoto) Bildrechte: imago/VIADATA

Die Landtagsfraktion der Grünen fordert ein Klima-Konjunktur-Programm für Thüringen. Es soll die Wirtschaft in Corona-Zeiten unterstützen und sieht Investitionen in klimafreundliche Energie, Mobilität und Landwirtschaft vor. Millionenbeträge sollen unter anderem in die Solar-Förderung gehen. Zudem sollten kommunale Radweg-Beauftragte eingesetzt werden, heißt es in einem Positionspapier. Zu den Vorschlägen gehört auch die Schließung des stark subventionierten Erfurter Flughafens.

Thüringen zahlt Millionenbeträge für Flughafen Erfurt

Der Airport war in den 1990er-Jahren vom Land Thüringen mit einem dreistelligen Millionenbetrag auf internationalen Standard gehoben worden. 2019 sollte die Germania etwa 70 Prozent der Abflüge von Erfurt-Weimar bestreiten, die Insolvenz der Fluggesellschaft riss jedoch ein großes Loch in die Passagierbilanz. Die Landesregierung entschied daraufhin, für 2019 und 2020 insgesamt 7,6 Millionen - und damit zwei Millionen Euro mehr als ursprünglich vorgesehen - an die Flughafengesellschaft zu zahlen.

Wohngebiet auf dem Erfurter Flughafen?

Die Grünen hatten sich bereits in ihrem Programm zur Landtagswahl 2019 gegen eine weitere Subventionierung des Flughafens Erfurt-Weimar ausgesprochen, auch vor dem Hintergrund der verbesserten Anbindung der Landeshauptstadt durch die neue ICE-Trasse. Fraktionschefin Astrid-Rothe Beinlich sagte am Donnerstag, sie könne sich auf dem Flughafen-Areal unter anderem ein Wohngebiet vorstellen, da die Fläche bereits sehr gut per Straßenbahn an die Stadt angebunden sei. Die Grünen-Abgeordnete Laura Wahl brachte auch einen möglichen Solarpark ins Spiel.

Zu den weiteren Ideen der Fraktion zählen unter anderem ein landesweites Zwei-Euro-Ticket für den Nahverkehr und ein Programm, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in der Landwirtschaft zu reduzieren. Die Vorschläge sollen in die Haushaltsplanung für den Freistaat einfließen. Das erste Corona-Hilfspaket des Landes mit mehr als einer Milliarde Euro hatte aus Sicht der Grünen die Klimafrage nicht ausreichend berücksichtigt.

Auch Linke und SPD für Förderprogramme

Die Thüringer Linksfraktion setzt sich für ein sozial-ökologisches Umsteuern und eine solidarische Strukturpolitik ein. Wichtige Impulsgeber für Wachstum und Innovation seien der Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft und eine konsequente Mobilitäts- und Landwirtschaftswende, sagte Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow. Für den Neustart der Thüringer Wirtschaft müssten bei einem Förderprogramm die Herausforderungen berücksichtigt werden, die es schon vor der Corona-Pandemie gegeben habe.

Die SPD-Landtagsfraktion setzt nach Worten ihres Vorsitzenden Matthias Hey auf einen "klugen Dreiklang" aus mehr öffentlichen Investitionen, Hilfen für die Privatwirtschaft und mehr privaten Konsum. So sollten Förderprogramme der EU und des Bundes mit Landesmitteln kofinanziert und Kommunen in die Lage versetzt werden, die Mittel auch abzurufen, sagte die SPD-Wirtschaftspolitikerin Diana Lehmann.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Juni 2020 | 18:00 Uhr

24 Kommentare

Lothar Thomas vor 17 Wochen

Da kann sich doch die Fluggesellschaft mit dem Kranich direkt mal freuen, wenn die schon Landerechte abgeben müssen, dann können sie doch die von Erfurt mit einrechnen.
Ein paar Leute auch gleich mit "entsorgen" und alles ist wieder gut.
Nach dem derzeitigen Desaster werden die Vorschläge der Grünen auf offene Ohren stoßen.
Nachdem ja bei den Angestellten jetzt auch noch ein Lohnverzicht erpresst wurde, kann sich doch der Vorstand der Fluggesellschaft gleich was auf sein Gehaltskonto aufladen.
Spaß beiseite, wenn man wirklich auf dem Berg Wohnungen bauen wollte, dann bitte keine Einfamilienhäuser für nur wenige, sondern dann ordentliche Sozialwohnungen, die nicht von Spekulanten wie "Vonovia" und ähnlichen Anderen errichtet werden.
Ein anderer Vorschlag wäre einen Spaßpark zu errichten.
Leipzig und neuerdings auch Chemnitz haben einen, nur wir in Thüringen verschlafen wieder ALLES.
Wie wäre es mit einem Themenpark über "Flugzeuge" ???
... "über den Wolken muss die Freiheit" ...

Ralf T. vor 17 Wochen

Der Flughafen Erfurt, da heben nur eine handvoll Flieger täglich Richtung Malle, Antalya oder Gran Canaria ab.
Für Fern- oder Geschäftsreisen fällt der Flughafen aus, da es schon sehr lange keine Verbindung mehr zu einem internationalen Drehkreuz gibt.
Auch für die Nord, Ost und Südostthüringen spieltes keine Rolle, ob sie nach Erfurt oder Leipzig fahren, die Zeit ist die selbe. Südthüringern dürfte es auch egal sein, ob sie anderthalb Stunden nach Nürnberg oder Erfurt fahren.

Ich habe immer gute Erfahrungen gemacht, mit dem Zug nach Leipzig, das war nie ein Problem. Mit dem Auto fahre ich ne Stunde nach Leipzig, nach Erfurt 45 Minuten.

Der Flughafen ist überflüssig, wie soviele Regionalflughäfen in Deutschland, das betrifft nicht nur Erfurt.

Wer den Flughafen gern erhalten möchte, sollte aber auch sagen, wie man ihn ab 2023 weiter betreiben will, wenn die Landessubventionen nicht mehr zulässig sind.

Monazit vor 17 Wochen

Mal ganz pragmatisch gedacht: Würde das Land Thüringen neben dem Erfurter Hbf ein "AirRail" -Terminal bauen, wo man einchecken könnte, die Koffer abgeben könnte und dann in Speziellen Zügen nach Leipzig, München oder Frankfurt reisen könnte; wie grüß müssten die Zuschüsse sein? Könnte das Land nicht spezielle Flughafenlinien von anderen Städten wie Jena oder Eisenach an den Leipziger Flughafen fördern?

Solche Investitionen wären gewiss auch immer Verlustgeschäfte, kämen aber, wenn gut umgesetzt, in der Fläche besser an, als der jetzige Flughafen in Bindersleben. Es ist gut, dass Thüringen Geld in die Hand nimmt, damit die Leute im Freistaat nicht abgehängt werden. Die Frage ist aber immer, ob ein Flughafen die bestmögliche Maßnahme ist.

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