Erfurt Großbäckerei Frischback erneut insolvent

Die Großbäckerei Frischback ist erneut insolvent. Das hat das Arnstädter Unternehmen am Montag auf seiner Internetseite bekanntgegeben. Laut dem Schreiben will Frischback das Verfahren erneut in Eigenregie abwickeln.

Erst im April 2018 hatte die Großbäckerei mit aktuell rund 700 Mitarbeitern ein erstes Insolvenzverfahren in Eigenregie beendet. Danach, so teilte das Unternehmen mit, hat man mit Sanierungsmaßnahmen begonnen. Von denen seien viele erfolgreich umgesetzt worden, so etwa der Aufbau des Produktionsstandorts Erfurt. "Einige unserer Maßnahmen und Sanierungsschritte konnten wir jedoch noch nicht erfolgreich umsetzen", schrieb Geschäftsführer Alfred Heyl auf der Homepage des Unternehmens. Die Realität habe gezeigt, dass die bisher umgesetzten Schritte noch nicht ausreichten. "Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die jetzt notwendigen Schritte einzuleiten und Frischback erneut und endgültig auf einen Sanierungskurs zu bringen", teilt Heyl mit.

Umsatzrückgang durch Hitzesommer

Verkäuferin und Kunden an Frischback-Theke
Kunden kaufen in einer Frischback-Filiale ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Grund für die Zahlungschwierigkeiten nennt Frischback einen Umsatzrückgang durch den Hitzesommer 2018. Außerdem sei die geplante Zusammenlegung von Produktion und Logistik in Erfurt ins Stocken geraten. Die erhofften Einsparungen seien noch nicht eingetreten. Als vorläufiger Sachverwalter in dem Verfahren hat das Amtsgericht den Erfurter Anwalt Rolf Rombach bestellt. Frischback hat außerdem zwei Experten aus der Bäckereibranche in die Sanierung mit eingebunden. Während der ersten Insolvenz hatte Frischback im November 2017 mehrere Filialen der Erfurter Bäckereikette Elmi übernommen. Um das Unternehmen zu retten, gab Frischback abgelegenere Standorte auf und eröffnete neue Filialen im unmittelbaren Umfeld der neuen Produktionsstätte in Erfurt. Die aktuell 100 Filialen und Verkaufstellen sollen erhalten bleiben.

Die Mitarbeiter sollen mit Schreiben und Versammlungen über die weiteren Schritte informiert werden.

Gewerkschaft beobachtete Frischback kritisch

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten reagierte auf die erneute Insolvenz der Arnstädter Großbäckerei Frischback mit Bedenken. Der NGG-Geschäftsführer in Thüringen, Jens Löbel, sagte MDR THÜRINGEN, er habe bereits in der Vergangenheit das Geschäftsgebaren des Unternehmens kritisch beobachtet. Es stelle sich die Frage, ob sich Frischback möglicherweise mit der Übernahme anderer Filialen im Jahr 2017 übernommen habe. Löbel beklagte zudem, dass es in dem Unternehmen keinen Betriebsrat und keinen Tarifvertrag gebe. Die Arbeitgeber der Bäckerbranche in Thüringen lehnten Tarifverhandlungen ab. Sie würden darauf hinweisen, dass ihr Tarifvertrag der gesetzliche Mindestlohn sei. Nach Ansicht des Gewerkschafters Löbel ist das aber der falsche Weg. Die Bäcker im Freistaat müssten sich über Qualität auf dem Markt behaupten, nicht über das Lohnniveau.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 08. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 21:03 Uhr

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11 Kommentare

09.01.2019 12:30 Georg 11

naja es gibt eben kein Brot mehr für 0, 52.- Pfennige wie zu DDR- Zeiten oder
noch einen vernünftigen Preis mit der DM, alles um 1 0 0 % teurer geworden
umso mehr die Löhne angehoben werden umso mehr würd alles wieder umgelegt.
wir hatten zu 6 stets jeden Tag ein Brot gebraucht jetzt würd man arm dabei und
für 10 .- M ,1 kilo Aufschnitt am Wochenende, klasse Preise jetzt, sinnlos.

09.01.2019 02:01 Stealer 10

@Walter: Den "Irrtum" der NGG kann ich nicht nachvollziehen, da er so nicht im Artikel steht. Einen Angriff auf die Tränendrüsen sehe ich aucht nicht.

Im übrigen trifft die Aussage "akzeptables Produkt für einen möglichst niedrigen Preis" nicht für alle Kunden zu - es gibt genug lokale Bäckereien (oder z.B. auch Fleischer), die einen loyalen Kundenstamm haben, und den üblicherweise auch durch Qualität. Das ist auch nötig, da man sich Brot in jedem Supermarkt holen kann, und dort durchaus in einem breiten Angebot. Großketten mit vielen Filialen sind dazwischen angesiedelt und müssen mit Zusatzangeboten (belegte Backwaren etwa) oder lukrativen Standorten (Bahnhöfe, Innenstadt) punkten. Ansonsten wird es schwer.

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