Thüringer Tageszeitungen Gewerkschaft: Funke soll Druckerei-Schließung in Erfurt begründen

Porträt Karsten Heuke
Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Ende 2021 will die Funke-Mediengruppe das Druckzentrum in Erfurt-Bindersleben schließen. Rund 270 Arbeitsplätze sind betroffen. Belegschaft und Gewerkschaft wollen das nicht so einfach hinnehmen.

Blick auf das Verlagshaus / Druckhaus der Thüringer Allgemeine
Blick auf das Verlagshaus der Funke Medien Thüringen samt Druckerei in Erfurt-Bindersleben. (Archivfoto) Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Aufgrund der Schließungspläne fordert die Belegschaft des Funke-Druckzentrums in Erfurt Gespräche mit der Funke-Verlagsspitze aus Essen. Jan Schulze-Husmann von der Gewerkschaft Verdi sagte MDR THÜRINGEN, es reiche nicht, dass die Geschäftsführung von Funke Medien Thüringen nur auf "strategische Entscheidungen" der Verlags-Gesellschafter verweise. "Sie sollen nach Erfurt kommen und den Mitarbeitern, die ihre Jobs verlieren, ins Gesicht schauen und das begründen", sagte Husmann.

Betriebsrat Dustin Hertel sagte MDR THÜRINGEN, es sei enttäuschend, dass Funke bislang keine konkrete Strategie für Thüringen vorgelegt habe. Auch würden keine zusätzlichen Investitionssummen für Digitales genannt.

Zeitungstitel der Funke Mediengruppe in Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung
Die Funke-Zeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung Bildrechte: MDR

Investitionen in Braunschweig statt in Erfurt

Die Belegschaft werde sich so nicht abspeisen lassen, sagte Hertel. Auf einer Mitarbeiterversammlung hätten die Kollegen erbost und mit Unverständnis reagiert. Die Mitarbeiter des Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben fühlten sich abgehängt, weil Funke statt in Erfurt in die Funke-Druckerei in Braunschweig investieren wolle. Das sei nicht zu verstehen, weil es sich nicht mal wirtschaftlich rechne.

Laut Verdi untermauert das ein Gutachten auf Basis von Verlagszahlen, das die geplante Komplettschließung des Druckzentrums Erfurt einer Verkleinerung und Modernisierung des Standortes gegenüber stellt. In beiden Fällen stünden demnach Investitionen und einmalige Kosten von mehr als 18 Millionen Euro an. Die Druckerei in Braunschweig müsste für die Thüringer Zeitungsausgaben aufgerüstet werden. Wenn ausschließlich außerhalb Thüringens gedruckt wird, steigen den Berechnungen zufolge zudem die Vertriebskosten jährlich um schätzungsweise mehr als vier Millionen Euro.

Auflage von TA, TLZ und OTZ (Rückgang in 100.000er-Abständen)
Zeit verkaufte Auflage davon Abo
1. Quartal 1999 500.331 482.353
1. Quartal 2004 403.723 388.427
2. Quartal 2011 301.105 288.381
3. Quartal 2020 200.101 (davon 12.190 E-Paper) 189.449  (davon 9.704 E-Paper)
Quelle: IVW    

Früherer Redaktionsschluss befürchtet

Außerdem werden höhere Auflageneinbußen bei Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung aufgrund sinkender Aktualität erwartet. Dies wird damit begründet, dass der Redaktionsschluss vorverlegt werden müsste, wenn außerhalb Thüringens gedruckt wird. Darüber hinaus will Funke Medien Thüringen laut Betriebsrat bereits ab kommendem Jahr auf die Mittwochsausgabe des kostenlosen Anzeigenblattes Allgemeiner Anzeiger verzichten. Allerdings rechnet die Belegschaft dadurch nicht mit größeren Auswirkungen auf das Druckzentrum.

Die Funke-Mediengruppe hatte Anfang September angekündigt, ihr Druckzentrum in Erfurt-Bindersleben in gut einem Jahr Ende 2021 zu schließen. Davon betroffen sind 100 Druckmitarbeiter, 170 Versandhelfer sowie eine schwankende Anzahl an Leiharbeitern. Funke-Unternehmenssprecherin Jasmin Fischer hatte das damit begründet, dass eine Erneuerung der 30 Jahre alten Druckmaschinen aufgrund der sinkenden Druckauflagen nicht zu rechtfertigen sei. Mit der Auslagerung des Zeitungsdrucks könnte stattdessen Geld in Millionenhöhe gespart und in den wachsenden Digitalbereich investiert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. November 2020 | 16:00 Uhr

8 Kommentare

butcher vor 7 Wochen

Inhaltlich muss ich Ihnen überwiegend recht geben. Wenn ich den Artikel richtig verstehe, wird die Zeitung weiterhin gedruckt, unabhängig von Qualität der Inhalte. Dies soll anscheinend, zu höheren Kosten in Braunschweig geschehen.
Weitere Transportwege, geringere Aktualität, Verlust von Leserbindung, Vernichtung von Arbeitsplätzen.
Das (ostdeutsche) Arbeitnehmer das hinterfragen, ergibt sich von selbst.
Die Digitalisierung als Grund finde ich persönlich als vorgeschoben. Zumindest bei Regionalzeitungen. Der Trend ist zweifellos, aber bei derzeit ca. 6% digitalen Aboanteil (Mediengruppe Thüringen) wird Print das digitale noch sehr lange subventionieren müssen.
Ob diese Transformation funktioniert, es in zehn Jahren noch eine Thüringer Zeitung gibt, ist meines Erachtens keine Frage des Mediums, sondern eine (wie Sie schon angedeutet haben) der Inhalte.

Copper vor 7 Wochen

Es sind halt keine Nachrichtenblätter mehr, eher Meinungsblätter. Echter kritischer und enthüllender Journalismus ist leider out und wenn dann nur im Interesse der hauseigenen Maxime. Wie die aussieht, kann man sich ausdenken wenn die Verlage durch den Bundeshaushalt gefördert werden. "Informationsweiterreicher" und persönliche Meinungen von unbekannten Menschen finde, lese und ignoriere ich auch im Internet. Zusätzlich frage ich mich, warum man das begründen soll wenn der Rückgang der Auflagszahlen durch Desinteresse und Digitalisierung so offensichtlich ist.

lobo56 vor 7 Wochen

Bis auf Todesanzeigen und wenige, meist wiedergegebenen lokale Meldungen
nichts wirklich Recherchiertes. Das Weitergeben von Infos ist für mich kein Journalismus.....

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