Medien Funke schließt Erfurter Druckzentrum mit 270 Mitarbeitern

Angesichts sinkender Zeitungsauflagen und alter Druckmaschinen schließt die Funke Mediengruppe Ende 2021 ihr Druckzentrum in Erfurt. Für die 270 Mitarbeiter - 100 Drucker und 170 Versandhilfskräfte - sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden, wie Unternehmenssprecherin Jasmin Fischer am Dienstag in Erfurt sagte.

Zeitungen stecken in Briefkästen eines Mehrfamilienhauses
Die Druckauflagen gehen seit Jahren zurück. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Die drei Thüringer Regionalzeitungen und die bisher in Erfurt gedruckten Anzeigenblätter der Mediengruppe sollen künftig am Funke-Standort in Braunschweig und bei externen Dienstleistern gedruckt werden. "Die Thüringer Redaktionen und Lokalteile sind von der Entscheidung nicht betroffen. Sie werden weiter in gewohnter Weise arbeiten und erscheinen", sagte Fischer.

Funke: Investitionen in Druckerei in Erfurt nicht vertretbar

Die Entscheidung der Druckverlagerung sei dem Unternehmen nicht leichtgefallen, weil sie mit einem Abbau von Stellen verbunden sei.

Eine notwendige Erneuerung der rund 30 Jahre alten Druckmaschinen hätte das Unternehmen jedoch einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Wegen der sinkenden Druckauflagenzahlen und der steigenden digitalen Nutzung sei diese Investition nicht zu rechtfertigen gewesen, hieß es. Mit der Auslagerung seien jährliche Einsparungen in Millionenhöhe verbunden, die künftig für Investitionen in den Digitalbereich und die Sicherung der regionalen Zeitungen in Thüringen zur Verfügung stünden.

Eine junge Frau mit Mund-Nasen-Behelfs-Schutz schaut in einer Fußgängerzone auf ihr Handy.
Immer mehr Menschen lesen die Zeitung digital. Bildrechte: imago images / MedienServiceMüller

Auflage inzwischen halbiert

Von den zwölf Funke-Regionalzeitungen erscheinen mit der "Thüringer Allgemeinen", der "Thüringischen Landeszeitung" und der "Ostthüringer Zeitung" drei Blätter im Freistaat. Derzeit werden in dem Druckzentrum 200.000 Tageszeitungen gedruckt. Vor knapp 30 Jahren betrug die Auflage noch 550.000. Neben den Tageszeitungen werden in Erfurt auch Anzeigenblätter mit einer wöchentlichen Auflage von 800.000 gedruckt.

Erste Reaktionen aus der Politik

Die SPD im Thüringer Landtag fordert den Erhalt des Druck-Zentrums der Funke Mediengruppe in Erfurt. Wie eine Sprecherin mitteilte, wird der Fraktionsvorsitzende gemeinsam mit dem Wirtschaftsminister, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di das Gespräch suchen. Die Schließung des Produktionsstandortes treffe Thüringen hart, heißt es. Thüringen drohe in Sachen Zeitungsdruck zum weißen Fleck der Republik zu werden. Erfurt müsse stattdessen Zentrum des Digitalisierungs-Prozesses werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. September 2020 | 16:00 Uhr

17 Kommentare

Critica vor 7 Wochen

Ach Crizzle, immer wenn etwas teurer wird oder ganz verschwindet, werden die Lohnkosten verantwortlich gemacht. Ich glaube aber nicht daran. Selbst wenn die Tageszeitung fünf Mark achtzig kostet, bekommendie Drucker das Wenigste davon. Eher verteilt man das Geld in den Chefetagen. Man braucht schließlich Berater etc. Die Politik machts uns vor. Wem will man dann das Nachahmen verdenken?

CrizzleMyNizzle vor 7 Wochen

Ist ganz schön Schizoid, das stimmt. Als ob die Umwelt aber eine Rolle spielt ;)
Wobei man auch argumentieren könnte dass man die Ressourcen effektiver nutzen kann wenn man das nicht mehr dezentral macht. Aber ja, sind wohl die Lohnkosten.

CrizzleMyNizzle vor 7 Wochen

Sorry dem Stimme ich nicht zu.
Wenn Redakteure, Journalisten nicht gut bezahlt werden gehen die woanders hin. Ihnen geht es ja nicht ums Abdrucken der Fußball- und Lottozahlen. Sie wollen ja das recherchiert wird usw., ggf. Fotos.

Ansonsten erhalten Sie dann nur noch was heute fast normal ist, dpa-Meldungen werden abgedruckt, selbst ausgearbeitet wird nicht mehr.

Die Leute bei Zeitungen arbeiten schließlich nicht ehrenamtlich, dazu noch Kosten für Büro und Druck. Da können sich 50cent gar nicht rechnen. Einfach mal überschlagen wie viele Zeitungen verkauft werden müssen um den Bruttolohn eines MA bei einer Zeitung zu erwirtschaften.

Wo bitte gibts im Leben Produkte (aus Deutschland) mit viel Qualität mit wenig Geld? ;-) - vielleicht können Sie mich überzeugen.

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