Blick auf eine Wiese am Erfurter Ringelberg.
Die Wiese ist als Kaltluft-Entstehungsgebiet für die Landeshauptstadt ausgewiesen. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Wirbel um Kaltluftzonen Grüne kritisieren Wohnbauprojekt am Ringelberg in Erfurt

In einem geplanten Neubau am Ringelberg sollen Wohnungen und Geschäftsräume entstehen - etwa für Arztpraxen. Die Grünen fordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Bauvorhaben. Diese sei bisher nicht erfolgt.

von Juliane Maier-Lorenz

Blick auf eine Wiese am Erfurter Ringelberg.
Die Wiese ist als Kaltluft-Entstehungsgebiet für die Landeshauptstadt ausgewiesen. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Im Erfurter Stadtrat gibt es Vorbehalte gegen ein Bauprojekt im Wohngebiet Ringelberg. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN will eine Erfurter Baufirma dort ein mehrgeschossiges Gebäude errichten. Aus der Grünen-Stadtratsfraktion kommt jedoch Kritik. Der Stadtrat sollte am Mittwoch über eine Änderung des Bebauungsplanes für das Areal im Nordosten der Thüringer Landeshauptstadt beraten. Allerdings wurde die Beschlussvorlage gleich zu Beginn der Sitzung in den dafür zuständigen Ausschuss zurückverwiesen.

In dem Gebäude am Ringelberg sollen sowohl Wohnungen als auch Geschäftsräume für Arztpraxen, einen Pflegesalon und eine Pension entstehen. Die Stadt will den aktuell noch geltenden Bebauungsplan im Stadtrat ändern lassen, um so den Weg für den Investor freizumachen.

Die Firma „Riegel und Reiter Bau GmbH“ bestätigte MDR THÜRINGEN, ein 3.500 Quadratmeter großes Grundstück unmittelbar am Park-and-Ride-Parkplatz am Ringelberg im Osten der Stadt gekauft zu haben. Es sei geplant, ein „schlankes“ acht- und sechsgeschossiges Hochhaus zu bauen. Über die Baukosten konnte das Unternehmen noch keine Angaben machen.

Geplanter Wohnkomplex liegt in Kaltluft-Entstehungsgebiet

Ein Parkplatz am Ringelberg in Erfurt
Am Rand des Wohngebietes am Ringelberg wurde vor einigen Jahren auch ein Supermarkt gebaut. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Die Grüne-Fraktion im Erfurter Stadtrat steht dem Bauvorhaben kritisch gegenüber. Wie Stadträtin Astrid Rothe-Beinlich MDR THÜRINGEN im Vorfeld des Stadtrates sagte, wolle die Fraktion die Beschlussvorlage deshalb in den zuständigen Ausschuss zurückweisen lassen. Unter anderem fordern die Grünen eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Bauvorhaben. Diese sei in dem beschleunigten Verfahren nicht erfolgt, so Rothe-Beinlich.

Laut Flächennutzungsplan der Stadt Erfurt liegt der geplante Wohnkomplex in einem so genannten Kaltluft-Entstehungsgebiet. Dabei handelt es sich um Korridore, die für die Frischluftzufuhr beziehungsweise die Entstehung von kalter Luft in der Landeshauptstadt sorgen. Auf Anfrage der Grünen-Fraktion hatte die Stadtverwaltung laut Rothe-Beinlich im Vorfeld mitgeteilt, dass es keine Probleme mit dem Kaltluftzonen der Stadt gebe. „Die Klimakarten sagen jedoch etwas anderes. Wir fühlen uns in die Irre geführt“, sagte die Stadträtin.

Weil Erfurt in einer windgeschützten Mulde liegt, seien die Kaltluftzonen besonders wichtig für die Belüftung der Stadt. Das hatte eine entsprechende Klimaanalyse im März 2018 ergeben. Diese war unterem anderen deshalb erstellt worden, um die klimatischen Besonderheiten der Stadt bei zukünftigen Bauentwicklungen zu berücksichtigen. Bei fehlender Kaltluftzufuhr könne es demnach im Sommer zu Überhitzungserscheinungen, im Winter zu einer erhöhten Schadstoffkonzentration im Zentrum kommen.

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sind auf einem Teil der Wiese unterhalb des geplanten Baugrundstücks auf dem Ringelberg weitere Bauprojekte geplant. Weil diese Vorhaben ebenfalls in die Kaltluftschneise der Stadt fallen würden, soll der „alte Stadtrat“ das Thema vor der Kommunalwahl im Frühjahr dieses Jahres auf den aktuellen verwiesen haben.

Das Thema soll nun Mitte Januar im Ausschuss Stadtentwicklung, Bau, Umwelt, Klimaschutz und Verkehr behandelt werden und zum Stadtrat am 5. Februar erneut auf die Agenda kommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. November 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 14:30 Uhr

7 Kommentare

part vor 3 Wochen

Weht im Sommer der Wind von Ost, Wärme kommen wird. Weht im Winter der Wind von Ost eine große Kälte kommen wird. Erfurts Klima wird aber von der Westbebauung entscheident bestimmt, doch da ist alles zugeplastert und ein Stück weiter weg Richtung Weimar platzt platzt das GVZ aus allen Nähten...

Quantix vor 3 Wochen

Da bin ich ganz bei Ihnen. Und nebenbei: Wirtschaftskraft (Steuereinnahmen), Soziales (Gesellschaftlicher Zusammenhalt) und Kultur (Schöpferische Freiheit) sind es auch. So muss man dann Abwägungen treffen und Kompromisse schließen. Manchmal würde man dann auch feststellen, dass es insgesamt gut ist, Wiesen am Stadtrand mit Häusern für junge Familien zu bebauen, wenn in der Stadt selbst der Wohnraum knapp ist.

emlo vor 3 Wochen

Sie haben den Artikel gelesen? Dann kennen Sie die Antwort! Es soll noch Leute geben, die etwas weiter als von 12 bis Mittag denken und denen die Zukunft ihrer Stadt wichtig ist. Und dazu gehört eben mehr als Häuser wahllos in die Gegend zu bauen. Aber Ihnen als Fan einfacher Antworten ist sowas natürlich egal.

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