Historikerkommission CDU zu DDR-Zeiten mit klassischer Funktion einer Blockpartei

Eine Historikerkommission hat in Erfurt einen Bericht zur Geschichte der Thüringer CDU bis 1990 vorgestellt. Für den Bericht hatte die Kommission mehr als zwei Jahre lang in Archiven recherchiert und Zeitzeugen befragt.

Die Ost-CDU hat nach dem Mauerbau die klassische Funktion einer Blockpartei eingenommen. Zu diesem Schluss kommt eine unabhängige Historikerkommission, die die Geschichte der Ost-CDU vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Mauerfall ausleuchtete. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring hatte nach der verlorenen Landtagswahl 2014 vorgeschlagen, eine Kommission zur Aufarbeitung einzusetzen. Damals gab es heftige Diskussionen, ob die Linke als Nachfolgepartei der SED einen Ministerpräsidenten stellen könne. Die Linke wiederum entgegnete, dass die CDU selbst einmal Blockflötenpartei gewesen sei.

Ab 1961 Blockpartei

Dem Bericht zufolge war die Ost-CDU weder ein Hort von Widerstandskämpfern noch eine Partei von angepassten Mitläufern. Kommissionschef Jörg Ganzenmüller sagte am Mittwoch in Erfurt, "die CDU ist nach dem Krieg als demokratische Partei gegründet und auf Bestreben von Sowjets und SED zu einer Blockpartei transferiert worden". Immerhin 16 Jahre habe die SED gebraucht, um die 1945 gegründete, damals noch demokratische Union, in eine Blockpartei umzuwandeln. Bis zum Mauerbau 1961 sei sie zu einer nachrangigen Blockpartei degradiert worden. Ziel sei es gewesen, das bürgerlich-christliche Milieu in die sozialistische Gesellschaft zu integrieren und es zu kontrollieren.

Viele einfache Mitglieder seien in die Partei eingetreten, weil sie sich gesellschaftlich engagieren wollten, ohne sich den Machthabern allzu sehr anzudienen. An der Parteibasis habe es Versuche gegeben, sich etwa für die Christen in der DDR zu engagieren, so der Bericht. Den kompletten Bericht gibt es hier.

Funktionäre kooperierten eng mit der SED

Anstecknadeln der DDR-CDU
Anstecknadeln der DDR-CDU Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weniger gnädig geht der Bericht mit den Funktionären um. Innerhalb dieses Rahmens, den die CDU nicht freiwillig gewählt habe, hätten vor allem die Führungsspitzen der Parteiverbände eng mit der SED kooperiert. Sie seien willfährige Helfer des Machtapparats gewesen, besonders die mittlere Ebene der Kreis- und Bezirksvorsitzenden sei von der Stasi durchsetzt gewesen. "Wenn einzelne Mitglieder in Konflikt mit der Staatsmacht gekommen sind, wurden sie von der Parteiführung auch nicht unterstützt", sagte Ganzenmüller.

Die Historiker beschäftigen sich zwei Jahre mit der Aufarbeitung der Geschichte der Christlich Demokratischen Union. Ganzenmüller sagte, die Unabhängigkeit der Historiker sei nie angetastet worden. Der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring bezeichnete den Bericht als "deutschlandweit einmalig". Er zeichne ein differenziertes Bild der Partei während der DDR-Zeit. Mohring sagte mit Blick in Richtung Linke: Anders als die CDU habe es diese Partei auch in der laufenden Legislaturperiode nicht geschafft, ihre Verantwortung innerhalb des SED-Regimes aufzuarbeiten.

Quelle: dpa / epd / MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Oktober 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 13:10 Uhr

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20 Kommentare

19.10.2018 21:58 part 20

Ach ja, da noch gewesen wäre die Liberaldemokraten in der Volkskammer und andere. Von der FDP und den Anderen hört man aber nicht solche Betroffenheit oder jahrelanges Bellen über das Eichsfeld hinaus.

18.10.2018 14:36 observer 19

Eine CDU-interne "Untersuchung" brachte möglichst wenig Licht in die zutiefst peinliche CDU-Geschichte während der SED-Diktatur. Angepaßt bis zum Gehtnichtmehr war die Blockflötentruppe und hatte davon ja reichlich Begünstigungen. Wie sagte doch Walter Ulbricht zu seinen Mitverschworenen? "Es muß demokratisch aussehen, aber WIR müssen alles in der Hand haben!" Daß "WIR" allein das SED-Politbüro war, erübrigt sich eigentlich zu erwähnen. Und ab der Wende plötzlich 100%iger Gedächtnisschwund in der Ost-CDU. Keiner hatte angeblich je mit der SED eng kollabiert. Und so saßen denn unter Kohl
CDU- Abgeordnete im Bundestag, die schon handverlesen unter Honecker in dessen sog. "Volkskammer" gesessen hatten.

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