Klimaforscher Valeri Goldberg von der TU Dresden mit Messrucksack in Erfurt
Der Professor für Meteorologie an der Technischen Universität Dresden, Valeri Goldberg, trägt den Messrucksack durch die Iderhoffstraße in Erfurt. Mit der Aktion soll die Hitzebelastung von den Morgen- bis zu den Abendstunden in der Oststadt festgestellt werden. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Mobile Temperaturmessung Wie heiß ist Erfurt? Dresdner Klimaforscher messen Hitze

In Erfurt wird mit einem wissenschaftlichen Projekt nach neuen Wegen in der Stadtplanung gesucht. Seit Freitag laufen Teams der Umweltamtes und der Technischen Universität Dresden mit einem Klima-Mess-Rucksack durch die östliche Innenstadt von Erfurt.

Wolfgang Hentschel
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von Wolfgang Hentschel

Klimaforscher Valeri Goldberg von der TU Dresden mit Messrucksack in Erfurt
Der Professor für Meteorologie an der Technischen Universität Dresden, Valeri Goldberg, trägt den Messrucksack durch die Iderhoffstraße in Erfurt. Mit der Aktion soll die Hitzebelastung von den Morgen- bis zu den Abendstunden in der Oststadt festgestellt werden. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Auf einem vier Kilometer langen Weg über die Rathenaustraße, den Leipziger Platz, Bremer Straße und Hallesche Straße werden von der Messtechnik permanent Daten zur Temperatur, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchte und Sonneneinstrahlung erfasst. Die Rundgänge gehen über drei Tage und dauern jeweils von 8:45 Uhr bis 22 Uhr. Pro Tag gehen die Forscher zehn Runden.

Der Rucksack mit den technischen Geräten wiegt 15 Kilogramm. Bei den Rundgängen und auch beim Tragen des Rucksacks wechseln sich die Forscher ab. Entscheidend ist dabei, dass die Forscher stabiles Sommerwetter haben. "Wir wollen eine richtige Hitzebelastung messen", so Astrid Ziemann, Wissenschaftlerin an der Professur für Meteorologie der TU Dresden. "Dafür brauchen wir Sommertage mit mindestens 25 Grad Wärme. Am besten noch mehr. Und wir wollen einen unbewölkten Himmel mit richtig viel Sonneneinstrahlung, um eine starke Belastung messen zu können."

Hitzemessung bei Rundgang mit Messrucksack in Erfurt
Der Rundgang mit dem Messrucksack begann am Freitagmorgen in der Rathenaustraße. Klimaforscher und Mitarbeiter der Stadt Erfurt hatten sich zu der mobilen Temperaturmessung verabredet. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Fakt ist: Wir brauchen das Stadtgrün als Kühlungsfaktor

Laut Guido Spohr vom Amt für Umwelt- und Naturschutz der Stadt Erfurt werden die Klimadaten gesammelt, um für den Städtebau und für die Stadtplanung Empfehlungen zu geben. "Wir wollen zum Beispiel den privaten Hauseigentümern erklären, was sie zum Schutz vor der Sommerhitze machen können", so Spohr. "Wir wollen aber auch die Kommune beraten, inwieweit die Bedeutung von Stadtgrün steigt. Es ist Fakt, dass wir das Stadtgrün brauchen als wesentlichen Kühlungsfaktor in den Städten."

50 Grad auf dem Leipziger Platz

Laut Spohr wurden bereits vor einem Monat an einem heißen Tag mit Messgeräten sogenannte Thermografiebegehungen in der Stadt unternommen. Dabei wurde festgestellt, dass in Straßen mit vielen Bäumen die Temperaturen bei knapp 30 Grad lagen. Auf dem weitgehend schattenlosen Leipziger Platz wurden dagegen 50 Grad gemessen. "Der Leipziger Platz ist wunderschön, mit den Sitzbänken drum herum", so Spohr. "Es fehlt aber der Schatten von Bäumen." Nach Angaben von Spohr haben die Messungen zudem gezeigt, dass etwa auch in den Wartehäuschen für Bus und Straßenbahn sehr hohe Temperaturen herrschten. Erste Städte würden daher bereits beginnen, mit Hilfe von Pflanzen klimafreundlicher zu planen. In Leipzig sei man gerade dabei, die Bus-Wartehäuschen zu begrünen. Auch in Utrecht oder Wien werde das bereits umgesetzt, sagt Spohr.

In der Erfurter Oststadt werden seit diesem Sommer auch über stationäre Messgeräte Klimadaten erfasst, wie etwa am Steinplatz. Diese Daten fließen mit in die mobilen Messungen ein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:50 Uhr

2 Kommentare

martin vor 12 Wochen

Das ist ja wirklich eine bahnbrechende Erkenntnis der Wissenschaft: Schatten spendende Stadtbäume wirken sich bei Hitze positiv auf das Stadtklima aus. Hat die Erfurter Stadtverwaltung diese Erkenntnis bestritten, so dass erst einmal Wissenschaftler zur Klärung notwendig waren? Und auf einem schattenlosen, gepflasterten Platz wird es bei intensiver Sonneneinstrahlung richtig heiß und der gibt auch Nachts noch reichlich Wärme ab, so dass die nächtliche Abkühlung behindert wird - auch das ist ja eine völlig neue Erkenntnis.

Aber nun kann ja erst einmal ein Arbeitskreis gegründet werden und bis der allgemein akzeptierte Ergebnisse liefert, werden in Erfurt weiter tüchtig die Bäume abgeholzt.

Die Schildbürger würden blass vor Neid, wenn sie das mitbekämen!

Durchblick vor 12 Wochen

Die Anwohner sollten Baumpatenschaften übernehmen. Vielen Bäumen sieht man an, dass sie an Wassermangel leiden. Die dortigen Kastanienbäume verlieren jetzt schon ihr Laub. Entweder sollten Anlieger die Bäume bewässern oder eben die Stadt mit einem Wagen die Bäume mit Wasser versorgen. Die Stadt Erfurt tut jedenfalls zu wenig, um den Bäumen Lebenssaft zu spenden. Wie sollen die Bäume sonst ihrer Kühlungsfunktion ausreichend nachkommen?

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