Militär und Gesellschaft Hoff wirbt für gesellschaftliche Debatte über die Rolle der Bundeswehr

Thüringens Staatskanzlei-Chef Benjamin-Immanuel Hoff hat für eine gesellschaftliche Debatte über den Auftrag und die Rolle der Bundeswehr geworben. Diese Debatte sei notwendig, sagte er am Dienstag in Erfurt bei einer Festveranstaltung anlässlich des Gründungstages der Bundeswehr. Sie dürfe aber nicht auf den Rücken der Soldatinnen und Soldaten geführt werden, die sich für den Dienst in den Streitkräften entschieden hätten. Die Bundeswehr-Angehörigen seien Staatsbürger in Uniform und die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee, betonte der Linke-Politiker.

Thüringens Staatskanzlei-Chef Benjamin-Immanuel Hoff redet bei einer Festveranstaltung zum Gründungstag der Bundeswehr in Erfurt.
Staatskanzlei-Chef Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hoff sagte weiter, die Armee habe in den vergangenen Jahrzehnten umwälzende Veränderungen erlebt. So sei die Zusammenführung der Bundeswehr und der NVA der DDR nach 1990 "im Wesentlichen geräuschlos" verlaufen. "Das ist ein Ereignis, dass bislang noch nicht ausreichend einer würdigenden Betrachtung unterzogen worden ist." Heute habe die Bundeswehr den Auftrag der Abschreckung und Bündnisverteidigung und müsse außerdem Auslandseinsätze sicherstellen. Verwundung und Tod seien keine abstrakten Begriffe mehr, und die Soldaten und ihre Angehörigen erwarteten nicht zu Unrecht, dass die Gesellschaft die Augen davor nicht verschließe.

Gesellschaft tut sich mit Begriff "Gefallene" immer noch schwer

Thüringens Rechnungshof-Präsident Sebastian Dette, Innenminister Georg Maier und der Bundeswehr-General Jürgen Weigt bei einer Festveranstaltung zur Bundeswehr-Gründung in Erfurt.
Rechnungshof-Präsident Sebastian Dette, Thüringens Innenminister Georg Maier, Generalleutnant Jürgen Weigt (v.l.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der stellvertretende Inspekteur der Streitkräftebasis der Bundeswehr, Generalleutnant Jürgen Weigt, verwies darauf, dass in den Auslandseinsätzen bislang mehr als 100 Soldaten und Soldatinnen ums Leben gekommen sind. Politik und Gesellschaft täten sich aber bis heute schwer damit, diese Toten als Gefallene zu bezeichnen. "Jeder Soldat handelt stellvertretend für die, die ihn in den Einsatz schicken", sagte Weigt. Deshalb sei ein "respektvoller Dialog" über Verantwortung notwendig.

Der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Oberst Norbert Reinelt, sagte, die Bundeswehr habe in den vergangenen Jahren vielfach zivile Stellen im Katastrophenfall oder bei Großereignissen unterstützt. So habe sie beim Papstbesuch im Jahr 2011 Sanitätspersonal und medizinische Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Beim "Jahrhunderthochwasser" im Jahr 2013 seien rund 1.500 Soldaten in Thüringen im Einsatz gewesen. Sie hätten unter anderem Deiche gesichert, Notunterkünfte eingerichtet, Material und Stromversorgungsaggregate bereitgestellt und medizinische Hilfe geleistet. Auch beim Flüchtlingszustrom in den Jahren 2015 und 2016 hätten rund 300 Bundeswehr-Soldaten Sammelunterkünfte eingerichtet sowie Flüchtlinge betreut und verpflegt. Außerdem habe die Truppe bei zahlreichen kleineren Notfällen geholfen, wie etwa der Bergung eines tödlich verunglückten Feuerwehrmannes oder beim Löschen von Waldbränden.

Die Bundeswehr war am 12. November 1955 gegründet worden. In Thüringen tun derzeit mehrere Tausend Soldaten und Soldatinnen sowie Zivilangestellte Dienst. In Erfurt haben das Logistikkommando und das Thüringer Landeskommando sowie ein Informationstechnik (IT)-Bataillon ihren Sitz. Bad Frankenhausen, Bad Salzungen, Gera, Gotha und Sondershausen sind Standorte von Kampf-, Aufklärungs-, Unterstützungs- und Ausbildungseinheiten. Außerdem gibt es in Oberhof eine Sportfördergruppe der Bundeswehr. Derzeit stellen Thüringer Bundeswehr-Einheiten den Großteil des Nato-Bataillons in Litauen im Rahmen der "Enhanced Forward Presence" (EFP).

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 18:21 Uhr

1 Kommentar

steffeneisfeld vor 3 Wochen

Soldaten fallen nicht, sie sterben elendig und ohne Sinn.
Die BW wurde seit 1999 in Kriege im Rahmen ihrer Bündnispflicht geschickt. Seitdem werden sie als "Bürger in Uniform" verheizt. Sie tun es freiwillig und gegen Sold.
Meinen Respekt haben sie erst, wenn sie diesen Einsätzen nicht nachkommen und sich ausschliesslich zur Krisenintervention (mit Feuerwehr und Thw zb.) im Inland verpflichten.

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