Zwei Männer arbeiten mit einem Schraubenzieher an einer technischen Anlage.
Mittlerweile arbeiten 50.000 Ausländer in Unternehmen in Thüringen. Am Dienstag wurden aktuelle Zahlen vorgestellt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Integrationsbericht Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund finden Job in Thüringen

Minister Dieter Lauinger hat den Integrationsbericht 2019 vorgelegt. Demnach leben in Thüringen 132.000 Menschen mit Migrationshintergrund, 100.000 von ihnen besitzen keine deutsche Staatsbürgerschaft. Immer mehr sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt - vor allem im unteren Lohnsegment.

Zwei Männer arbeiten mit einem Schraubenzieher an einer technischen Anlage.
Mittlerweile arbeiten 50.000 Ausländer in Unternehmen in Thüringen. Am Dienstag wurden aktuelle Zahlen vorgestellt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) hat am Dienstag in Erfurt den Integrations- und Zuwanderungsbericht 2019 vorgestellt. Demnach haben 132.000 Menschen im Freistaat einen Migrationshintergrund, 32.000 davon besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Etwa 18.000 Syrer machten vor Zuwanderern aus Polen und der Russischen Föderation die größte Gruppe aus, sagte Lauinger.

Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Thüringen nach Herkunftsland

Syrien: 18.000
Polen: 16.000
Russische Föderation: 11.000
Ukraine: 6.000
Türkei: 6.000
Rumänien: 6.000
Kasachstan: 6.000
sonstige: 63.000

(Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, 2017)

Zuwanderung werde oft auf Flüchtlinge reduziert. Dabei machten sie weniger als ein Fünftel der in Thüringen lebenden Ausländer aus, erklärte Lauinger. Dagegen stamme fast jeder dritte Zuwanderer (32,6 Prozent) aus einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union. 15.000 Menschen verfügen laut Integrationsbericht zudem über einen Status als Spätaussiedler aus der Sowjetunion.

50.000 Ausländer arbeiten in Unternehmen in Thüringen

Lauinger unterstrich die Bedeutung von Zuwanderung für die Thüringer Wirtschaft. Arbeitnehmer ohne deutschen Pass hätten in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die Zahl der Arbeitsverhältnisse im Land nicht zurückgegangen sei. Der demografische Wandel sei ohne Zuwanderung für die Unternehmen nicht zu verkraften, sagte er.

Dem Bericht zufolge finden immer mehr Menschen aus dem Ausland in Thüringen einen Job - vor allem im unteren Lohnsegment. Mittlerweile würden rund 50.000 Ausländer in Thüringer Unternehmen arbeiten. Vor neun Jahren seien es nur rund 10.000 gewesen.

Migrationsminister Dieter Lauinger
Migrationsminister Dieter Lauinger hat aktuelle Zahlen zu Ausländern in Thüringen vorgelegt. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Der Minister räumte Schwierigkeiten bei der Beschäftigung von Geflüchteten ein. Zwar liege die Quote für Flüchtlinge mit Abitur über dem Thüringer Wert, allerdings verfüge auch mehr als die Hälfte der Menschen aus den Hauptfluchtländern über keinen Schulabschluss.

Integrationsprojekte hoffen auf gesetzlichen Rahmen

Lauinger sprach sich dafür aus, nach der Landtagswahl ein Integrationsgesetz auf den Weg zu bringen. Ob die bisherige Koalition aus Linke, SPD und Grüne bei der Wahl am 27. Oktober erneut eine Mehrheit zusammenbringt, ist den bisherigen Umfragen zufolge jedoch ungewiss. Lauinger sagte, dass die Träger der bisherigen Projekte zur Integration von Migranten sich wünschten, dass ihre Projekte einen gesetzlichen Rahmen bekommen. "Das sind die Integrationsmanager, die wir in den Landkreisen eingeführt haben, das sind Koordinatoren, das sind Strukturen, die wir in der Asyl- und Migrationsberatung aufgebaut haben", zählte Lauinger als Beispiele auf.

Die CDU im Thüringer Landtag kritisierte die Integrationspolitik der Landesregierung indes scharf. Das Integrationsverständnis der rot-rot-grünen Landesregierung finde keinen Rückhalt in der Bevölkerung, sagte Sprecher Christian Herrgott. Er bezog sich dabei auf eine Umfrage, die seine Partei in Auftrag gegeben hatte.

Der 126-Seiten starke Integrationsbericht wurde vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung in Berlin erarbeitet. Er soll künftig jährlich vorgelegt werden. Er steht auf der Website des Ministeriums zum Download bereit.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 19:34 Uhr

25 Kommentare

Paule vor 1 Wochen

@Lisa: Ich denke bei dem Satz gerade an die stillen Russland-Deutschen, welche mit RT-Deutschland die angebliche Vergwaltigung einer 13 Jährigen in Berlin derart stilisiert haben, dass selbst Lawrow sich genötigt fühlte auf höchster politischer Ebene den deutschen Behörden und Ministerien Versagen vorzuwerfen. Und das alles wegen einem Vorfall, den es überhaupt nicht gab!

Paule vor 1 Wochen

Fast alle Handwerksberufe vom Koch, über Fleischer, bis hin zum Autoschlosser suchen händeringend nach Lehr- und Arbeitskräften. In vielen Handwerksbetrieben geht es langsam um die Existenz, da sie keine Arbeitskräfte und Nachfolger finden.
Wie auch, wenn ein deutscher lieber Hartz 4 nimmt, statt 5 Km mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und damit auch noch vor Gericht zieht! Viele von den Ausländern wagen auch den Schritt in die Selbstständigkeit, eröffnen Bistros, Imbissbuden oder Friseursalons. Ja sicher und ein Teil wird wie andere deutsche Sozialleistungen beziehen.

ralf meier vor 1 Wochen

Hallo, jeder, der in Deutschland Vollzeit arbeitet, sollte davon leben können und dann nicht in der Hartz4 Statistik auftauchen. Das das seit vielen Jahren anders ist, verdanken wir der SPD. Solange sich da nichts ändert, haben selbstverständlich auch vollzeit arbeitende Migranten ein Recht auf hartz4 Zuschläge. Da sollte man tatsächlich den Gesamtzusammenhang sehen.

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