Premierenfahrt nach Berlin Schnelle ICE-Strecke durch Thüringen feierlich eingeweiht

Zwei Tage vor dem Betriebsbeginn hat die Bahn ihre neue ICE-Strecke von Nürnberg durch den Thüringer Wald nach Erfurt eingeweiht. Am Freitagmittag erreichte ein ICE-Sonderzug von Nürnberg kommend den Erfurter Hauptbahnhof und fuhr von dort aus weiter nach Berlin. Bahnchef Richard Lutz bezeichnete die Schnellfahrstrecke von München nach Berlin, deren Herzstück der Abschnitt durch den Thüringer Wald ist, als Meilenstein. 17 Millionen Menschen profitierten von dem Projekt.

Verkehr Die Einweihung der ICE-Strecke durch den Thüringer Wald

Mit der Fahrt zweier ICE-Sonderzüge von Nürnberg und München nach Berlin hat die Bahn ihre neue Strecke durch den Thüringer Wald eingeweiht. Bilder vom Zwischenstopp in Erfurt und von der Strecke.

Ein mit Unterschriften versehener ICE-Sonderzug
Der ICE-Sonderzug nach der Fahrt von Nürnberg über die neue Strecke durch den Thüringer Wald am Gleis 10 des Erfurter Hauptbahnhofes. Auf dem Zug haben sich Gäste der Fahrt genauso mit ihren Unterschriften verewigt wie ganz normale Bahnkunden. Bildrechte: dpa
Ein mit Unterschriften versehener ICE-Sonderzug
Der ICE-Sonderzug nach der Fahrt von Nürnberg über die neue Strecke durch den Thüringer Wald am Gleis 10 des Erfurter Hauptbahnhofes. Auf dem Zug haben sich Gäste der Fahrt genauso mit ihren Unterschriften verewigt wie ganz normale Bahnkunden. Bildrechte: dpa
Zwei Männer, die als Goethe und Schiller verkleidet sind, stehen neben 4 Männern im Anzug. Im Hintergrund sieht man einen ICE mit vielen Unterschriften.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke, Mitte, mit erhobener Hand) hat in Erfurt auf den ICE gewartet, um zur zentralen Feier nach Berlin zu fahren. Links neben ihm Bahnchef Richard Lutz und Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, rechts der amtierende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU). Die beiden Herren mit Perücken geben Goethe und Schiller. Bildrechte: MDR/Esther Taddigs
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht bei der Einweihung der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt auf dem Erfurter Hauptbahnhof.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht bei der Einweihung der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt auf dem Erfurter Hauptbahnhof. Er sagte unter anderem, künftig würden drei Millionen Reisende pro Jahr mit dem Fernzug Erfurt passieren. Ihnen sollten drei Millionen Gründe gegeben werden, in Erfurt auch auszusteigen. Bildrechte: MDR/Estha Taddigs
Ein weiß-roter ICE 3 der Deutschen Bahn AG im Erfurter Hauptbahnhof.
Ein solcher 300 km/h schneller ICE 3 - hier bei einer Testfahrt auf dem Erfurter Hauptbahnhof - wird auf der Verbindung München-Berlin als Sprinter eingesetzt. Diese Züge halten nur in Nürnberg, Erfurt und Berlin und schaffen die Strecke deswegen in 3:55 Stunden. Bildrechte: Deutsche Bahn/Kai Michael Neuhold
ICE-T der Deutschen Bahn AG auf der Dunkeltalbrücke nahe Goldisthal in Südthüringen.
Ein ICE-T der Deutschen Bahn auf der Dunkeltalbrücke nahe Goldisthal in Südthüringen. Diese Züge fahren maximal 230 km/h. Bildrechte: Deutsche Bahn/Barteld Redaktion
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Ramelow: Thüringen sollte Reisenden Gründe zum Aussteigen in Erfurt liefern

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) sagte, künftig würden drei Millionen Reisende pro Jahr mit dem Fernzug Erfurt passieren. Ihnen sollten drei Millionen Gründe gegeben werden, in Erfurt auch auszusteigen. Der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, der frühere CDU-Politiker Ronald Pofalla, wies auf die Innovationen durch die neu gebauten Streckenabschnitte von Leipzig/Halle nach Erfurt und von Erfurt nach Ebensfeld in Oberfranken hin. Dadurch sei die Digitalisierung des Bahnverkehrs massiv vorangetrieben worden. Diese neu gebauten Abschnitte sind nicht mehr mit herkömmlichen Signalen ausgerüstet, sondern mit dem elektronischen Zugsicherungssystem ETCS, das mit Sensoren im Gleis und an den Zügen arbeitet.

Video: Premieren-ICE trifft in Erfurt ein

Bausewein erwartet Boom für die Landeshauptstadt

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) erwartet für die Stadt nun einen wirtschaftlichen Boom. Die Freigabe der Strecke Berlin-München sei für Erfurt ein toller Tag. Damit rücke die Landeshauptstadt in die geografische Mitte Deutschlands. Die besten Jahre stünden Erfurt noch bevor, sagte Bausewein. Die Stadt treibt derzeit gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft die Erschließung der ICE-Cities voran. Im Frühjahr 2018 werde es den ersten Spatenstich für einen Hotelneubau in der ICE-City Ost geben. Zu Verzögerungen kommt es laut Bausewein allerdings noch bei der ICE-City West. Hier hätten ungeklärte Eigentumsverhältnisse für Probleme gesorgt.

Von München aus war ein zweiter Premieren-ICE nach Berlin unterwegs, der am Nachmittag parallel mit dem ersten Zug in den Berliner Hauptbahnhof einlief. Dort gab es einen Festakt, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wurde. Merkel sagte, die neue Schnellfahrstrecke sei "enorm leistungsfähig und konkurrenzfähig zu den Verkehrsträgern Flugzeug und Straße".

Ostthüringer CDU-Bundestagsabgeordneter boykottiert Premierenfahrt

Der Ostthüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Weiler äußerte sich hingegen kritisch zur neuen Streckenführung der Züge zwischen Berlin und München über Erfurt. Es freue ihn zwar, dass Menschen nun in vier Stunden mit der Bahn von München nach Berlin und umgedreht fahren können. Er habe die Premierenfahrt aber bewusst boykottiert, weil damit Ostthüringen vom Bahn-Fernverkehr abgekoppelt werde.  Jena, Saalfeld und Naumburg werden die schnellen Züge der Bahn künftig weitgehend links liegen lassen. Nur noch ein ICE-Zugpaar wird jeweils morgens und abends von Jena über Leipzig nach Berlin und Hamburg fahren. Die rot-rot-grüne Thüringer Landesregierung hat angekündigt, auf eigene Kosten zusätzliche Züge beauftragen zu wollen, damit Jena weiter an den Fernverkehr angebunden bleibt. 

Kritik auch von Verbänden und Vereinen

Kritik an der Neubaustrecke kam auch vom ökologischen Verkehrsclub VCD, der "eklatante Mängel beim Ausbau der Bahninfrastruktur" beklagte. Zwar bringe die Eröffnung der Strecke Vorteile, beim Neubau seien allerdings die Regionen unzureichend mitgedacht und gute regionale Verbindungen zur Schnellfahrstrecke außen vor gelassen worden. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelte Zeitverluste für Fahrgäste abseits der Metropolen. Verbandssprecher Lukas Iffländer sagte im SWR Aktuell, "für die großen Metropolen entlang dieser Linie bringt das durchaus was, aber gerade in den Regionen haben wir durchaus Probleme".

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) wies darauf hin, dass auf der Linie Berlin-München keine Fahrräder mehr mitgenommen werden, weil dort keine Intercitys (IC) mehr unterwegs seien. Der Wegfall von täglich drei IC bedeute im Sommerhalbjahr den Verlust von fast 7.000 Radstellplätzen. Die Allianz Pro Schiene lobte, mit der Fahrzeit von weniger als vier Stunden werde für Fahrgäste ein "psychologischer Schwellenwert" unterschritten. Ab sofort gebe es noch einen Grund weniger, um für Reisen innerhalb Deutschlands den Flieger zu nehmen. Die Bundesregierung sei jetzt gefordert, "unzeitgemäße Wettbewerbsvorteile des umweltschädlichen Flugverkehrs" abzuschaffen, damit Flieger und Bahn auch beim Preis in einen fairen Wettbewerb treten könnten.

Regulär fahren die ICE-Züge der Bahn ab Sonntag auf der neuen Strecke. Bisher brauchen die Züge für die 623 Kilometer zwischen Berlin und München rund sechs Stunden. Künftig sind es 3 Stunden 55 Minuten mit dem ICE-Sprinter, der nur in Halle, Erfurt und Nürnberg hält, sowie knapp viereinhalb Stunden mit normalem ICE.

Erfurt als neues Fernverkehrsdrehkreuz in Zahlen * 80 ICE-Züge halten täglich in der Landeshauptstadt
* jede Stunde fährt ein ICE in alle Himmelsrichtungen
* Fahrzeit nach Leipzig beträgt 45 Minuten
* Fahrzeit nach Nürnberg beträgt 1 Stunde 20 Minuten
* Fahrzeit nach Berlin beträgt 1 Stunde und 50 Minuten
* Fahrzeit nach München beträgt 2 Stunden 15 Minuten
* Die 623 Kilometer zwischen Berlin und München werden in 3 Stunden 55 Minuten zurückgelegt
* Mit 300 km/h fährt der ICE zwischen Erfurt und Nürnberg durch den Thüringer Wald
* 35 ICE-Züge fahren pro Tag auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Dezember 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2017, 09:05 Uhr

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8 Kommentare

09.12.2017 07:12 Pendler aus Jena 8

Ein Trauertag für Thüringen!!
Alle ICE halte des Bundeslandes nach Erfurt verlegt und Thüringen soll das feiern?? Warum?? Ich kann nur jedem raten der nicht in Erfurt wohnt: Verzichtet auf diese Züge! Es dauert länger, ist teurer und ICE -Anschlusszüge haben bei mir noch nie funktioniert.
Danke Thüringen, für den super schnellen Zug durch den Thüringer Wald, welcher keiner Thüringer Stadt außer Erfurt was nutzt!
(FAHRT AUTO)

08.12.2017 16:50 Petra Stein 7

Das ist mal eine gute Nachricht für Thüringen. Klassisch, dass hier kaum kommentiert wird - denn wer mag schon loben? Gute Nachrichten werden eher einfach so hingenommen. Natürlich ist diese Verbindung nicht das alleinige Verdienst der jetzigen Landesregierung, doch die Bahnpolitik des Ministerpräsidenten kann durchaus als "nachhaltig" bezeichnet werden.

@Catrin D, 2
Zumindest den Erfurtern bringt der Knotenpunkt mehr Arbeitsplätze, sofern hier wirklich mehr Tagungen etc. durchgeführt werden.

Außerdem sind schnellere Verbindungen nach Berlin, Frankfurt und München sehr gut. Wenn man, wie ich, viel pendelt, ist so ein ICE-Sprinter etwas ganz Feines. Es geht nicht mal um die 10/20 Minuten weniger Fahrzeit, sondern darum, dass dank der fehlenden Halte weniger Unruhe entsteht und man die Zeit gut zum Arbeiten oder Lesen nutzen kann. Das ist ein Stück Lebensqualität.

Ja, manchmal gibt es Verspätungen, die aber oft nicht an der Bahn selbst liegen. Per Auto gibt es dafür Staus.

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