Äsche in der Gera - Feldhamster
Haben sich offenbar inzwischen aus Erfurt-Marbach zurück gezogen: die Erdbaue von Feldhamstern wurden nur noch leer angetroffen (Symbolbild). Bildrechte: MDR/LOOKS Film & TV GmbH

Erfurt-Marbach Keine Hamster mehr auf der Baufläche für die Erfurter Moschee

In der Diskussion um den Moschee-Neubau in Erfurt spielte monatelang auch der Naturschutz eine Rolle. Nachdem Erdbaue seltener Feldhamster entdeckt worden waren, sollten die Tiere schonend umgesiedelt werden. Offenbar haben sie aber inzwischen selbst das Weite gesucht.

von Matthias Thüsing

Äsche in der Gera - Feldhamster
Haben sich offenbar inzwischen aus Erfurt-Marbach zurück gezogen: die Erdbaue von Feldhamstern wurden nur noch leer angetroffen (Symbolbild). Bildrechte: MDR/LOOKS Film & TV GmbH

Bis zu fünf Hamsterbaue hatte ein Gutachter im Frühling auf der Fläche identifiziert, wo demnächst die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde beten werden. "Allerdings war nicht klar, wie viele der Baue zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich bewohnt waren", so Wenke Erdt von der Stadtverwaltung Erfurt. Bis zum Spätsommer wurde den Tieren noch Frist gelassen - schließlich sollte den Nagern noch die Chance gegeben werden, ihre Jungen großzuziehen - dann rückten die Tierschützer mit Lebendfallen und Minibaggern an. Mit ihnen wurden die Bauten geöffnet. Die Bewohner waren allesamt ausgezogen.

Dabei standen die bis zu 35 Zentimeter großen Feldbewohner über Monate hinweg im Zentrum eines Streites zwischen örtlichen Naturschützern auf der einen sowie Naturschutzverbänden, Stadtverwaltung und Bauherren auf der anderen Seite. Denn Cricetus Cricetus, so der wissenschaftliche Name, gilt in Deutschland als akut gefährdete Tierart und die Wiesen im Westen von Erfurt als eine der wenigen Schwerpunktflächen in der Region, auf denen Feldhamster überhaupt noch heimisch sind.

BUND warnte vor Instrumentalisierung der Tiere

Nicht nur Marbacher Naturschützer argumentierten, dass der Schutz dieser Population Vorrang vor dem Bau der Moschee haben müsse. Stadtverwaltung und Bauherr versprachen, die Tiere hamsterschonend umsiedeln zu lassen und der Geschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Thüringens, Burkardt Vogel, warnte die lokalen Aktivisten davor, die Tierchen vor den Karren einer generellen Ablehnung des Bauvorhabens zu spannen. "Die Instrumentalisierung von Naturschutzargumenten zur Durchsetzung offensichtlich fremdenfeindlicher Interessen lehnen wir kategorisch ab", sagte Vogel vor rund einem Jahr.

Nun also ist die Fläche hamsterfrei. Es ist eine Situation, mit der letztlich sowohl echte Tierschützer als auch Gläubige gut leben können. Die Muslime können nun mit dem Bau ihres Gotteshauses beginnen. Und den umgesiedelten Hamstern bleibt noch Zeit genug, sich neue Quartiere ein paar hundert Meter weiter zu suchen. "Bis zum Winterbeginn bleibt den Tieren trotzdem noch genug Zeit, die überlebensnotwendigen Nahrungsvorräte anzulegen", so Wenke Erdt.

Bliebe noch das Problem mit der Wiese selbst. Um eine denkbare Rückkehr der Hamster im Bereich der Baustelle zu verhindern, haben Mitarbeiter der von der Ahmadiyya-Gemeinde beauftragen Baufirma die oberste Erdschicht im gesamten späteren Baubereich abgetragen. Ohne Deckung und Nahrungsvorkommen ist die Fläche nun selbst für einen Junghamster auf Wohnungssuche gänzlich uninteressant.

Auf einem Gelände steht ein Bagger, davor liegen mehrere Haufen Bauschutt
Die Bagger haben auf dem Baugrund ganze Arbeit geleistet. Hier wird sich wohl kein Feldhamster mehr ansiedeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 11:55 Uhr

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11 Kommentare

23.09.2018 11:13 part 11

Für Hamster zählt immer das Futterangebot. Eine abgemähte Wiese mit Hundehaufen oder der zu weite Weg zum Getreidesilo hinterlassen da schon ihre Wirkung. Auch das sinnlose Einschlagen von Holzkreuzen oder Herumkrakelen von Protestierern wirkt sich immer negativ aus für bestimmte Erdhölenbewohner. Nebenan auf den Gartenflächen neben der Feuerwehr wartet dagegen ein reichhaltiges Nahrungsangebot von Saatpflanzen.

22.09.2018 22:06 Lyriklümmel 10

"Nun also ist die Fläche hamsterfrei."

Die Hamster sind vermutlich geflüchtet.

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