Erfurt | Stuttgart Insolvenzverfahren für Buchgroßhändler KNV eröffnet

Das Amtsgericht in Stuttgart hat das Insolvenzverfahren für die KNV-Buchlogistiker in Erfurt eröffnet. Damit bezahlt KNV Löhne und Gehälter wieder selbst. Grund für die finanzielle Schieflage waren im Februar geplatzte Verhandlungen mit einem Investor. Gleich danach hatte die KNV-Unternehmensgruppe Insolvenz beantragt. Dazu hatte Insolvenzverwalter Tobias Wahl Gutachten zu den jeweiligen insolventen Unternehmen - auch für die Buchlogistiker in Erfurt - beim zuständigen Amtsgericht Stuttgart eingereicht. Ziel sei es, einen Investor für die KNV-Gruppe zu finden und sie weiterhin fortzuführen.

Verfahren langwierig

Blick ins Logistikzentrum von KNV in Erfurt.
Noch sieht die Gewerkschaft nicht alle Arbeitsplätze bei KNV gesichert. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Die Gespräche dazu laufen. Sie werden als "streng vertraulich" eingestuft. Der Insolvenzverwalter wollte sich weder über eine etwaige Dauer der Investorensuche, noch über die Zahl der Interessenten oder deren Namen äußern. Am 7. Mai will Wahl die Mitarbeiter in Erfurt über den aktuellen Stand informieren. Der Kaufpreis eines Investors würde in die Masse der Insolvenzverfahren fließen, aus der dann später die Gläubiger befriedigt werden. Bis das Verfahren endgültig beendet und die Bücher geschlossen werden, können Jahre vergehen.

Menschenunwürdige Arbeitszeiten

Verdi-Gewerkschaftssekretär Ronny Streich sieht die Arbeitsplätze noch nicht gesichert. MDR THÜRINGEN sagte Streich, er wünsche sich für die Mitarbeiter geregelte Arbeitszeiten. Diese bezeichnete er als menschenunwürdig, weil es für die Angestellten keine Planbarkeit gäbe. Laut Verdi-Sprecher wird der Beginn der Arbeit oft erst einen Tag vorher mitgeteilt. Wie lange es dann geht, hänge vom Auftragsbestand ab. Streich wünscht sich für die rund eintausend Erfurter KNV-Mitarbeiter einen Tarifvertrag der Großhandelsbranche. Das würde ihnen laut Gewerkschaft einen Stundenlohn von zwölf bis 13 Euro sichern - statt der bisher gezahlten etwa zehn Euro.

Die KNV-Gruppe ist als Logistiker das Bindeglied zwischen den Verlagen und dem Bucheinzelhandel. Der Logistiker beliefert von Erfurt aus rund 5.600 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Büchern, aber auch mit Spielen, CDs und DVDs. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 02. Mai 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 08:01 Uhr

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1 Kommentar

02.05.2019 16:33 Mitleser 1

mit 12-13 euro wäre die arbeit komplett überbezahlt. soviel verdienen nicht viele leute in thüringen als facharbeiter. man muss meist nur mit dem mde scannen und sachen ein- bzw. auslagern. das kann jeder ohne schulabschluss. solch ein unternehmen könnte solchen lohnkosten bei so vielen mitarbitern gar nicht generieren, erst recht nicht in der aktuellen situation. die arbeitszeiten sind hier auch alles andere als unwürdig. es gibt früh- und spätschicht im wechsel. man ist froh, wenn man überhaupt auf seine 8 stunden kommt. in anderen branchen muss man nachts und am kompletten wochenende arbeiten. die buchbranche ist im abwärtstrend. damit lässt ich langfristig nicht viel geld verdienen. da muss schon ein verdammt starker investor kommen bei diesem riesigen schuldenberg. und wenn der kommt, wird mit ziemlicher sicherheit erstmal radikal am personal gespart.

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