Pläne vorgestellt Schaufenster der Geschichte - ein Landesmuseum für Thüringen

Auf dem Erfurter Petersberg soll in den nächsten zehn Jahren ein Landesmuseum entstehen. Der Zeitplan ist knapp. Doch die BUGA 2021 in Erfurt könnte zum Motor für die weitere Entwicklung des Landesmuseums werden.

MDR THÜRINGEN-Reporter Torsten Unger
Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

von Torsten Unger

Ein Bagger steht vor der Defensionskaserne in Erfurt
Für die BUGA 2021 wird derzeit vor der Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg gearbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bodo Ramelow ist das Thema so wichtig, dass er es offenbar keinem Fachminister überlassen will. Er selbst stellte am Mittwoch die Pläne für das neue Haus vor. Gemeint ist ein Landesmuseum, das Geschichte und Archäologie Thüringens umfassend präsentiert. Entsprechend gediegen ist auch der Zeitplan bis zur Eröffnung. Auf dem Erfurter Petersberg soll in den nächsten zehn Jahren ein solches museales Selbstporträt Thüringens entstehen.

Allein das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ist Hüterin von fünf Millionen Objekten, jährlich kommt ein Zuwachs in sechsstelliger Höhe hinzu. Thüringen brauche dringend ein Landesmuseum, so der Ministerpräsident. Denn im Unterschied zu allen anderen Bundesländern habe Thüringen bislang keine solche Selbstdarstellung. "Das, was wir wollen", so Bodo Ramelow, "ist, uns aufzumachen, endlich eine landesmuseale Präsentation des ganzen Landes Thüringen, der gesamten Geschichte, der gesamten Breite." Schauplatz ist der Erfurter Petersberg mit der Peterskirche, einer ehemals dreischiffigen Basilika, mit dem Sitz des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und der Stasi-Unterlagenbehörde. Mehr Geschichte auf so engem Raum geht fast gar nicht.

Defensionskaserne auf dem Petersberg in Erfurt.
Das Gebäude der Defensionskaserne gleicht noch einer Ruine. (Archivfoto) Bildrechte: MDR

BUGA 2021 könnte Motor zur Weiterentwicklung des Museums sein

Ein weiterer Anziehungspunkt kommt aber noch hinzu, wenn der Petersberg in zwei Jahren ein Standort der Bundesgartenschau sein wird. Dann sollen Teile der ehemaligen Defensionskaserne, wo das Landesmuseum einmal einziehen soll, bereits für Besucher zugänglich sein. Die BUGA 2021 in Erfurt könnte somit zum Motor für die weitere Entwicklung des Landesmuseums sein. Doch selbst bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Auch sind die Vorstellungen, was das Haus einmal zeigen will, woher die Objekte kommen und das Geld für ein solches Haus, sehr vage. Entsprechende Nachfragen konnten auf der Pressekonferenz mit Verweis auf den langen Vorbereitungs- und Planungszeitraum nicht präzise beantwortet werden.

Eröffnung für 2029 avisiert

Einen glücklichen Verlauf vorausgesetzt, kann das Museum 2029 eröffnet werden. Im nächsten Jahr muss das Vorhaben durch den Landtag, und erst danach kann ein Ausstellungskonzept erarbeitet werden. Einbezogen in die Planungen ist der gesamte Petersberg einschließlich der Peterskirche. Bodo Ramelow: "Es geht uns nicht darum, zu sagen, wir wollen etwas wie ein Disneyland wieder herstellen, sondern wir wollen diesen Geschichtsort anreichern, weil wir hier oben Landesgeschichte erzählen wollen." Was einleuchtend und überzeugend klingt, ist tatsächlich aber hochemotional, weil Museen in anderen Städten, wie zum Beispiel Weimar, fürchten, Teile ihrer Bestände könnten künftig in Erfurt zu sehen sein.

Vor allem das "Museum für Ur-und Frühgeschichte" in Weimar bangt um Teile seiner Bestände. Bodo Ramelow beschwichtigte die Fragesteller mit dem Hinweis, das neue Landesmuseum sei vielmehr als "Anlaufpunkt" geplant, um hier Anregungen für weitere Museumsbesuche in anderen Thüringer Häusern zu bekommen. Das Landesmuseum solle eine "Schaufensterfunktion" haben. Wie das ohne Spitzenobjekte gehen kann, blieb allerdings offen. Immerhin ist vorgesehen, auf viertausend Quadratmetern die komplette Landesgeschichte zu präsentieren.

100.000 Besucher pro Jahr

Die Konzepte zur Präsentation sind ehrgeizig, man rechnet mit einhunderttausend Besuchern im Jahr. Der Zugang zur Geschichte solle nicht nur über inhaltliche Themen erreicht werden. Die Planer können sich auch einen "Escape-Room" mit geschichtlichen Hintergrund vorstellen sowie kindgerechte Pfade und einen Indoor-Spielplatz. Was dann aber doch ein wenig wie Disneyland klingt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. September 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 19:42 Uhr

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