Vom Landtag beschlossen Weltkindertag in Thüringen ab sofort neuer Feiertag

Der 20. September, der Weltkindertag, ist in Thüringen ab diesem Jahr ein Feiertag. Das hat der Thüringer Landtag am Donnerstagmittag mit den Stimmen der rot-rot-grünen Regierungsfraktionen beschlossen. Die Opposition von CDU und AfD stimmte gegen den Gesetzentwurf.

Kinder liegen im Gras
Mehr Zeit für Kinder und Familien: Thüringen hat einen neuen Feiertag. Bildrechte: Colourbox

Der Feiertag macht Thüringen familien- und kinderfreundlicher, hieß es von Vertretern von Rot-Rot-Grün. Die Familien hätten mehr Zeit für sich selbst und ihre Kinder. Die Thüringer haben nach Ansicht von Linken, SPD und Grünen diesen zusätzlichen Feiertag auch verdient. So würden die Beschäftigten im Freistaat pro Jahr über elf Millionen unbezahlte Überstunden leisten. Daher seien auch die Mehrkosten zu verantworten, die der Wirtschaft durch einen zusätzlichen Feiertag entstünden, hieß es. Die CDU-Fraktion wies dagegen darauf hin, dass in Thüringen schon jetzt Facharbeiter fehlen würden. Ein zusätzlicher Feiertag sorge in den Unternehmen für mehr Druck und Stress. Zudem müssten die Betriebe wegen des Feiertags Mehrkosten von rund 70 Millionen Euro schultern. Nach Ansicht der AfD ist der Kinder-Feiertag überflüssig. Damit werde das Problem der Überstunden nicht gelöst.

Am 20. September ist der Jahrestag des Beschlusses der Vereinten Nationen über die Kinderrechtskonvention von 1989. Thüringen liegt mit elf Feiertagen jetzt im bundesweiten Durchschnitt. In den vergangenen Monaten hatten bereits mehrere Bundesländer neue Feiertage eingeführt. So entschieden sich Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg für den Reformationstag am 31. Oktober. In Berlin ist seit diesem Jahr der Frauentag am 8. März gesetzlicher Feiertag.

Gesetzliche Feiertage in Thüringen: Neujahr (1. Januar),
Karfreitag,
Ostermontag,
1. Mai,
Christi Himmelfahrt,
Pfingstmontag,
Weltkindertag (20. September),
Tag der Einheit (3. Oktober),
Reformationstag (31. Oktober),
1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember),
2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember) Quelle: dpa

Reaktionen Pro und Kontra

Die ersten Reaktionen gaben ein geteiltes Echo. Kinder und ihre Rechte würden stärker in den Fokus der Gesellschaft gerückt, sagte die Vorsitzende der Landeselternvertretung Kindertagesstätten, Ulrike Grosse-Röthig. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels sollte die Politik die Bedürfnisse von Kindern und Familien immer mitdenken. Kritik kam erneut von der Wirtschaft. Der Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT) bezeichnete den Feiertag als unangemessen. Er sei nicht nur teuer, sondern auch unnötig, sagte VWT-Hauptgeschäftsführer Stephan Fauth. Thüringen gehe außerdem einen Sonderweg, der im Kontext mit anderen Bundesländern nicht hilfreich sei. Die Industrie- und Handelskammer Erfurt befürchtete einen Produktionsausfall von rund 70 Millionen Euro thüringenweit.

Das sagen unsere User

Lebhaft diskutiert wird der künftige Feiertag auch von unseren Usern. Zum Facebook-Posting mit diesem Artikel gingen innerhalb der ersten Stunde rund 100 Kommentare ein - von "Kümmert Euch lieber um eine vernünftige Schulbildung" bis zu "Jippi, da kann ich jetzt beruhigt jedes Jahr zu meinem Geburtstag feiern und den nächsten Tag schlafen".

Kommentatoren auf der Webseite kritisierten mehrfach, dass Thüringen damit einen Alleingang unternehme. User "Erst denken, dann Handeln" (Kommentar 4) schrieb, dass der Tag nur für zwei von 82 Millionen Einwohnern gelte und diejenigen Thüringer, die zur Arbeit in andere Bundesländer pendeln, nichts davon hätten. User "Sebastian" (37): "Es soll sogar Unternehmen geben, die arbeiten überregional. Die können mit bundesuneinheitlichen Feiertagen herzlich wenig anfangen, außer eine Debatte zu führen, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 6. Januar, 8. März, 20. Juni, am 8. August (Lokaler Feiertag in Augsburg), 15. August, 31. Oktober, 1. November und 20. November benachteiligt werden."
"Nelly"(61) fragt: "wer nimmt die Kinder der Krankenschwestern, Pfleger, Polizisten usw. in Obhut, während ihre Mamas und Papas an dem neu geschaffenen Feiertag arbeiten müssen und den Tag nicht mit ihren Kindern genießen können?"
"Mathotaupa" (9) sah es ähnlich und kritisierte den Feiertag als "blanken Populismus und Wahlkampfgeschenk". Zustimmung kam von "Karin" (3), die aber wie etliche andere User den 1. Juni wegen seiner Tradition bevorzugt hätte: "Ich finde diesen Feiertag für unsere Kinder und Enkel eine sehr schöne Geste! Danke!" Pauli (39) meinte: "Gute Geste", Kinder und Familie seien wichtiger als Geld und Wachstum.

Beschlossene Sache: Mehr Geld für Schulsozialarbeit

Darüber hinaus beschloss der Landtag mit den Stimmen von Rot-Rot-Grün, die Kinder und Jugendlichen mit mehr Geld zu fördern. Unter anderem soll mehr Geld für die Schulsozialarbeit bereitgestellt werden. Auch sollen Kinder und Jugendliche in den Kommunen mehr Mitbestimmungsrechte bekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 28. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 20:23 Uhr

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103 Kommentare

02.03.2019 17:57 Albrecht 103

nichts gegen Kinder aber der 1. Juni sollte der Kindertag bleiben und an diesem Tag sollten alle kulturellen Einrichtungen für Kinder kostenlos sein, das wäre für alle gerecht und mal ehrlich die RRG Regierung hofft auf Wählerstimmen und das genau ist ein falsches Signal, Frau Taubert sitzt auf Millionen und sollte das Geld für Eintrittskosten bereit stellen, bis zu welchem Alter sind es denn Kinder ? das läßt sich doch einfach festlegen, und wenn der Feiertag steht, dann kommt doch sofort die Frage nach verlängertem Wochenende und wer soll das alles bezahlen, RRG muß weg

02.03.2019 12:28 Ulrike 102

Im September in Thüringen ein arbeis- und schulfreier Tag, wie jeder andere Sonn- und Feiertag. Auch die Kindergärten haben an diesem Tag sicher geschlossen.

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