Coronazeiten Fast leere Bus-Touren um Erfurt

Der öffentliche Nahverkehr in Erfurt erlebt nach dem Höhenflug im Vorjahr einen Absturz: In Bussen und Straßenbahnen bleiben die Fahrgäste in Coronazeiten aus. Eine Busfahrt kann zum entspannten Ausflug werden.

Mann von der Seite, am Steuer eines Busses
Busfahrer Kai Kuntze Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einmal Marbach und zurück! Die Linie 90 der Evag in Erfurt ist normalerweise immer voll. Morgens die Schüler, vormittags die Rentner, nachmittags Berufstätige. Mindestens zwei von diesen drei Fahrgastgruppen fallen jetzt fast weg: Die Schule fällt aus und viele arbeiten im Homeoffice. Bleiben noch die Rentner. Und ja, das sind die einzigen anderen Fahrgäste, die am Donnerstag mit mir vom Domplatz bis nach Marbach fahren. Meistens kommen sie vom Markt, sagt Busfahrer Kai Kreuzer.

Freie Platzwahl

Die wenigen Fahrgäste verteilen sich lose auf den Bus. Freie Platzwahl. Niemand muss stehen oder auf den Klappsitzen Platz nehmen. Schon nach wenigen Stationen steigen die ersten Fahrgäste aus und bald ist der Bus so gut wie leer. Eine Fahrt mit der Linie 90 lohnt sich. Besonders jetzt im Frühling. Wer nach Marbach noch sitzen bleibt, fährt nach Salomonsborn. Zwischen den beiden Orten geht die Fahrt durch herrliche Apfelbaumplantagen, die jetzt gerade in voller Blüte stehen. Die Sonne scheint durch die Fenster und es fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an. Urlaub inmitten der Coronakrise und das für nur 2,10 Euro!

Entspannte Fahrt auch für Busfahrer

Busfahrer Kai Kreuzer genießt die Fahrt vorne auf dem Fahrersitz. Mehrmals hintereinander fährt er die Runde. Normalerweise fährt die Linie zweimal, in Stoßzeiten sogar dreimal pro Stunde. "Wenn die Schüler morgens mitfahren, fällt hier keiner mehr um!", sagt er und lenkt den Bus zurück nach Marbach. Die Linie 90 gehört in normalen Zeiten zu einer der gut genutzten Stadtlinien.

Für den Sicherheitsabstand große Gelenkbusse

Wegen des massiven Rückgangs an Fahrgästen, sind nur noch etwas die Hälfte aller Busse unterwegs. Rund eine Million Fahrgäste hat die Evag im ersten Quartal des Jahres 2020 im Vergleich zum Vorjahr verloren. Statt der sogenannten Solo-Busse fahren nun hauptsächlich die größeren Gelenkbusse auf den Linien. So können sich die Fahrgäste besser verteilen und Abstand zueinander halten.

Blick in einen Bus über leere Sitzreihen
Viel Platz wo sonst Stehplätze kaum reichen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Linie 90 muss ich mir um Abstand heute wirklich keine Gedanken machen. Hier hat jeder genug Platz zum Atmen. Mit Blick auf die Apfelblüten und begleitet vom sonoren Brummen des Busmotors denke ich ohnehin kaum an Corona. Hinter den Obstplantagen taucht das Panorama von Erfurt auf, und ich bedauere fast, dass die Fahrt gleich vorbei ist. Aber es gibt ja noch andere schöne Buslinien. Die Linie 155 nach Hohenfelden könnte auch ein guter, beschaulicher Ausflug sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Anmerkung der Redaktion: Wir haben dem Busfahrer irrtümlich einen falschen Namen gegeben, und es korrigiert. Dafür Entschuldigung. Außerdem gilt der genannte Fahrpreis selbstverständlich nur für eine Fahrtrichtung.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. April 2020 | 15:40 Uhr

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