Stadtentwicklung Erfurt sucht Perspektive für leerstehende Gebäude

Weimar hat sein Haus der Frau von Stein, Gera das Stammhaus von Hertie auf der Sorge. Die Liste der leerstehenden Gebäude ist trotz Immobilienboom immer noch lang. Die Stadt Erfurt verwaltet aktuell 25 leerstehende Gebäude.

Stadtgarten von außen
Seit Silvester 2018 steht der Stadtgarten leer. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

"Die Zahl ist in all den Jahren nahezu konstant geblieben", sagt Arne Ott, stellvertretender Abteilungsleiter im Amt für Grundstücks- und Gebäudeverwaltung MDR THÜRINGEN. Nur das Portfolio hat sich etwas geändert. Waren es vor Jahren noch die großen Fabrikhallen, Lagerräume oder Kontore sind es heute marode Wohngebäude, das eine oder andere Kulturobjekt und auch Schulen.

Kulturgenossenschaft für Schauspielhaus

Zu den "berühmten" Leerständen in Erfurt gehört das alte Schauspielhaus und der Stadtgarten. 2002 war das Schauspielhaus geschlossen worden. Seit dem steht es leer, wird seit fünf Jahren temporär wieder bespielt, auch wenn es noch nicht saniert ist. Thüringens erste Kulturgenossenschaft hat sich seiner angenommen. Die Stadt hat das Ensemble der Kulturgenossenschaft überlassen. Die sammelt durch den Verkauf von Genossenschaftsanteilen gerade eine Million Euro Startkapital, um das Schauspielhaus für fünf Millionen Euro mit Krediten sanieren zu können. Die Kulturgenossenschaft plant, das Ensemble zum Marktwert zu kaufen. Das Haus hat eine Perspektive.

Ungewisse Zukunft für Stadtgarten

Für den seit zwei Jahren leerstehenden Stadtgarten sind die Träume vom schnellen Weiterbetrieb geplatzt. Zwei potentielle Betreiber sind abgesprungen. Der Investitionsaufwand war ihnen zu hoch. Der Stadtgarten ist noch am Netz, noch gibt es Strom und Wasser, wenn es denn der Hausmeister anschaltet. "Wie es weiter geht, ist noch nicht entschieden.

Saal Stadtgarten
Der Stadtgarten von innen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Man wird sich mit dem Kulturausschuss, Beigeordneten für Stadtentwicklung, unserem Amt und vielleicht auch nochmal mit dem Stadtrat zusammensetzen", Ott. Es gebe genügend Ideen, auch für eine zeitweilige Bewirtschaftung des Außengeländes. Doch rund um den Stadtgarten wohnen Menschen und da ist in Sachen Lärmschutz einiges zu beachten.

Das letzte große Fabrikgebäude in städtischer Hand war das Gebäude in der Hugo-John-Straße, sagt Ott. Das Industriegebäude wurde im Jahr 1958 im Auftrag des Konsum-Bezirksverband Erfurt als GHG Haushaltwaren-Großhandelsgesellschaft der DDR errichtet. Heute ist das "Kontor" ein Ort für Kreative.

Leere Schule in Melchendorf soll saniert werden

In Melchendorf, im Erfurter Süd-Osten, steht eine Schule leer. Sie ist, sagt Ott, nahezu wöchentlich Tatort. Da werde versucht einzubrechen, auch Feuer sei bereits gelegt worden. Die längst eingeschlagenenen Fenster in Parterre sind mit Blechen vergittert.

Leere Schule Melchendorf von außen
Das leere Schulgebäude ist ein Magnet für Vandalismus. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Manchmal irrt der Mensch eben auch, meint Ott. Vor zehn Jahren noch wurde Erfurt ein deutlicher Einwohnerschwund prognostiziert. Die Schülerzahlen gingen zurück. Also wurden auch Schulen geschlossen. Heute werden sie wieder gebraucht. Die Schule in Melchendorf, die momentan eher einer Gruselkulisse denn einer Schule gleicht, soll saniert werden. Mit der Planung soll in diesem Jahr begonnen werden. Sanierungskosten: geschätzt vier Millionen Euro. Die Schule mitten im Wohngebiet soll zum Ausweichobjekt für andere Schulen werden, die leergezogen werden, weil auch sie saniert werden müssen.

Kulturbahnhof "Zughafen steht zum Teil leer

Seit einem Jahr gehört auch der Kulturbahnhof "Zughafen" der Stadt. Ein Teil ist vermietet, ein Teil steht leer. Mit den Mietern gibt es Verträge, aber der große Gebäudekomplex müsse ja auch erhalten werden und die Auflagen für Brandschutz etc. müssten erfüllt werden, sagt der stellvertetende Abteilungsleiter der Gebäudeverwaltung.

Der "Zughafen" in Erfurt - Gebäudeansicht frontal
Der "Zughafen" steht teilweise leer. Bildrechte: Matthias Eckert

Solange die Objekte noch in Betrieb sind gilt noch die alte Betriebserlaubnis. Stehen sie leer, erlischt die Betriebserlaubnis. Ans Netz kann das Haus dann erst wieder, wenn alle Auflagen erfüllt sind. Das ziehe oft einen großen Investitionsbedarf nach sich, so Ott.

Schwer vermittelbare Gebäude

Zu den Leerständen, die nur eine kurze Episode im Leben der Gebäudeverwalter sind, gehören Villen, wie die in der Espachstraße. In ihr war der Kindergarten "Dreikäsehoch" untergebracht. Vor fünf Jahren musste die Kita auf Stadtratsbeschluss ausziehen. Die chice, wenn auch sanierungsbedürftige, Villa in Stadtnähe fand schnell einen neuen Besitzer. Andere leere Gebäude gelten als schwer vermittelbar. "Das ehemalige Luft- und Sonnenbad in der Arnstädter Hohle oder die Alte Ziegelei in Gispersleben, die schleppen wir Jahr für Jahr mit. Inzwischen sind das nur noch Ruinen", so Ott.

Manchmal wird ein Geisterhaus auch zur Filmkulisse. Im ehemaligen Kinder- und Jugendheim am Drosselberg wird "Schloss Einstein" gedreht. Die Saxonia Media Filmproduktion hat das Haus angemietet. Der Bebauungsplan sehe keine andere Nutzung vor, als das Haus als Kinder- und Jugendheim zu vermakeln. "Eher schwierig". Langfristig werde es abgerissen, sagt Ott. Die Zwischennutzung durch die Filmfirma sei ein Glücksfall. Das Haus ist noch in gutem Zustand.

Fünf Hausmeister kümmern sich um leerstehende Gebäude

Die meisten leerstehenden Gebäude in städtischer Hand sind vom Netz genommen. "Wir fahren sie auf Sparflamme, damit nicht noch Kosten für Wasser und Strom anfallen", sagt der Gebäudeverwalter. Fünf Hausmeister kümmern sich in Erfurt um die Leerstände. "Wir müssen die Gebäude sichern, als Betreiber sind wir da in der Pflicht.

Das größte Risiko besteht darin, dass jemand unbefugt auf das Gelände gelangt, dort stürzt und vielleicht nicht gefunden wird", sagt Ott. Die Hausmeister gucken, dass keiner in den leeren Gebäuden sein Nachtquartier aufschlägt, dass sich kein Unziefer wie Ratten oder ähnliches ausbreitet.

Auch das Gelände muss grob gepflegt werden, damit es nicht allzu schlimm zuwuchert. Es gebe viele Vandalismusschäden, oft müssten mit Lochblechen Fenster und Türen gesichert werden. Im Jahr wendet die Stadt Erfurt rund 30.000 Euro für die Notsicherung ihrer Leerstände auf.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit des Tages | 15. März 2020 | 18:00 Uhr

4 Kommentare

Lucas vor 44 Wochen

...mir kann doch Keiner sagen, daß es für viele Objekte keine Vorstellungen gibt. Da muß man sich eben, mit der Bevölkerung, einmal zusammensetzen. ...

MDR-Team vor 44 Wochen

Hallo Kulturfreundin,
der eine Euro war der symbolische Preis bei der Stadtratsentscheidung, damit das Schauspielhaus der Kulturgenossenschaft überlassen werden konnte. Das sollte dazu dienen, dass sie den Kaufpreis von einer Million Euro per Genossenschaftsanteile sammeln kann – um dann einen Kredit aufzunehmen.

Kulturfreundin vor 44 Wochen

Ein Königreich für korrekte Recherche: Die Stadt Erfurt verschenkt das alte Schauspielhaus NICHT!!!! für 1 Euro, sondern ruft dafür ca. ne MILLION und mehr auf. Also nur gaaanz kleiner Unterschied im Betrag - so eine Berichterstattung schadet dem Projekt:-(((((((((((((((((((((((((((

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