Graffiti in Erfurt
Max Kosta ist professioneller Graffiti-Sprayer. Er nutzt eine der wenigen legalen Wände in Erfurt. Bildrechte: MDR/Johanne Bischoff

Stadt Erfurt lud Künstler zum Dialog Mehr legale Graffiti-Flächen versprochen

Mehr Platz zum Austoben und weniger Schmierereien in Erfurt. Das war Ziel eines Treffens von Sprayern und der Stadtverwaltung am Dienstag. Bis zur Bundesgartenschau 2021 soll es weniger illegale Tags geben.

von Johanne Bischoff

Graffiti in Erfurt
Max Kosta ist professioneller Graffiti-Sprayer. Er nutzt eine der wenigen legalen Wände in Erfurt. Bildrechte: MDR/Johanne Bischoff

Für viele sind Graffiti ein absolutes Ärgernis. Vor allem, wenn das eigene Haus besprüht wurde oder zum Beispiel aufwändig restaurierte Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden. Die einen sehen ihr Hab und Gut in Gefahr, für die anderen ist es das Gefühl künstlerischer Freiheit.

Graffiti
Eine Auftragsproduktion an einer Erfurter Fassade. Bildrechte: MDR/Johanne Bischoff

In Erfurt hat darum ein Graffiti-Kongress stattgefunden. Akteure aus der Stadtpolitik, Justiz, Immobilienbranche und der freien Kunstszene haben sich mehrere Stunden zusammengefunden und versucht konstruktive Strategien zu entwickeln. „Es geht darum die Perspektive zu wechseln und sich die zugrunde liegenden Motive näher zu bringen“, sagt Dietmar Schwerdt, Kulturlotse der Stadt Erfurt. Er soll als Bindeglied zwischen freier Szene in Erfurt und der Stadt fungieren. Die Szene selbst versteht sich als Subkultur. Die Werke als Kunst. Max Kosta kann inzwischen davon  leben. Der 29-Jährige nimmt Auftragsarbeiten entgegen, ist ein professioneller Graffiti-Künstler. In Eisenach hat er außerdem einen Laden, in dem er Spraydosen verkauft: „Am Ende bin ich mein bester Kunde, denn meine Auftragsbücher sind voll, da brauche ich viele Dosen“, lacht er. Regelmäßig  kommen die Aufträge von denen, die unter den Schmierereien gelitten haben: Stadtwerke zum Beispiel bestellen Sprayer um Trafo-Häuschen und Stromkästen prophylaktisch besprühen zu lassen. In der Theorie sind künstlerisch gestaltete Flächen eine Möglichkeit, sich vor unerwünschten Graffitis zu schützen. Wobei sie natürlich keine Garantie böten, verschont zu bleiben.

Die Zahl der illegalen Schmierereien ist von 2015 auf 2016 um fast ein Drittel gestiegen

Aktuell  wächst die Anzahl illegaler Tags, also einfacher Schriftzüge, im gesamten Stadtgebiet. Das wird auch in Erfurt immer mehr zum Problem. Das Kürzel „ACAB“  zum Beispiel steht für die Polizisten-Beleidigung „All Cops are Bastards“ und findet sich jeden laufenden Meter in der Stadt wieder. Dass ein spezieller Schriftzug – oder Tag wie die Sprayer sagen – in so kurzer Zeit so über eine Stadt hinwegschwappt, komme vor. Wer der Urheber sei und ob das massive Auftreten politisch motiviert sei, ist aber auch beim Kongress allen unklar.

Graffiti in Erfurt
Triste Ecken bekommen durch kreative Graffitis einen ganz eigenen Anstrich. Der Schriftzug "ACAB" ist aber illegal und eine Beleidigung. Bildrechte: MDR/Johanne Bischoff

Die Polizei setzt auf Strafverfolgung wegen Sachbeschädigung und drängt auf schnelles Entfernen der Schmierereien, sagt der Leiter der Landespolizeidirektion Jürgen Loyen. Das frustriere illegale Sprayer am meisten und habe eine nachhaltige Wirkung. Der oder die ACAB-Tagger haben sich so massiv verewigt, dass das gar nicht so einfach zu sein scheint. In Erfurt haben Graffiti-Wütige bisher zudem nur sehr überschaubare Möglichkeiten, sich künstlerisch, legal zu entfalten. Es gibt nur sehr wenige Wände, an denen es erlaubt ist, zu sprayen. An einigen Orten wird es geduldet, wie lange diese dafür zur Verfügung stehen, ist aber unklar.

Stadt wirbt bei Hauseigentümern für legale Graffiti-Flächen

Für Max Kosta wäre es wünschenswert, dass die Akzeptanz der Straßenkunst innerhalb der Gesellschaft wächst. Ein Kongress wie dieser kann ein Anfang sein. Mehr Flächen, die zur Verfügung stehen, seien geplant, bestätigt Kulturlotse Schwerdt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2018, 12:19 Uhr

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5 Kommentare

16.03.2018 10:56 martin 5

@4 Erfurter Patriot: *Applaus* Ihre Antwort ist die richtige Reaktion auf die Stellungnahme von Herrn Loyen!

So ärgerlich das Beschmieren (vor allem mit den in der Regel küstlerisch nicht wertvollen Tags) ist, die Thüringer Polizei sollte sich verschärft um andere Probleme kümmern.

15.03.2018 21:11 Erfurter Patriot 4

Graffitis, also bunt besprühte Flächen, stellen eine große kriminelle Gefahr dar, besonders im Dunkeln: Bunte Wände überfallen nämlich wehrlose Bürger! Wussten Sie das noch nicht! Sprühfarbe raubt wehrlose Bürger aus!
Im Gegensatz dazu sind das organisierte Verbrechen und die verschiedenen Mafias, die sich seit Jahrzehnten unter CDU-Regierung in Thüringen breit machen durften, völlig harmlos und bei uns gern gesehene Gäste.
Aber an bunten Wänden und besprühtem Beton wird Erfurt noch zugrunde gehen!
Es gibt keine wichtigere Sau als Graffitis, um sie durch die Stadt zu treiben und sich damit sein politisches Süppchen zu kochen.

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