Doreen Thea Kneisel, Leiterin der freien Friedrich-Adolf-Richter-Schule Rudolstadt, arbeitet am Computer.
Sie hat eine dienstliche E-Mail-Adresse - weil sie eine freie Schule leitet, die nicht vom Staat getragen wird: Thea Kneisel, Direktorin der Friedrich-Adolf-Richter-Schule Rudolstadt, arbeitet am Computer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schule und Digitalisierung Warum die Lehrer-Mail nicht vom Landesserver kommt

Auch die Schulen werden digital - doch ausgerechnet bei einem eher simplen Teilaspekt lässt sich Thüringen Zeit: Die 20.000 Lehrer des Landes bekommen allenfalls "mittelfristig" dienstliche E-Mail-Adressen.

von Sebastian Großert

Doreen Thea Kneisel, Leiterin der freien Friedrich-Adolf-Richter-Schule Rudolstadt, arbeitet am Computer.
Sie hat eine dienstliche E-Mail-Adresse - weil sie eine freie Schule leitet, die nicht vom Staat getragen wird: Thea Kneisel, Direktorin der Friedrich-Adolf-Richter-Schule Rudolstadt, arbeitet am Computer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die jüngste E-Mail von der Klassenlehrerin meiner Tochter ist gerade vier Tage alt. Es ging um die laufende Woche und - natürlich - um Schulisches: Dass am Mittwoch eine Vorlesung in der Kinder-Uni ansteht und am Donnerstag ein Test. So wie mir geht es wohl den meisten Eltern schulpflichtiger Kinder in Thüringen: Die Kommunikation mit den Lehrern läuft weitgehend digital.

Nur wenige Lehrer haben dienstliche E-Mail-Konten

Sebastian Großert, Onlineredakteur MDR THÜRINGEN
Der Autor Sebastian Großert ist Onlineredakteur bei MDR THÜRINGEN. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Lehrer nutzen dafür aber kein dienstliches E-Mail-Konto, sondern kommerzielle E-Mail-Anbieter. Die meisten Pädagogen können nicht anders. 47 Jahre nach dem Versand der weltweit ersten E-Mail durch den amerikanischen Informatiker Raymond Samuel Tomlinson haben nur wenige Thüringer Lehrer im Landesdienst eine dienstliche E-Mail-Adresse. Und die hat ihnen nicht etwa das Land eingerichtet, bei dem sie angestellt oder für das sie als Beamte tätig sind, sondern der Schulträger. Das ist der Kreis oder die kreisfreie Stadt, die die Schule betreibt.

Auf absehbare Zeit wird sich an diesem Zustand nichts ändern - auch wenn das Land erkannt hat, dass dienstliche E-Mail-Adressen für alle Lehrer notwendig sind. Das Bildungsministerium teilte MDR THÜRINGEN mit, ein solcher Schritt sei nur mittelfristig umsetzbar. Vor dienstlichen E-Mail-Adressen habe es Vorrang, den Unterricht abzusichern. Das Ministerium verwies auf die Kosten der Mailkonten. 20.000 Postfächer einzurichten, koste zwischen 500.000 und einer Million Euro. Der laufende Betrieb würde mehrere hunderttausend Euro pro Jahr kosten.

Verbot von privaten Mailkonten wäre "weltfremd"

Die gängige Praxis, für schulische E-Mails private Mailanbieter zu nutzen, wird deswegen toleriert. Das Bildungsministerium lässt dazu wissen, im digitalen Zeitalter wäre es "weltfremd", eine derartige Kommunikation nicht zu gestatten. Problematisch wäre eine solche Kommunikation nur, wenn dabei Zensuren oder andere personenbezogene Daten verschickt würden.

Datenschützer: Privates Gerät und dienstliches Mailkonto vertragen sich

Sowohl der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse als auch die Lehrergewerkschaft GEW sind für dienstliche Mailadressen für alle Lehrer. Hasse sagt, er plädiere dafür, die Konten auf Servern des Bundes, des Landes oder der Kommunen einzurichten. Zur Frage dienstlicher Handys für Lehrer sagte der Datenschützer, dies würde die finanziellen Möglichkeiten der Länder sprengen. Dass Lehrer ihr dienstliches E-Mail-Konto auf ihrem privaten Gerät einrichten und nutzen, bringe zwar Probleme mit sich. Diese seien aber lösbar.

Lehrergewerkschaft: Diensthandys notwendig

Der GEW-Landesverband teilte mit, notwendig seien nicht nur dienstliche Mailadressen für Lehrer, sondern auch verschlüsselbare Datenträger und Server. Darauf sollten alle Schuldaten gespeichert werden - bis hin zu digitalen Schülerakten, Zensurenverwaltung und Klassenbuch. Lehrer sollten vom Land mit dienstlichen Endgeräten ausgestattet werden. Private Telefone und Computer seien problematisch - wegen der Kosten, der Wartung und des Datenschutzes.

Brandenburg richtet 20.000 Lehrern Mailkonten ein

Einen Schritt weiter als Thüringen ist das Land Brandenburg. Dort ist die Entscheidung gefallen, allen 20.000 Lehrern im Landesdienst dienstliche E-Mail-Konten einzurichten. Das Budget für das Projekt liegt bei 700.000 Euro. Der Posten ist im Entwurf für den Nachtragshaushalt des Landes für dieses Jahr enthalten, der noch in diesem Monat verabschiedet werden soll.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2018, 20:39 Uhr

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3 Kommentare

17.03.2018 20:40 martin 3

Solange eine E-Mail nicht bis zum Empfänger verschlüsselt wird, ist diese Kommunikationsform für die Übermittlung personenbezogener Daten meines Erachtens sowieso ungeeignet. Auch wenn sie von einem "sicheren" Landesserver aus versandt wird, bleibt sie so vertraulich wie eine Postkarte auf dem normalen Postweg.

Wichtiger als die Frage nach dem Serverbetreiber erscheint mir daher, dass Lehrer überhaupt elektronisch erreichbar sind.

17.03.2018 10:08 Mediator 2

@S(1): Mit Verlaub, aber ein Totschlagargument wie das ihre ist kein Argument. Selbstverständlich könnte man auch ohne Computer, Kopierer, Stift und Taschenrechner Unterricht betreiben, aber was wäre der Output solch einer Schule?
Da würden Menschen heraus kommen, die zwar irgendetwas können, aber mit den in der Geschäftswelt üblichen Kommunikations- und Arbeitsmitteln völlig überfordert wären.

Niemand würde in einer Firma auf die Idee kommen auf Fax und Briefpost zu verweisen, wenn der Großteil der Kunden per Mail kommuniziert. Wenn man mit jemanden kommunizieren will, dann muss man die Kommunikationsmittel verwenden, die beim Gegenüber akzeptiert werden. Sicherlich kann man sich solch einer Entwicklung eine Zeit lang verweigern, insbesondere wenn man nicht gewinnorientiert ist, aber auf Dauer wird man den Kontakt verlieren. Davon abgesehen spart eine schnelle moderne Kommunikation Zeit, und andere Ressourcen.

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