Ein vermummter Polizist läuft im Morgengrauen an fünf am Straßenrand geparkten Polizei-Mannschaftswagen vorbei.
Die Polizei bei einer Razzia (Archiv) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Erfurt | Reggio Calabria Mutmaßliches Mafia-Mitglied in Erfurt festgenommen

Das Thüringer Landeskriminalamt hat ein mutmaßliches Mafia-Mitglied in Erfurt festgenommen. Der Mann aus Kalabrien steht im Verdacht, für die Mafia-Organisation `Ndrangheta unter anderem Marihuana angebaut und im großen Stil geschmuggelt zu haben.

Ein vermummter Polizist läuft im Morgengrauen an fünf am Straßenrand geparkten Polizei-Mannschaftswagen vorbei.
Die Polizei bei einer Razzia (Archiv) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) hat ein mutmaßliches Mafia-Mitglied in Erfurt festgenommen. Der Mann aus dem italienischen Kalabrien steht im Verdacht, für die Mafia-Organisation `Ndrangheta unter anderem Marihuana angebaut und im großen Stil geschmuggelt zu haben. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN hatte die Staatsanwaltschaft der italienischen Reggio Calabria gegen den Mann einen europaweiten Haftbefehl erwirkt. Nach Angaben des LKA war der Mann der Behörde bisher nicht einschlägig bekannt.

Bei der Verhaftung am vergangenen Freitag wurden die LKA-Ermittler gegen die Organisierte Kriminalität von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) unterstützt. Der 27-Jährige Michele C. ließ sich nach MDR-Recherchen ohne Widerstand aus seiner Wohnung über einem italienischen Restaurant abführen. Er wartet nun in Thüringen auf seine Auslieferung nach Italien. Dort droht ihm eine Haftstrafe.

Festgenommener ist Cousin des Bandenchefs

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN ist C. der Cousin des Bandenchefs. Beide sollen dem Familien-Clan Pelle-Vottari aus San Luca angehören,  der 2007 bei einer Schießerei in Duisburg beteiligt war. Auch damals gab es direkte Kontakte nach Erfurt.

An einem Straßenrand stehen mehrere Schilder, auf einem der Schilder steht der Ortsname San Luca.
Der Festgenommene soll aus dem italienischen San Luca stammen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Die italienischen Ermittler waren bereits 2016 auf das Netzwerk gestoßen. Im Zuge der Operation "Selfie" wurden mindestens 28 Mitglieder der Bande identifiziert. Die Mafiosi hatten zur Absicherung ihrer Marihuana-Plantagen Fotofallen aufgebaut. Über diese Kameras waren die Carabinieri auf die Drogenschmuggler gestoßen. Im Rahmen der Operation "Selfie" wurden insgesamt 27 Italiener festgenommen. Acht Marihuana-Plantagen wurden identifiziert und mehr als 30 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt.

Erfurt als Hochburg der Geldwäsche

Erfurt gilt als eine Hochburg der `Ndrangheta. Hier wurde das so genannte "Erfurter Modell" entwickelt, das sich vor allem um die Geldwäsche der Mafia-Organisation kümmert. Dabei werden vor allem (junge) Familienmitglieder genutzt, die in Deutschland polizeilich kaum oder gar nicht in Erscheinung getreten sind. Über ein Netz von Firmen und Restaurant werden die Geldflüsse verschleiert, um das weltweit erwirtschaftete Drogengeld zu waschen.

Erst Ende letzter Woche hatte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen eingeräumt, dass in Deutschland  mindestens 18 bis 20 Stützpunkte der `Ndrangheta existieren, sogenannte "locale". Bundesweit wird die Zahl der Mitglieder auf mindestens 1.000 geschätzt. Das Dunkelfeld liegt nach Einschätzung des Vereins "mafianeindanke" deutlich höher. Der Berliner Verein weist seit Jahren auf die Umtriebe der italienischen Mafia hin. Ihrer Einschätzung nach ist die `Ndrangheta die einflussreichste kriminelle Organisation in Deutschland.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 19:00 Uhr

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6 Kommentare

05.06.2019 03:35 Omerta 6

La Mafia che

04.06.2019 12:49 Ralf 5

Dann schauen Sie sich mal "Die Geschichte der Mafia" an. Die Ursprünge gehen zurück bis zur spanischen Besetzung. Die Mafia gab es auch unter Mussolini. Die war nie weg.

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