Skizze einer Moschee
Ursprüngliche Skizze für die Moschee in Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erster Neubau in Thüringen Baustart für Moschee in Erfurt-Marbach

In einem Ortsteil von Erfurt entsteht Thüringens erster Moschee-Neubau. Am Dienstag soll dafür der Grundstein gelegt werden. Von Anfang an war das Projekt von Protesten begleitet. Ein Rückblick.

von Peter Sommer

Skizze einer Moschee
Ursprüngliche Skizze für die Moschee in Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es war der 11. Mai 2016, als die Ahmadiyya-Gemeinde zum ersten Mal mit den Bauplänen an die Öffentlichkeit trat. Ein Bauvorantrag sei eingereicht, auch Gespräche mit dem Gemeinderat des Ortsteils Erfurt-Marbach habe es gegeben. Ein "Raum der Begegnung" soll die Moschee werden, sagte der Vorsitzende der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Suleman Malik. Mit zwei Gebetsräumen in einem eingeschossigen Bau, einer Kuppel und einem acht Meter hohen Minarett. Insgesamt 600.000 Euro soll der Bau kosten, das Geld werde aus bundesweiten Spenden aufgebracht. Das Grundstück hatte die Gemeinde für 150.000 Euro von der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft gekauft.

Unterschriften gegen den Bau

Proteste ließen nicht lange auf sich warten. Mehr als tausende Unterschriften sammelten Gegner der Moschee und reichten diese beim Petitionsausschuss des Thüringer Landtags ein. Das Argument: durch den Moscheebau würde möglicherweise die öffentliche Sicherheit gefährdet und die Rechte von Anliegern beeinträchtigt. Gegebenenfalls sollten entsprechende Gesetze auf Bundesebene geändert werden. Dazu kam es nicht. Nach langen Diskussionen und Anhörungen betrachtete der Petitionsausschuss die Eingabe schließlich als "erledigt" - gegen die Stimmen der CDU-Mitglieder.

AfD als Wortführerin

Fraktionsvorsitzender Björn Höcke (AfD) im Gespräch mit Suleman Malik (Ahmasiyya-Gemeinde Erfurt).
AfD-Fraktionschef Björn Höcke und Suleman Malik, Erfurter Gemeindesprecher der Ahmadiyya, im Dialog. Bildrechte: IMAGO

Die Proteste kamen damit keinesfalls zur Ruhe. Insgesamt mehr als 30 Widersprüche reichten Gegner der Moschee bei den Behörden ein. Wortführerin der Moschee-Gegner war von Anfang an die AfD. Landeschef Björn Höcke warf der Ahmadiyya-Gemeinde vor, sie wolle mit dem Kauf des Grundstücks und dem Bauantrag "Fakten schaffen - über die Köpfe der Bürger hinweg". Sogar naturschutzrechtliche Bedenken führten sowohl die AfD als auch andere Moschee-Gegner an. Auf dem Gelände in Erfurt-Marbach gebe es ein bundesweit bedeutendes Feldhamster-Vorkommen, ließ ein Flugblatt im Juni dieses Jahres wissen, auch ein Naturschutzverein wurde eigens gegründet. Der Umweltverband BUND sowie das Thüringer Umweltministerium wiesen derlei Einwände scharf zurück. Das Gelände sei schon vor Jahren als Baugrund ausgewiesen und somit einer naturschutzrechtlichen Prüfung unterzogen worden.

Holzkreuze auf dem Grundstück

Auch andere rechte Gruppierungen stiegen zunehmend in die Proteste gegen die Moschee ein. Im März letzten Jahres errichteten Vertreter der "Ein-Prozent"-Bewegung und des Vereins "Bürger für Erfurt" insgesamt elf Holzkreuze neben dem Baugrundstück. Die Kreuze wurden entfernt, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Linke protestierten. Kritik an der Aktion kam auch von Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke (parteilos). Noch größer war die öffentliche Empörung, als Unbekannte im Mai 2017 Kadaver von Schweinen auf Pflöcke spießten. Der Staatsschutz ermittelte.

Zustimmung von Landesregierung und Kirchen

Protest mit Holzkreuz gegen Moschee-Baupläne in Erfurt-Marbach
Protest: Holzkreuz auf dem Baugrundstück Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Im Januar dieses Jahres schließlich genehmigte die Stadt Erfurt den Bauantrag für die Moschee. Das Echo darauf fiel geteilt aus. Zustimmung gab es von Seiten der Landesregierung und der Kirchen. Das Gotteshaus werde die religiöse Vielfalt in Thüringen bereichern, sagte ein Regierungssprecher. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland verwies auf das Gebot der Religionsfreiheit. Kritisch äußerte sich die CDU. Die Chance, zwischen den berechtigten Sorgen und Interessen der Bürger einerseits und den Wünschen der Gemeinde andererseits zu vermitteln, sei vertan worden, hieß es von Seiten des Kreisverbands. Noch drastischer äußerte sich die AfD. "Islamisten" dürften jetzt eine Moschee bauen - gegen den Willen der Erfurter, gegen den Naturschutz und gegen den gesunden Menschenverstand, ließ ein Sprecher verlauten.

Friedlich, gemäßigt, konservativ

Die 1922 gegründete Ahmadiyya-Gemeinde hat in Thüringen rund 100 Mitglieder, 70 davon in Erfurt. Die Gemeinde gilt als friedlich und gemäßigt, sie bezeichnet sich selbst als tolerant. Im Inneren gilt die Ahmadiyya-Gemeinde jedoch als konservativ - zum Beispiel, was die Rolle von Frauen angeht. Mit Verweis darauf hatte die AfD immer wieder Zweifel an der Verfassungskonformität der Gemeinde geäußert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 11:27 Uhr

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46 Kommentare

14.11.2018 20:48 Leo Bronstein 46

MDR: >Eines d. Probleme: DEN Islam m. einer zentralen Autorität wie bei d. katholischen Kirche gibt es nicht, sondern fast unüberschaubar viele Auslegungen von salafistisch/islamistisch intolerant bis zu demokratieverträglich/tolerant.<

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Und dann wird binnen kürzester Zeit die einzige gemäßigte islamische Gemeinde Deutschlands, die der Ibn Rushd Goethe Moschee in Berlin, mit einer Fatwa belegt?
ibn-rushd-goethe-moschee(de); 28.06.17 >Stellungnahme der Ibn Rushd Goethe Moschee zur Fatwa der ägyptischen Fatwa-Behörde Dar Al-Iftaa<

Eigenartig.
Liberal-progressive jüdische Gemeinde z. Bsp. werden, meines Wissens nicht in ähnlicher Weise von orthodoxen Juden mit einem Bann belegt.

14.11.2018 15:46 Ekkehard Kohfeld 45

@ OKRA-TESS 40 Ich würde einen Deal vorschlagen: Für jede in Deutschland gebaute Moschee wird in der Türkei eine christliche Kirche gebaut.##In der Türkei mag das noch etwas gehen aber versuchen sie das mal in anderen islamistisch geprägten Ländern,ich denke da können sie froh sein wenn sie nur bei der Andeutung mit dem Leben davon kommen,ich war in solchen Ländern des öfteren,ich kann ihnen da was flüstern,da müssen sie als Christ ganz,ganz vorsichtig sein.

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